Prognose zur Nordischen Ski-WM 2015 in Falun
Nach dem Ende der Alpin-WM in Colorado stehen in dieser Woche gleich die nächsten Weltmeisterschaften an. Im schwedischen Falun geht es ab Donnerstag in den nordischen Sportarten, Skilanglauf, Skispringen und Nordische Kombination, um Medaillen. Vor allem in der Nordischen Kombination und im Skispringen reisen die DSV-Athleten als (Mit-)Favoriten an.

Am 20. Februar eröffnen die Damen die Sprungwettbewerbe. In der Entscheidung von der Normalschanze hoffe ich auf folgende Medaillenverteilung:
1. Carina Vogt (Deutschland)
2. Sara Takanashi (Japan)
3. Sarah Hendrickson (USA)
Gemessen am aktuellen Weltcupstand ist aber wohl diese Reihenfolge realistischer:
1. Daniela Iraschko-Stolz (Österreich)
2. Sara Takanashi (Japan)
3. Carina Vogt (Deutschland)

Einen Tag später folgt der Normalschanzen-Wettbewerb der Herren. Hier ist der Favoritenkreis ungleich größer, man muss sich zwischen einem Dutzend Springern entscheiden, die allesamt schon Weltcupspringen gewonnen haben. Wünschen würde ich mir dieses Ergebnis:
1. Richard Freitag (Deutschland)
2. Kamil Stoch (Polen)
3. Noriaki Kasai (Japan)

Die eigentlichen Favoriten, neben Stoch, sind Peter Prevc (Slowenien), Severin Freund (Deutschland) und Stefan Kraft (Österreich). Kasai hat aber gezeigt, dass er trotz seiner 42 Jahre immer in der Lage ist, aufs Podest zu springen. Richard Freitag hat das Skifliegen am Wochenende ausgelassen um sich speziell auf die Normalschanze vorzubereiten, die im Weltcup nicht gesprungen wird. Wenn er seine Absprungstärke auf die Schanze bringt, ist für ihn alles möglich. Außenseiterchancen auf Medaillen haben eventuell die gerade erst von Verletzungen genesenen Simon Ammann (Schweiz) und Andreas Wellinger (Deutschland). Aber auch die Österreicher Schlierenzauer und Hayböck sowie Roman Koudelka aus Tschechien rechnen sich von der Normalschanze etwas aus.

Am 22. Februar folgt dann das Mixed. Jeweils zwei Damen und zwei Herren jeder Nation gehen für ein Team an den Start. Deutschland, Japan, Österreich und Slowenien sind eigentlich die einzigen Aspiranten auf Edelmetall.
1. Deutschland (Althaus, Vogt, Wellinger, Freitag)
2. Japan (Y. Ito, Takanashi, D. Ito, Kasai)
3. Österreich (Seyfriedsberger, Iraschko-Stolz, Schlierenzauer, Kraft)

Am selben Tag haben auch die nordischen Kombinierer ihren ersten Teamwettbewerb. Hier erwarten alle ein packendes Duell zwischen Deutschland und Norwegen. Wenn es drauf ankam, hatten in der letzten Zeit immer die Skandinavier die Nase vorn. Ich sehe das norwegische Team auch in diesem Jahr eine Winzigkeit stärker, hoffe aber auf ein totes Rennen (zwei Erste; sehr unwahrscheinlich).
1. Norwegen (Kokslien, Moan, Klemetsen, Graabak)
1. Deutschland (Rydzek, Kircheisen, Frenzel, Rießle)
3. Frankreich (Lacroix, Laheurte, Braud, Lamy Chappuis)

Bereits am 20. Februar steht das erste Einzelrennen in der Nordischen Kombination an. Im Gundersen-Wettbewerb von der Normalschanze ist der Deutsche Eric Frenzel Topfavorit. Dahinter tummeln sich viele Sportler aus verschiedenen Nationen; in den letzten Jahren waren die Norweger immer gut auf die Großereignisse vorbereitet. Sie dürften damit Frenzels größte Konkurrenten sein.
1. Eric Frenzel (Deutschland)
2. Magnus Moan (Norwegen)
3. Mikko Kokslien (Norwegen)

