Sorry, you need system administrator rights for that.
Vorschau zur nordischen Ski-WM in Falun (18. Februar bis 1. März)
Für die nordischen Skisportler beginnen die Weltmeisterschaften erst in einem Monat. Die Zeit zwischen dem Neujahrshöhepunkt (Tour de Ski, Vierschanzentournee) und dem Großereignis (WM oder Olympia) wird traditionell von einigen Athleten zur Regeneration oder zum Training genutzt. Ein Anlass also, um die erste Saisonhälfte zu analysieren, mit Blick auf die Medaillenchancen der DSV-Athleten bei der WM im schwedischen Falun.
Für eine postive Überraschung in dieser Saison sorgten die deutschen Skilangläuferinnen, wie ein Blick auf den Weltcupstand zeigt.
1. Marit Björgen (NOR/11 Siege)
2. Therese Johaug (NOR/6 Siege)
3. Heidi Weng (NOR)
4. Ragnhild Haga (NOR)
5. Ingvild Flugstad Östberg (NOR/2 Siege)
6. Nicole Fessel (D)
7. Denise Herrmann (D)
…
15. Stefanie Böhler (D)
Die Norwegerinnen dominieren in dieser Saison mehr denn je. Von möglichen 57 Podestplätzen holten die Damen aus dem hohen Norden sagenhafte 51 Stück. Natürlich gingen auch alle 19 Siege nach Norwegen. Unter den ersten Acht der Gesamtwertung liegen sechs Norwegerinnen. Da sind die Positionen 6 und 7 der Deutschen Nicole Fessel und Denise Herrmann ganz besonders zu würdigen, ebenso wie der zweite Rang von Fessel beim Weltcup im schweizerischen Davos, wo sie sich nur der überragenden Marit Björgen geschlagen geben musste.
Diese Ergebnisse waren vor der Saison so nicht zu erwarten. Dank der konstanten Leistung von Stefanie Böhler können sich die DSV-Damen auch berechtigte Hoffnungen auf eine Staffelmedaille bei der WM machen. Bei ihrem Heimspiel wird dann aber bestimmt auch mit den Schwedinnen zu rechnen sein. Gerade in den Einzeldisziplinen dürfte es daher schwer werden, eine Medaille zu erringen. Besonders dann, wenn die Polin Jusztyna Kowalczyk doch noch zu ihrer Normalform finden sollte.
Bisher deutet aber alles auf ein norwegisches Medaillenfestival hin. Bei den Damen ist es gar nicht mal unrealistisch, dass sie alle möglichen Medaillen aus dem ungeliebten Nachbarland mit nach Hause nehmen. Dann blieben nur jeweils Silber und Bronze in der Staffel und im Teamsprint für alle anderen Nationen. Auf diese zwei Rennen werden die deutschen Starterinnen wohl auch ihr Hauptaugenmerk richten – wie bereits erwähnt, mit guten Chancen auf zumindest eine Medaille.
Etwas anders sieht das bei den Herren aus. Bis zum zweitletzten Tag der Tour de Ski (Anfang Januar) hatte kein einziger DSV-Athlet die interne Norm erfüllt, kein Sportler stand unter den Top 60 (!) der Gesamtwertung.
1. Martin Johnsrud Sundby (NOR/4 Siege)
2. Petter Northug (NOR/2 Siege)
3. Calle Halfvarsson (SWE)
4. Dario Cologna (CH/1 Sieg)
5. Jewgenij Belov (RUS)
6. Finn Hagen Krogh (NOR/1 Sieg)
Nach dem Rücktritt der goldenen Generation um Axel Teichmann (Gesamtweltcupsieger 2004/05, Weltmeister 2003 und 2007) und Tobias Angerer (Gesamtweltcupsieger 2005/06, 2006/07, Tour de Ski-Sieger 2007) schien nichts mehr übrig vom Ruhm der 2000er Jahre. Und plötzlich gewinnt Tim Tscharnke völlig überraschend eine Tour-Etappe im Val di Fiemme. Zwei weitere DSV-Athleten konnten sich in diesem Rennen das WM-Ticket sichern.
Trotzdem sollten sich die deutschen Langläufer keine großen Hoffnungen auf Medaillen bei der WM machen. Auch hier kommen die Favoriten aus Norwegen und Schweden. Das schwedische Team bereitet sich – wie auch die Frauen – ganz besonders auf die Heim-WM in Falun vor. In den Teamrennen dürfte es deshalb spannend werden zwischen den beiden skandinavischen Konkurrenten.
