Analyse Skispringen/Damen und Nordische Kombination/Normalschanze
Einen sehr erfolgreichen Tag erlebten die deutschen Sportler gestern bei der Nordischen Ski-WM im schwedischen Falun. Neben dem beinahe erwarteten Titel in der Nordischen Kombination darf sich die erste Skisprung-Olympiasiegerin der Geschichte, Carina Vogt, nun auch Weltmeisterin nennen. Mit diesem Titel war - ebenso wie mit dem Olympiasieg - nicht unbedingt zu rechnen, auch wenn Vogt vorher zu den Medaillenkandiatinnen gehörte. Als Top-Favoritinnen traten Daniela Iraschko-Stolz aus Österreich und die Japanerin Sara Takanashi an. Die Rekord-Weltcupsiegerin aus Asien konnte ihre Leistung zum wiederholten Mal bei einem Großereignis nicht auf die Schanze bringen und landete, auf Grund eines schwachen ersten Sprunges, am Ende auf Platz vier.
1. Carina Vogt (GER)
2. Yuki Ito (JAP)
3. Daniela Iraschko-Stolz (AUT)
4. Sara Takanashi (JAP)
5. Taylor Henrich (CAN)
6. Sarah Hendrickson (TV) (USA)
Die Führende nach dem ersten Sprunglauf, Iraschko-Stolz, konnte ihre Position im zweiten Durchgang nicht verteidigen. Neben Vogt, die als Einzige zwei konstant starke Sprünge zeigte, schob sich überraschend auch noch Yuki Ito an der Österreicherin vorbei. Die Japanerin sicherte ihrem Land dann doch die gewünschte Medaille, die eigentlich von Sara Takanashi erwartet worden war. Zum dritten Mal in Folge wurde sie ihrer Favoritenstellung bei Großereignissen aber nicht gerecht; ihr scheint es wirklich an Nervenstärke zu fehlen - die dafür Carina Vogt auszeichnet. Wie im letzten Jahr bei Olympia konnte sie gestern ihre beste Saisonleistung zum gewünschten Zeitpunkt abrufen.
Auch für Titelverteidigerin Sarah Hendrickson dürfte dieser Wettkampf zumindest ein kleines Erfolgserlebnis gewesen sein. Nach langer Verletzungsmisere scheint der eigentliche Star des Frauen-Skispringens langsam wieder in die Spur zu kommen. Bereits bei der letzten Weltcup-Station - als allerdings nicht alle Top-Springerinnen am Start waren - hatte sie mit zwei dritten Plätzen überzeugt. In der nächsten Saison könnte Hendrickson die Lücke zu Takanashi, Vogt und Iraschko-Stolz schließen.
Auch in der Nordischen Kombination kam der Sieger aus dem deutschen Skiverband. Es war allerdings nicht Top-Favorit Eric Frenzel, der den Titel einheimste, sondern Johannes Rydzek.
1. Johannes Rydzek (GER)
2. Alessandro Pittin (ITA)
3. Jason Lamy Chappuis (TV) (FRA)
4. Eric Frenzel (GER)
5. Haavard Klemetsen (NOR)
6. Akito Watabe (JAP)
Frenzel hatte nach dem Skispringen noch in Führung gelegen, Rydzek auf Platz fünf. Im Verlauf des Langlaufs, der wie gewohnt in der Gundersen-Methode ausgetragen wurde (d.h. Punkte des Springens werden in Zeit umgerechnet und mit dem jeweiligen Abstand starten die Athleten dann in den Lauf) kristallisierte sich schnell eine siebenköpfige Spitzengruppe heraus, die die Medaillen am Ende unter sich ausmachen sollte. Enttäuschend war das vor allem für die Norweger, deren exzellente Langläufer nach schwachen Sprüngen keine Medaillenchance mehr hatten. Klemetsen, ein stärkerer Springer, konnte bei der Konkurrenz in der Spitzengruppe nicht unbedingt Edelmetall zugetraut werden. Als stärkster Läufer des Spitzen-Septetts hatte Alessandro Pittin zu gelten. Der Italiener hegte nach einem - für seine Verhältnisse - starken Sprung berechtigte Hoffnungen auf den Titel. Kurz vor dem Ziel griffen Pittin und Rydzek an, die Attacke hatte Erfolg. Auf der Zielgeraden sicherte sich Rydzek schließlich den Sieg. Für den Italiener war sicherlich auch die Silbermedaille ein großer Erfolg. Im Kampf um Bronze musste sich Seriensieger Eric Frenzel seinem Vorgänger als Dominator dieser Sportart, Titelverteidiger Jason Lamy Chappuis geschlagen geben. Der Franzose, der im Saisonverlauf wegen kleinerer Malässen nicht so recht hatte überezeugen können, bewies ein Mal mehr seine Nervenstärke und Endschnelligkeit und sicherte sich so seine sechste Einzelmedaille bei nordischen Ski-Weltmeisterschaften.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 21. Februar 15
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