Die Rückrunde der Fußball-Bundesliga: Ein klarer Titelfavorit, dafür viel Spannung im Abstiegskampf
Die ersten drei Spieltage der Bundesliga-Rückrunde sind absolviert. Einen besonders positiven Eindruck hinterließen vor allem die Nordteams aus Wolfsburg und Bremen (nach den Ergebnissen ebenfalls der HSV). Auch bei den anderen Mannschaften lassen sich nach 20 Spieltagen erste Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf der Rückrunde ziehen.

Bayern München: Nach der herben 1:4-Klatsche zum Auftakt beim VfL Wolfsburg scheinen die Bayern langsam wieder warm zu werden. Auch wenn das 1:1 gegen Schalke und das 2:0 in Stuttgart noch keine Bestätigung der Hinrunden-Form waren, zeigt sich der Rekordmeister von Spiel zu Spiel verbessert. Wenn demnächst die Verletzten (Lahm, Ribéry, Badstuber, Thiago, Rafinha, evtl. Martínez) zurückkehren ist auch wieder die Breite im Kader vorhanden, um Formschwächen einzelner Spieler auffangen zu können. Deshalb bleibt Bayern der große Favorit auf den Meistertitel – das wäre dann der dritte in Folge.

VfL Wolfsburg: Die „Wölfe“ scheinen sehr gut aus der Winterpause gekommen zu sein. Insbesondere der Belgier Kevin de Bruyne präsentiert sich in herausragender Form. Auch außerhalb des Spielfeldes sorgte der Club mit dem Transfer von André Schürrle für Schlagzeilen. Für den VfL sollte ein Platz in der Champions League sicher sein. Trotz des beeindruckenden Sieges über die Bayern kommt der deutsche Meistertitel für diese Mannschaft wohl (noch) zu früh.

FC Schalke 04: Auch Schalke präsentierte sich in den drei Spielen in guter Verfassung und gewann 7 Punkte (zwei Heimsiege, ein Remis in München). Dennoch gab es Kritik an der sehr defensiven Spielweise des S04. Letztlich zählt aber nur der Erfolg – und der gibt Trainer Roberto Di Matteo Recht. Aus meiner Sicht spielt Schalke um den 2. Rang mit, ein Platz unter den ersten vier sollte auf jeden Fall möglich sein.

FC Augsburg: Eigentlich kann man den FCA nicht mehr als Überraschungs-mannschaft bezeichnen, denn er spielt seit beinahe zwei Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Trotzdem ist der 4. Platz – punktgleich mit Schalke – eine kleine Sensation. Angesichts der Konkurrenz sollte dieser auch kaum zu halten sein. Im Kampf um einen Europa League-Platz hat Augsburg mit acht Punkten Vorsprung auf den 7. dagegen sehr gute Karten.

Borussia Mönchengladbach: Nach zwei 1:0-Erfolgen zum Auftakt ärgerte man sich in Mönchengladbach sehr über die 0:1-Niederlage beim direkten Konkurrenten Schalke 04. Vielleicht befürchtet man eine etwas schwächere Rückrunde, wie in den vergangenen Jahren auch. Aus meiner Sicht besteht dafür aber kein allzu großer Anlass denn das Team von Lucien Favre wirkt in dieser Saison routinierter als zuvor und verfügt über einen relativ ausgeglichenen Kader. Der 4. Rang und damit die Qualifikation zur Champions League sollte für die Borussia machbar sein.

Bayer Leverkusen: Nach dem ziemlich überzeugenden Start vom neuen Trainer Roger Schmidt in der Hinrunde ließ es Leverkusen zuletzt immer häufiger an Konstanz mangeln – bei dem Stil, den der Coach spielen lässt und dem relativ jungen Durchschnittsalter der Mannschaft vielleicht nicht so überraschend. Trotzdem sollte das in dieser Saison noch ein kleiner Nachteil gegenüber Konkurrenten wie Schalke und Mönchengladbach sein. Deshalb wird der 4. Platz eher schwer zu erreichen sein.

TSG Hoffenheim: Die wirklich überzeugende Vorrunde scheint schon fast in Vergessenheit zu geraten. Zur Zeit präsentieren sich die Hoffenheimer alles andere als stabil. Trotz Rang sieben könnte die TSG noch in akute Abstiegsgefahr geraten.

Werder Bremen: Die Bremer sind hingegen der bisherige Gewinner der Bundesliga-Rückrunde. Alle 9 möglichen Punkte gingen auf das Konto vom SV Werder. Der Trainerwechsel von Robin Dutt zu Viktor Skripnik scheint wirklich den Erfolg zurückgebracht zu haben und auch die Spielweise ist nach der Wintervorbereitung wesentlich ansehnlicher geworden. In dieser Form braucht Bremen nicht um den Klassenerhalt zu zittern.