In den Distanzrennen sind neben den Norwegern – insbesondere Martin Johnsrud Sundby sowie „enfant terrible“ Petter Northug – und den Schweden (Halfvarsson, Hellner, Richardsson, Olsson) auch der schweizerischen Langlauflegende Dario Cologna und Alexej Poltoranin aus Kasachstan Einzelmedaillen zuzutrauen. Abzuwarten bleibt, ob die Russen zu der Stärke der vergangenen Jahre zurückfinden. Im Sprint wird es wohl ein offenes Rennen zwischen allen skandinavischen Startern und dem Italiener Federico Pellegrino sowie dem ein oder anderen Russen (am ehesten Alexej Petukhov).
Vielleicht gibt es bei der nordische Ski-WM in Falun ja auch eine ganz besondere Überraschung: eine Langlaufmedaille für Großbritannien. Andrew Musgrave, der vor einigen Jahren schon mal mit einem Sieg bei den norwegischen Meisterschaften von sich Reden machte – was in den norwegischen Medien nicht so gut ankam: wie konnte der Brite sich erdreisten... – lief auf einer Verfolgungsetappe der Tour de Ski die schnellste Netto-Zeit. Leider zählte das nicht als offizieller Sieg (da nur das Gesamtergebnis gewertet wurde), es zeigt aber, dass Musgrave durchaus das Potenzial für Top-Platzierungen besitzt.
Besser als bei den deutschen Langläufern sieht es bei den Skispringern aus. Zwar verlief die Vierschanzentournee – vor allem die Stationen in Deutschland – ein Mal mehr nicht nach Wunsch, dafür konnte man sich bei fast jedem anderen Weltcup-Springen über einen Podestplatz freuen. Auch beide Teamspringen – den Auftakt in Klingenthal und gestern in Zakopane – entschied das DSV-Team für sich. Im Gesamtweltcup sind die Deutschen (noch) nicht unter den ersten drei zu finden, da kann sich vor und nach der WM allerdings noch sehr viel ändern.
1. Stefan Kraft (AT/877/2 Siege)
2. Michael Hayböck (AT/799/1 Sieg)
3. Peter Prevc (SLO/764/kein Sieg)
4. Severin Freund (D/753/2 Siege)
5. Roman Koudelka (CZ/656/3 Siege)
6. Anders Fannemel (NOR/620/1 Sieg)
7. Simon Ammann (CH/556/2 Siege)
8. Noriaki Kasai (JP/540/1 Sieg)
9. Gregor Schlierenzauer (AT/495/1 Sieg)
10. Richard Freitag (D/456/2 Siege)
…
14. Anders Jacobsen (NOR/292/1 Sieg)
16. Kamil Stoch (PL/234/1 Sieg)
Insgesamt sechs Saisonsiege und fünf weitere Podestplätze, sowie die Führung im Nationen-Weltcup sind eine sehr gute Bilanz für die deutschen Skispringer. Auch der 6. Rang in der Tournee-Gesamtwertung Tournee durch Richard Freitag (mit seinem Sieg in Innsbruck) war am Ende nicht so schlecht. Vielleicht klappt es ja bei dem anderen Großereignis dann richtig. Allerdings kann man für die WM in Falun keine wirklich zuverlässigen Aussagen treffen. Am ehesten noch für das Teamspringen: Deutschland, Österreich und Norwegen stehen in puncto Ausgeglichenheit zur Zeit etwas vor Slowenien, Japan oder Polen. Als Olympiasieger und zweifacher Saisonsieger sind die DSV-Adler wohl favorisiert.
Im Unterschied zum Weltcup wird bei der WM auch von der Normalschanze gesprungen. Hier kommt es dann besonders auf die Absprungkraft an, traditionell eine Domäne der Österreicher. Mein Favorit ist aber ein anderer: Richard Freitag. Der Sachse hat die nötige Power in den Beinen um von der Normalschanze erfolgreich zu sein und die Form stimmt seit dem Sieg in Engelberg auch wieder. Weitere absprungstarke Springer, außer den Österreichern, sind Roman Koudelka, Peter Prevc sowie die zur Zeit (noch) im Aufbautraining befindlichen Simon Ammann und Andreas Wellinger.
Die Großschanze ist in Falun nicht ganz so groß (Hillsize 134) und damit könnte eigentlich das Gleiche gelten, wie für die Normalschanze. Sicherlich werden hier aber die Norweger etwas stärker auftreten. Mein Favorit lautet Anders Jacobsen. Der Norweger hat in diesem Jahr wieder gezeigt: wenn er den Sprung perfekt trifft, fliegt kaum einer besser als er. Gute Chancen haben außerdem noch die beiden Deutschen Freitag und Freund, Tournee-Gewinner Stefan Kraft, Oldie Noriaki Kasai und Doppelolympiasieger Kamil Stoch aus Polen, der nach seiner OP immer besser in Schwung kommt. Die Generalprobe im Vorjahr gewann Severin Freund vor Prevc und Kasai.
