Die Vierschanzentournee 2015 - Favoriten und Legenden
Früher als in diesem Jahr startete sie nie: die Vierschanzentournee. Schon heute, am 28. Dezember, steigt das erste Springen in Oberstdorf. Die Favoriten auf den Gesamtsieg sind in diesem respektive nächstem Jahr besonders zahlreich.

Die Top-Favoriten:

Roman Koudelka: Der Tscheche feierte bereits drei Saisonsiege. Bei der Generalprobe in Engelberg konnte er mit den Plätzen 1 und 2 besonders überzeugen. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt er auf Rang 2 – nur zwei Punkte hinter dem Führenden, Anders Fannemel.

Simon Ammann: Der viermalige Olympiasieger aus der Schweiz scheint in diesem Jahr bereit für einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Es ist der einzige große Titel im Skispringen, der ihm noch fehlt. Mit Platz 2 in Engelberg und zwei Siegen in Kuusamo (Rang 5 im Gesamtweltcup) macht er sich berechtigte Hoffnungen, seine Titelsammlung zu komplettieren.

Gregor Schlierenzauer: 53 Weltcupsiege – so viele wie für keinen anderen Skispringer stehen für den Österreicher zu Buche. Seit einem Jahr läuft es aber nicht mehr wie gewohnt. Nach einer bescheidenen letzten Saison konnte er heuer zumindest bereits einen 1. und 2. Platz bejubeln. Vielleicht klappt es ja mit dem dritten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee...

Severin Freund: Der aktuelle Skiflug-Weltmeister konnte seine Form der letzten Saison bisher bestätigen. Mit einem Sieg und zwei dritten Plätzen belegt der Deutsche den 4. Rang im Gesamtweltcup. Bei der Vierschanzentournee konnte er aber bislang nie durch Konstanz glänzen.

Peter Prevc: Der Slowene erreichte bisher nur einen Podestplatz. Dank seiner Beständigkeit belegt er immerhin den 5. Platz im Weltcup, punktgleich mit Simon Ammann. Diese könnte ihm auch bei der Vierschanzentournee zu Gute kommen. Und: bei Großereignissen ist immer mit dem Medaillensammler zu rechnen.

Die Geheimfavoriten:

Anders Fannemel: Obwohl er die Gesamtweltcupwertung (noch) anführt ist er kaum als Topfavorit zu nennen. Zu Beginn der Saison war der Norweger allerdings der konstanteste Springer. Als Aufsteiger des Jahres könnte ihm durchaus eine Überraschung gelingen.

Noriaki Kasai: Vor 26 Jahren gab der mittlerweile 42-jährige Japaner sein Debut im Weltcup - seit dem Sieg in Kuusamo ist er der älteste Sieger aller Zeiten. Kasai scheint immer besser zu werden. Einen großen Titel (außer der Skiflug-WM '92) gönnen ihm wohl alle Skisprungfans.

Michael Hayböck: Er trägt zwar keinen großen Namen, wird aber unter Experten als heißer Favorit gehandelt – und das nicht nur, weil er Österreicher ist: vier Podestplätze in dieser Saison bedeuten Platz 3 in der Weltcupwertung.

Richard Freitag: Ohne sein Verletzungspech wäre der Sachse vielleicht schon ein ganz Großer der Szene. Aber auch so ist er immer für einen Sieg gut – wie zuletzt bei seinem Comeback in Engelberg. Wenn er richtig fit ist könnte ihm der endgültige Durchbruch gelingen.

Kamil Stoch: Der Doppelolympiasieger von Sotchi konnte in dieser Saison noch kein Weltcupspringen bestreiten; in Oberstdorf möchte er sein Comeback feiern. Der Pole ist momentan vielleicht der beste Skispringer. Aber: wie fit ist er? Die große Unbekannte...

Viele Favoriten auf den Gesamtsieg der Vierschanzentournee also, aber ein ganz großer Name fehlt: Janne Ahonen, mit fünf Siegen der Rekordsieger der Tournee. Der Finne ist noch/wieder aktiv, aber seit seinem letzten Comeback läuft es überhaupt nicht. Er möchte sich jetzt auf die WM in Falun vorbereiten.

