Analyse Klassik-Sprint, Damen & Herren
Die neuen Weltmeister im Sprint der Langläufer/innen kommen aus Norwegen. Mit Marit Björgen und Petter Northug siegten die beiden großen Stars der Szene. Während mit dem Erfolg von Björgen zu rechnen war, musste Petter Northug bis zuletzt um sein Ticket für den Klassik-Sprint bangen. Olympiasieger Ola-Vigen Hattestad sowie Eirik Brandsdal und Petters kleiner Bruder Thomas Northug waren bereits im Vorfeld der WM nominiert worden. Da das norwegische Team, wie jede andere Nation bei der Weltmeisterschaft, aber nur vier Startplätze zur Verfügung hat, war es bis zuletzt zweifelhaft, ob nicht doch Finn Hagen Krogh den Vorzug erhält. Dieser führt die Sprintwertung im Weltcup an (!) durfte letztendlich aber nicht an der WM-Entscheidung teilnehmen. Deshalb war mein Tipp (1. Hattestad, 2. Harvey, 3. Krogh) nicht mehr zu erreichen, denn ich bin von Krogh an Stelle von Petter Northug als Starter ausgegangen. Immerhin erreichten meine anderen beiden Favoriten das Podest:
1. Petter Northug (NOR)
2. Alex Harvey (CAN)
3. Ola-Vigen Hattestad (NOR)
4. Nikita Krijukov (TV) (RUS)
5. Federico Pellegrino (ITA)
6. Thomas Northug (NOR)
Es war ein hochklassig besetztes Finale. Allen sechs Startern war vorher durchaus eine Medaille zugetraut worden. Titelverteidiger Krijukov konnte im Saisonverlauf zwar keine Akzente setzen, aber der klassische Stil ist seine bessere Technik, was er auch bei dieser WM wieder bewies. Die Medaille verpasste er gegenüber Olympiasieger (in der freien Technik) Ola-Vigen Hattestad im Photofinish äußerst knapp. Auch der Kampf zwischen Gold und Silber musste im Photofinish entschieden werden. Der Kanadier Alex Harvey war Zeit seiner Karriere eigentlich eher ein Distanzläufer denn ein Sprinter. Allerdings gewann er im Teamsprint (klassisch) der WM 2011, gemeinsam mit Devon Kershaw, Gold und im Klassik-Sprint der WM 2013 bereits Bronze im Einzel. Als Spezialist für die Strecken in Falun und der Empfehlung eines zweiten Platzes am vergangenen Wochenende konnte man ihn also als heißen Medaillenkandidaten betrachten. In jeder Runde war er vor der Zielgeraden noch relativ weit hinten, doch zeigte er sich im Endspurt dann sogar stärker als der spätere Sieger Northug. Hätte Harvey früher die Spur gewechselt - er hatte sich zunächst hinter Petter Northug eingereiht - wären die Millimeter, die ihm am Ende zum Sieg fehlten, vielleicht drin gewesen.
Bei den Damen gab es ebenfalls ein namhaft besetztes Finale, das neben den vier Topkandidatinnen auf eine Medaille (Björgen, Östberg, Falla, Nilsson) auch die überraschend Prolog-Schnellste, Jusztyna Kowalczyk erreichte. Gegenüber meinem Tipp (1. Björgen, 2. Nilsson, 3. Östberg) gab es nur eine Veränderung auf der Bronze-Position: Maiken Caspersen Falla, Olympiasiegerin im (Freistil-)Sprint von Sotchi, die im Saisonverlauf häufig hinter Ingvild Flugstad Östberg platziert war, sicherte sich die letzte Medaille.
1. Marit Björgen (TV) (NOR)
2. Stina Nilsson (SWE)
3. Maiken Caspersen Falla (NOR)
4. Jusztyna Kowalczyk (POL)
5. Kari Gjeitnes (NOR)
6. Ingvild Flugstad Östberg (NOR)
Die Überraschung im Finale war die junge Kari Gjeitnes, die damit aber ihre schon etwas erstaunliche Nominierung durch die norwegischen Trainer bestätigte. Jusztyna Kowalczyk, bis zur letzten Saison Björgens große Konkurrentin in den Distanzrennen, zeigte sich gegenüber ihrer bisherigen Form deutlich verbessert, war nämlich Schnellste im Prolog und verpasste Bronze nur knapp. So war das Podest ein rein skandinavisches: Vor Falla platzierte sich der schwedische Nachwuchsstar Stina Nilsson auf dem Silberrang. Die U23-Führende im Weltcup könnte der norwegischen Dominanz in den kommenden Jahren wieder etwas mehr entgegenwirken. Noch ist aber kein Kraut gewachsen gegen Marit Björgen. Sie holte sich ihren dritten WM-Titel im Sprint in Folge und ihre insgesamt 30. Medaille bei Weltmeisterschaften (20) oder olympischen Spielen (10, davon 6 Gold). Mit einem weiteren Titel, der schon an diesem Wochenende möglich wäre, würde sie den WM-Rekord von Jelena Välbe (14 Titel zwischen 1989 und 1997) einstellen und damit endgültig zur größten Skisportlerin aller Zeiten werden.