Das erste Kräftemessen der Langläufer findet am 19. Februar statt. Sowohl Damen als auch Herren treten im Klassik-Sprint an. Insbesondere bei den Herren ist die Liste der möglichen Medaillengewinner lang. Ich könnte mir folgende Ergebnisse vorstellen:
1. Ola Vigen Hattestad (Norwegen)
2. Alex Harvey (Kanada)
3. Finn Hagen Krogh (Norwegen)

1. Marit Björgen (Norwegen)
2. Stina Nilsson (Schweden)
3. Ingvild Flugstad Östberg (Norwegen)

Für die Distanzläufer steht der erste Wettbewerb am 21. Februar an. Im sogenannten Skiathlon (Herren 30km, Damen 15km) müssen beide Techniken absolviert werden. Zunächst ist der klassische Part dran, nach fliegendem Skiwechsel geht es dann im freien Stil weiter. Hier sind also Läufer im Vorteil, die beide Techniken gut beherrschen. Außerdem benötigt man gute Ausdauerwerte und gleichzeitig auch einen sehr guten Endspurt, da der Skiathlon als Massenstartrennen ausgetragen wird. Kurzum: In dieser Konkurrenz ist der komplette Skilangläufer gefordert. Dementsprechend sind die Favoriten auch weit vorne im Gesamtweltcup zu finden:
1. Therese Johaug (Norwegen)
2. Marit Björgen (Norwegen)
3. Charlotte Kalla (Schweden)

1. Dario Cologna (Schweiz)
2. Martin Johnsrud Sundby (Norwegen)
3. Calle Halfvarsson (Schweden)

Einen Tag später sind wieder vorrangig die Sprinter dran, im Teamsprint ist aber auch die Ausdauer gefragt, so dass einige Distanzläufer in den Duos zum Einsatz kommen werden.
1. Ingvild Flugstad Östberg / Marit Björgen (Norwegen)
2. Ida Ingemarsdotter / Stina Nilsson (Schweden)
3. Steffi Böhler / Nicole Fessel (Deutschland)

1. Thomas Northug / Petter Northug (Norwegen)
2. Sergej Ustjugov / Alexej Petukhov (Russland)
3. Marcus Hellner / Calle Halfvarsson (Schweden)

Schwierig zu sagen, wie die Teams genau zusammengestellt werden. Deshalb ist die obige Prognose – noch mehr als die anderen – auch als reine Spielerei zu betrachten. Fest steht jedoch, dass die norwegischen Teams, egal wer dann an den Start geht, favorisiert sein werden und auch mit den Schweden ist auf jeden Fall zu rechnen. Bei den Herren dürfte Russland noch recht stark sein, während bei den Damen Deutschland eventuell die Möglichkeit auf Edelmetall hat (Denise Herrmann hat hier sicher auch gute Einsatzchancen).

So weit zur Prognose für die erste Woche der nordischen Skiweltmeisterschaften in Falun. Die jeweiligen Vorhersagen werden wahrscheinlich nicht genauso eintreffen. Neben deren subjektiver Prägung ist es auch einfach schwer einzuschätzen, wer an dem jeweiligen Tag die beste Form hat. Eins sollte aber feststehen: Holt die Norwegerin Marit Björgen an dem ersten Wochenende keine (Gold-)Medaille, ist die Skilanglaufwelt aus den Fugen geraten. Sie ist schon seit Jahren, aber ganz besonders in dieser Saison, fast unschlagbar, wenn sie fit ist. In Falun kann sie endgültig zur größten Skisportlerin aller Zeiten werden.
Der nächste Teil der Prognose folgt am kommenden Wochenende. Dann kann man den Zustand der einzelnen Athleten auch besser beurteilen. Bis dahin gute (Fernseh-)Unterhaltung [Mein Tipp: auf jeden Fall Eurosport und nicht die Öffentlich-Rechtlichen einschalten! Die Kommentatoren und Experten, z.B. Jochen Behle, sind hier einfach unterhaltsamer bzw. kompetenter] bei der nordischen Ski-WM wünscht euch,

Andreas Arens.