Eintracht Frankfurt: Die Eintracht zeigt auch in der Rückrunde guten, offensiven Fußball. Die gewünschte Effektivität ist aber (noch) nicht vorhanden. So ein bisschen erinnert das an die Anfangszeiten von Trainer Thomas Schaaf in Bremen. Bleibt für die Frankfurter zu hoffen, dass sich dann bald auch ein ähnlicher Erfolg einstellt (Schaaf wurde mit Bremen Meister und drei Mal Pokalsieger). In diesem Jahr wird es wohl aber wieder ein Platz im Mittelfeld werden.

Hannover 96: Die Hannoveraner haben den Start in die Rückrunde – ähnlich wie Hoffenheim – mit nur einem Punkt aus drei Spielen verschlafen. Der Abstand auf die Abstiegsplätze ist dementsprechend geschrumpft. Auch für Hannover könnte die Rückrunde noch ungemütlich werden.

1. FC Köln: Als nun offizieller Karnevalsverein zeigen sich die Kölner in der fünften Jahreszeit recht nüchtern. 5 Punkte und kein Gegentor gegen direkte Konkurrenten (Hamburg, Stuttgart, Paderborn) sind eine gute Bilanz aber wahrlich kein Ruhekissen. Der FC wird sich wohl weiterhin eher nach hinten als nach vorne orientieren müssen.

Hamburger SV: Nach zwei Siegen in Folge scheint der HSV in der Rückrunde an Stabilität zu gewinnen. Vor allem die weiterhin starke Defensivleistung des Teams sollte ein Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten im Abstiegskampf sein. Mehr als ein Mittelfeldplatz ist für den Traditionsverein der Bundesliga in dieser Saison aber nicht drin.

FSV Mainz 05: Trotz des spektakulären Auftakterfolges (5:0 gegen Paderborn) präsentierte sich Mainz zuletzt in keiner überragenden Verfassung. Der Relegationsplatz ist nur noch drei Punkte, die Abstiegsplätze vier Punkte entfernt. Wie für so viele Teams in der Liga ist bei Mainz zwischen Platz 7 und Platz 18 fast alles möglich.

Hertha BSC: Nach dem Trainerwechsel von Jos Luhukay zu Pal Dardai konnte die Hertha am Samstag ihren ersten Rückrunden-Sieg feiern. Ob der neue Coach die Berliner aber in höhere Tabellenregionen führen kann und besser mit dem frischgebackenen Afrikameister Salomon Kalou klarkommt, muss er in der Rückrunde erst noch beweisen. Auch die Hertha wird wohl lange um den Klassenerhalt zittern müssen.

SC Paderborn: Der Neuling, der die Liga im Sommer noch so aufmischte, scheint in einen langen Winterschlaf gefallen zu sein. Nach zwei desaströsen Niederlagen zum Auftakt der Rückrunde könnte das 0:0 in Köln das erste Zeichen für ein Erwachen gewesen sein. Für Paderborn wird es in der Rückrunde aber schwer werden, in der 1. Bundesliga zu bleiben.

Borussia Dortmund: War das 3:0 gegen Freiburg die Wende? Schwer zu sagen, denn ähnliche Spiele zeigte die Borussia zwischenzeitlich auch in der Vorrunde. Wenn die Mannschaft, neben ihrer zweifellos vorhandenen spielerischen Qualität, auch erkennt, in welcher Gefahr sich ihr Klub befindet, sollte Dortmund sich nicht mehr lange auf dem Relegationsplatz aufhalten. Mehr als der siebte Rang ist, auch auf Grund des großen Punkterückstandes, in diesem Jahr aber einfach nicht möglich.

SC Freiburg: Freiburg ist den Abstiegskampf gewohnt. Fast jedes Jahr spielten die Breisgauer um den Klassenerhalt, meist erfolgreich. In dieser Saison könnte es aber mal wieder schief gehen. Zumindest die Qualität des Kaders scheint – außer Paderborn – allen Konkurrenten unterlegen. Trotz der Erfahrung im Abstiegskampf ist für Freiburg in diesem Jahr ein Platz zwischen 16 und 18 relativ wahrscheinlich.

VfB Stuttgart: Eigentlich zeigte der VfB in der Rückrunde bisher keine wirklich schlechten Leistungen – dennoch befindet man sich plötzlich auf dem letzten Platz der Tabelle. Trotz der Niederlagen (0:1 gegen Gladbach, 0:2 gegen Bayern) deuteten die Stuttgarter in den Heimspielen leichte Verbesserungen gegenüber der katastrophalen Vorrunde – wo nur magere 5 Punkte zu Hause gewonnen wurden – an. Auf der anderen Seite lässt die lange Torlosigkeit die Alarmglocken schrillen. Auf Trainer Huub Stevens wartet noch einige Arbeit um den VfB abermals vor dem Abstieg zu bewahren.

Autor: Andreas Arens.