Ahonen wird eine Legende in der Geschichte der Vierschanzentournee bleiben. Sie begann mit dem Neujahrsspringen 1953 in Garmisch-Partenkirchen (die einzige Tournee, die in einem Kalenderjahr durchgeführt wurde). Danach wurde in der Regel zunächst in Oberstdorf (zwischen dem 28. Dezember und Silvester), anschließend in Garmisch-Partenkirchen (mit einer wetterbedingten Ausnahme immer am 1.1.), dann in Innsbruck (in der Regel am 3. oder 4. Januar, anfangs öfter auch am 6.) und abschließend in Bischofshofen (meistens als Dreikönigsspringen, manchmal später) gesprungen.

Erster Sieger der Geschichte war der Deutsch-Österreicher (wie passend!) Sepp Bradl. Der gebürtige Bayer war bereits 1936 als erster Skispringer der Welt über 100 (gemessene) Meter gesprungen. 1938 brach er seinen eigenen Rekord in Planica mit 107 Metern. 1939 wurde er Weltmeister in Zakopane. Mit dem Tournee-Sieg 1953 - als Österreicher - wurde Sepp Bradl zu einer Skisprung-Legende.
Zum ersten Dominator der Vierschanzentournee avancierte Helmut Recknagel. Der Thüringer gewann die Ausgaben 1957/58, 1958/59 und 1960/61 (1959/60 starteten wegen der Olympiavorbereitung keine DDR-Springer bei der Tournee. Dafür wurde Recknagel 1960 Olympiasieger).
Die 1960er Jahre wurden von den Skandinavieren geprägt. Zur Legende wurde Björn Wirkola, der als bisher einziger Springer drei Gesamtsiege in Folge feiern konnte (1966/67 bis 1968/69). Der Norweger ist zudem mit 10 Einzelsiegen immernoch Rekordhalter (gemeinsam mit Jens Weißflog).

Danach wechselten sich Sieger und Nationen (DDR, Tschechoslowakei, Norwegen, Österreich, Finnland) ab. Nur Jochen Danneberg (DDR/76 und 77) und Hubert Neuper (Österreich/80 und 81) konnten mehrfache Gesamtsiege feiern.
In den 80ern hieß das Duell oft Jens Weißflog (Sieger 84 und 85, Zweiter 83, 88, 89) gegen Matti Nykänen (Sieger 83 und 88, Zweiter 85, 89, Dritter 84). Ernst Vettori konnte den beiden Legenden des Skisprung-Sports aber zweimal die Show stehlen. Bei den Siegen des Österreichers 1986 und 1987 stand keiner der beiden Stars auf dem Podest.
Während der Finne Nykänen in der Folge abstürzte, schaffte der Sachse Weißflog nach der Wiedervereinigung die Umstellung auf den neuen V-Stil und konnte 1991 und 1996 noch seine Tournee-Siege drei und vier bejubeln. Dazwischen feierte der Österreicher Andreas Goldberger zwei Titel (1993 und 1995).

Zwischen 1995 und 2010 stand Janne Ahonen 10 mal auf dem Podium der Gesamtwertung. Das schaffte bisher kein anderer Springer – ebenso wie seine fünf Siege (1999, 2003, 2005, 2006, 2008). Eine Besonderheit gab es bei der Ausgabe 2006: zwei punktgleiche Gewinner. Neben Ahonen wurde auch der Tscheche Jakub Janda zum Sieger gekürt. Die meist beachtete Leistung in der Geschichte der Vierschanzentournee vollbrachte aber wohl Sven Hannawald: 2001/2002 gewann der Deutsche als bisher Einziger alle vier Springen einer Tournee.
Seit 2008/09 dominieren die Österreicher. Sechs Gesamtsiege in Folge einer Nation sind unerreicht. Besonders bemerkenswert: fünf verschiedene Springer konnten diese Erfolge erringen. Einzig Gregor Schlierenzauer hat die Vierschanzentournee zwei Mal gewonnen. Mit neun Einzelsiegen ist er – gleichauf mit Janne Ahonen – nur noch einen Erfolg vom Rekord entfernt.



Autor: A. Arens.




tippie am 28.Dez 14  |  Permalink
Nummer Eins!
Sehr interessanter Artikel, Herr Arens!
Jetzt brauch ich was zum Thema Fussball, um die Winterpause zu überbrücken.Transfers, etc.
Ich würd mich freuen!
Liebe Grüße aus PAderborn