Schürrle zurück in der Bundesliga und „Ausleih-Orgie“ in Italien – ein Überblick der Toptransfers des Winters

Seit dem Wochenende rollt wieder der Ball in den deutschen Profiligen. Obwohl der Spielbetrieb läuft (in den anderen großen Ligen war er gar nicht unterbrochen) waren einige Vereine noch „last-minute“ auf der Suche nach Verstärkungen unterwegs. Erfahrungsgemäß passiert in den letzten Tagen einer solchen Transferperiode noch sehr viel.
Obwohl das Transferfenster heute (2.2.) schloss, befanden sich die Transfers von André Schürrle (von Chelsea zu Wolfsburg) und Juan Cuadrado (von Florenz zu Chelsea) bis zuletzt in der Schwebe. Zumindest der Deal mit Schürrle wurde gerade erst vom VfL Wolfsburg bestätigt. Laut englischer Medien beläuft sich die Ablösesumme auf geschätzte 24 Millionen Pfund und läge damit auf dem gleichen Niveau, wie der Transfer von Wilfried Bony. Der Ivorer ist mit etwa 32,3 Millionen Euro der bislang teuerste Spieler dieser Transferperiode. Manchester City investierte diese Summe für den erfolgreichsten Torjäger der Premier League im Kalenderjahr 2014. Derzeit weilt der ehemalige Swansea-Akteur allerdings noch beim Afrika-Cup in Äquatorialguinea, wo er die Elfenbeinküste gestern Abend mit zwei Treffern gegen Algerien ins Halbfinale schoss.
Mit Seydou Doumbia wechselte ein weiterer ivorischer Stürmer-Star die Seiten. Circa 14,4 Millionen Euro ließ sich die Roma die Dienste des Torjägers von Spartak Moskau kosten. Unter Umständen ein Schnäppchen, denn der Marktwert des ehemaligen Baslers wird auf 25 Millionen Euro taxiert. Um Platz im römischen Angriff zu machen – denn neben Doumbia wurde auch der kolumbianische Nationalspieler Victor Ibarbo von US Cagliari ausgeliehen – gab man Mattia Destro an den AC Milan ab (ebenfalls per Leihe).
In dieser Transferperiode schlugen auch andere italienische Vereine ordentlich zu. Inter Milano veranstaltet eine regelrechte Stürmer-Leih-Orgie: Nach Lukas Podolski (vom Arsenal FC) und Xherdan Shaqiri (aus Bayern, der im Sommer aber auf jeden Fall fest verpflichtet werden soll) könnte jetzt auch noch Antonio Cassano geliehen werden. Das ehemalige Wunderkind des italienischen Fußballs wurde von den Ultras seines Vereins, FC Parma, quasi rausgeschmissen. Inter-Coach Mancini scheint Mitleid zu haben...
Ein weiterer Offensivakteur, Jung-Nationalspieler Manolo Gabbiadini, wechselt für kolportierte 12,5 Millionen Euro von Sampdoria zum SSC Napoli. Dafür holten sich die Genuesen Alt-Star Samuel Eto'o aus Everton als Ersatz – angeblich zum Nulltarif. Dass das trotzdem kein Gewinngeschäft für Sampdoria sein muss zeigte Eto'o heute, als er angeblich das nach der 1:5-Niederlage am Wochende angesetzte Sondertraining schwänzte und lieber zu seiner Familie nach Mailand fuhr.
Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Geschäft machte der AC Milan. Der enttäuschende Leih-Stürmer Fernando Torres wurde für drei Millionen Euro fest vom Chelsea FC verpflichtet, um ihn direkt – im „Leih-Tausch“ mit Alessio Cerci – an Atlético Madrid auszuleihen, wo Torres plötzlich wieder trifft. Ansonsten verstärkten sich die Milanesen vor allem in der Defensive: Salvatore Bocchetti (per Leihe von Spartak Moskau) und Gabriel Paletta (für 3 Millionen Euro aus Parma) stoßen neu zum Kader. Einen prominenten Abgang gibt es bei Juventus zu verzeichnen. Das „ewige Talent“ Sebastian Giovinco geht ablösefrei zum Toronto FC in die nordamerikanische MLS.

Ein neuer Konkurrent für die europäischen Clubs scheint in China zu erwachsen, zumindest in Sachen Transfers. Guangzhou Evergrande, das in den letzten Jahren schon das ein oder andere „Auslaufmodell“ verpflichtete, verstärkte sich in dieser Transferperiode mit den Brasilianern Ricardo Goulart (23, von Cruzeiro) und Alan (25, aus Salzburg) für insgesamt circa 26 Millionen Euro. Diese Spieler schienen eigentlich auch für die größeren europäischen Ligen interessante Optionen zu sein. Offensichtlich ist der chinesische Fußball aber mittlerweile finanzstark genug, die eher durchschnittliche Qualität der Liga aufzufangen.
Während die italienischen (und chinesischen) Klubs in erster Linie in Offensivkräfte investierten, standen in Spanien die Mittelfeldspieler im Fokus. Den teuersten Neuzugang vermeldet der CF Valencia. Für satte 25 Millionen Euro kam der argentinische Vize-Weltmeister Enzo Pérez von SL Benfica. Klub-Weltmeister Real Madrid investierte vor allem in die Zukunft. Neben dem erst 16-jährigen Super-Talent Martin Ödegaard aus Norwegen verpflichteten die Madrilenen in Lucas Silva einen weiteren Mittelfeldspieler. Für den 21-jährigen „6er“ erhielt Cruzeiro etwa 13 Millionen Euro.
Nach den großen Einsparungen im Sommer (Wechsel von James Rodríguez und Falcao) zeigt sich der AS Monaco im Winter wieder etwas spendabler. Mit Mittelfeld-Talent Bernardo Silva stößt ein weiterer Portugiese zum Kader der Monegassen. Circa 15,75 Millionen Euro soll Benfica für den 20-jährigen in den Verhandlungen herausgeholt haben.
Die dringend benötigte Verstärkung für die Innenverteidigung hat sich der Arsenal FC geleistet. Für etwa 15 Millionen Euro wechselte der Brasilianer Gabriel Paulista von Villarreal an die Themse. Er ist jetzt einer von drei (vorher sogar nur zwei!) Innenverteidigern im Kader der „Gunners“. Der Toptransfer der Premier League ist aber Juan Cuadrado. Für den kolumbianischen WM-Star, dessen Vertragsunterschrift der Chelsea FC soeben verkündete, müssen die Londoner wohl die angeblich festgeschriebene Ablösesumme von 33 Millionen Euro an die Fiorentina überweisen. Damit wäre Cuadrado der teuerste Transfer dieser Wechselperiode.

Autor: Andreas Arens.