Eine weitere Disziplin, die nur bei den Weltmeisterschaften gesprungen wird, ist der Mixed-Wettkampf. Von der Normalschanze gehen jeweils zwei Frauen und zwei Männer an den Start. Österreich, Deutschland, Japan und Slowenien sind die Nationen, die sowohl bei den Männern als auch bei den Damen über Spitzenathleten verfügen.
Bei den Frauen sind erst 4 Weltcup-Wettbewerbe absolviert.
1. Sara Takanashi (JP/296)
2. Spela Rogelj (SLO/246)
3. Daniela Iraschko-Stolz (AT/242)
4. Carina Vogt (D/228)
5. Irina Avvakoumova (RUS/172)
6. Katharina Althaus (D/137)
Topfavoritin auf den (einzigen) WM-Titel von der Normalschanze ist ganz klar Sara Takanashi, die 17 der letzten 22 Weltcup-Springen für sich entscheiden konnte. Die einzige, die vor ihrer 15-monatigen Verletzungspause mit der Japanerin mithalten konnte war Sarah Hendrickson. Wenn die US-Amerikanerin wieder zu dieser Form findet könnte sie ihren Titel verteidigen. Gute Chancen auf Medaillen haben auch Olympiasiegerin Carina Vogt, die bei der Premiere des Damen-Skispringens in Sotchi die Schwäche von Takanashi zu nutzen wusste und in Zao ihren ersten Weltcupsieg feierte, sowie Altmeisterin Daniela Iraschko-Stolz und Newcomerin Spela Rogelj.
Die Nordische Kombination bleibt die einzige olympische Disziplin ohne die Beteiligung von aktiven Frauen. Die FIS will das so schnell wie möglich ändern, noch gibt es aber nicht genügend konkurrenzfähige Sportlerinnen. Und auch die Herren haben bereits mit fehlender Medien-Präsenz und zu wenigen Weltcup-Orten zu kämpfen. Dabei ist die Kombination aus Skispringen und Skilangkauf eine besondere sportliche Herausforderung, die aus deutscher Sicht auch noch sehr erfolgreich betrieben wird, wie ein Blick auf die Weltcup-Gesamtwertung verdeutlicht.
1. Eric Frenzel (D/621)
2. Fabian Rießle (D/476)
3. Akito Watabe (JP/437)
4. Bernhard Gruber (AT/394)
5. Johannes Rydzek (D/385)
6. Jan Schmid (NOR/368)
7. Mikko Kokslien (NOR/365)
7. Havard Klemetsen (NOR/365)
9. Magnus Hovdal Moan (NOR/330)
10. Jason Lamy Chappuis (F/240)
Bei der WM in Falun gibt es vier Wettbewerbe. Favoriten auf die Einzel-Medaillen sind die oben genannten. Hinzu kommen Olympiasieger Jörgen Grabak und Magnus Krog aus Norwegen sowie der Österreicher Lukas Klapfer. Im Teamwettbewerb erwarten alle ein packendes und traditionsgeladenes Duell zwischen Deutschland und Norwegen. Beim Teamsprint, der mit jeweils 2 Startern pro Nation bestritten wird, könnten, neben den beiden Top-Teams, auch die Österreicher, Franzosen, Japaner und eventuell sogar die US-Amerikaner oder Italiener ein Wörtchen bei der Medaillenvergabe mitreden.
Insgesamt verspricht auch die Nordische Kombination spannende und abwechslungsreiche Wettkämpfe für die Weltmeisterschaften in Schweden. Nur die Langlauf-Wettbewerbe könnten, was die Medaillenvergabe anbelangt, etwas einseitig werden. Insgesamt 21 mal (4 in der nordischen Kombination, 5 im Skispringen und jeweils 6 im Skilanglauf der Damen und der Herren) werden Gold, Silber und Bronze in Falun verteilt. Favorit auf den ersten Platz im Medaillenspiegel ist eindeutig Norwegen. Wenn es gut läuft streitet sich das deutsche Team mit Gastgeber Schweden um den zweiten Platz.
Autor: Andreas Arens.
Anmerkung: Weltcup-Stände vom 18. Januar 2015.
sportzumsonntag am 18. Januar 15
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren