Analyse des dritten Tages der Nordischen Ski-WM
Es war zwar nicht das ersehnte Gold, am Ende des Tages strahlte aber auch die Silbermedaille hell für die deutschen Skispringer. Vor allem das sehr gute Mannschaftsergebnis aller vier deutschen Starter lässt noch auf mehr hoffen. Auch im Skilanglauf fanden am heutigen Samstag Wettkämpfe statt, bei denen die DSV-Sportler aber nicht überzeugen konnten. Beste Deutsche in den Skiathlon-Rennen der Damen und Herren war Dauerbrennerin Steffi Böhler als Achtzehnte.

Das Skispringen von der Normalschanze in Falun konnte mit dem ersten Überraschungssieger dieser Weltmeisterschaften aufwarten. Der Norweger Rune Velta ist zwar kein Unbekannter in der Skisprung-Szene (Gesamt-Weltcup-10., Skiflug-Vizeweltmeister 2012) war bisher allerdings als ausgesprochener Skiflug-Spezialist aufgefallen. Die Normalschanze bevorteilt aber eigentlich absprungstarke Springer (die beim Fliegen wiederum Nachteile haben; das "Mittelding" ist die Großschanze), so dass Velta nicht zu den Medaillenkandidaten gezählt wurde.
Schon den Probesprung vor dem ersten Wertungsdurchgang gewann er. In diesem konnte sich Rune Velta dann abermalig an die Spitze setzen. Er lag vor Stefan Kraft, Severin Freund, Roman Koudelka und Taku Takeuchi in Führung, die ihm im zweiten Durchgang aber allesamt noch den Titel streitig machen konnten. Am Ende entschieden ganze 0,4 Punkte zwischen Gold und Silber.
1. Rune Velta (NOR)
2. Severin Freund (GER)
3. Stefan Kraft (AUT)
4. Roman Koudelka (CZE)
5. Taku Takeuchi (JAP)
6. Anders Bardal (TV) (NOR)
7. Richard Freitag (GER)
...
10. Marinus Kraus (GER)
11. Andreas Wellinger (GER)

Den entscheidenden Boden verlor Freund, der im zweiten Durchgang mit 96 Metern den neuen Schanzenrekord sprang, im ersten Sprunglauf, als er die Telemark-Landung verwackelte und deshalb relativ schlechte, allerdings noch eher gnädige, Haltungspunkte erhielt. Außer Freund, Kraft und Koudelka enttäuschten beim ersten WM-Wettkampf alle Favoriten (Prevc, Stoch, Ammann, Hayböck, Schlierenzauer, Kasai). Richard Freitag, mit Außenseiter-Chancen auf Edelmetall gestartet, genügte zwar den Ansprüchen, hatte aber, wie so viele, mit Timing-Problemen am Schanzentisch zu kämpfen. Sein zu früher Absprung verhinderte ein besseres Resultat. Trotzdem wussten die Deutschen, wie - von der Normalschanze etwas überraschend - auch die Norweger, mit mannschaftlicher Geschlossenheit zu überzeugen. Ganz im Gegensatz dazu die Österreicher: Stefan Kraft verhinderte eine totale Blamage der Alpenrepublik mit seiner Bronzemedaille so eben.

Eine Überraschung in negativer Hinsicht erlebte der Skiathlon der Damen. Marit Björgen, die bei den letzten vier Großereignissen alle Titel in ihrer Spezialdisziplin abräumte, lief mit über 1:30 Minuten Rückstand "nur" auf den sechsten Rang.
1. Therese Johaug (NOR)
2. Astrid Uhrenholdt Jacobsen (NOR)
3. Charlotte Kalla (SWE)
4. Kerttu Niskanen (FIN)
5. Sofia Bleckur (SWE)
6. Marit Björgen (TV) (NOR)
Nachdem Björgen nicht in Top-Form war (oder schonte sie sich nach ihrem Titel am Donnerstag für den morgigen Teamsprint?) kam der Sieg von Therese Johaug alles andere als unerwartet. Die kleine Norwegerin - Spitzname: Duracell-Häschen - ist mit ihrem geringen Gewicht und extrem frequenten Laufstil auf bergigen Kursen bevorteilt. Der legendäre Moerderbakken in Falun gilt hinter der Alpe Cermis/Val di Fiemme als wohl schwierigster Anstieg im Skilanglauf-Zirkus. Hier suchte und fand Johaug in der vierten und letzten Runde dann auch die Entscheidung. Ihrer Attacke konnten die Begleiterinnen Jacobsen und Kalla nicht widerstehen.

Schon nach nicht mal einem von insgesamt 15 Kilometern hatten sich zunächst neun (hier war Steffi Böhler noch dabei) dann sieben Sportlerinnen vom restlichen Feld abgesetzt. In der zweiten Klassik-Runde - der Skiathlon wird jeweils zur Hälfte im klassischen und im freien Stil ausgetragen - drückten zunächst Johaug und dann, überraschenderweise, Freistilspezialistin Kalla aufs Tempo. Erst Heidi Weng, dann Björgen, Niskanen und schließlich Bleckur fielen Stück für Stück zurück.
Einen schönen Erfolg feierte Astrid Jacobsen. Die Sprintweltmeisterin von 2007, die in den vergangenen Jahren immer wieder von Verletzungen und persönlichen Schicksalsschlägen (u.a. Selbstmord ihres Bruders vor Olympia 2014) gebeutelt wurde, errang im Endspurt gegen Lokalmatadorin Charlotte Kalla die Silbermedaille.

Das Herrenrennen konnte ich nicht verfolgen, deshalb auch leider keine Analyse, aber trotzdem das Ergebnis (und ein kurzer Kommentar):
1. Maxim Vylegzhanin (RUS)
2. Dario Cologna (TV) (SUI)
3. Alex Harvey (CAN)
4. Didrik Tönseth (NOR)
5. Maurice Manificat (FRA)
6. Calle Halfvarsson (SWE)
Der Kanadier Alex Harvey ist der erste Sportler dieser WM, der sich eine zweite Medaille sichern kann. Damit bestätigt er seinen Ruf als Falun-Spezialist - den auch schon sein Vater Pierre genoss - vollends. Der dreifache Olympiasieger Dario Cologna übezeugte mit dem zweiten Platz in seiner Lieblingsdisziplin einmal mehr. Nicht wirklich erwartet, aber keinesfalls sensationell ging der Titel an den spurtstarken Maxim Vylegzhanin, der sich seine erste Gold- nach zuvor sechs Silbermedaillen erlief. Die Gastgeber hatten vor allem auf Calle Halfvarsson gehofft, der zwar keine schlechte Leistung ablieferte, die schwedischen Herren aber weiter auf Edelmatall warten lässt. Anmerkung: keine Medaille für Norwegen!

Autor: Andreas Arens.