Goldene Halbzeitbilanz bei der Nordischen Ski-WM
Vier Goldmedaillen und einmal Silber lautet die Halbzeitbilanz des DSV-Teams bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften im schwedischen Falun. Damit haben die deutschen Sportler ihr „Soll“ bereits erfüllt und befinden sich auf dem Weg zur besten Medaillenausbeute seit der Wiedervereinigung. In Sachen Goldmedaillen ist dieses Ziel sogar schon erreicht. Denn bisher gewannen deutsche Sportler erst ein Mal mehr als drei Titel bei einer nordischen WM. Das war 1974 – ebenfalls in Falun – als das DDR-Team (trotz weniger Wettbewerben als heutzutage) auf beinahe sensationelle fünf Gold- und sechs Silbermedaillen kam. Die besten Titelkämpfe aus deutscher Sicht gab es seitdem in den Jahren 2001 in Lahti (3 Gold/2 Silber/3 Bronze) und 2007 in Sapporo (2/4/3). Diese Bilanzen dürften, vielleicht auch was die Gesamt-Medaillen betrifft, in diesem Jahr übertroffen werden. Läuft es weiterhin optimal könnte zum zweiten Mal überhaupt eine zweistellige Anzahl an Medaillen herauskommen, vielleicht sogar mit mehr Titeln als 1974.
Im Unterschied zu den genannten Weltmeisterschaften ist es dabei gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Skilangläufer gar kein Edelmetall mit nach Hause bringen. Im gestrigen Teamsprint präsentierten sich zwar sowohl die Damen als auch – überraschenderweise – die Herren in guter Verfassung (jeweils der vierte Platz), für eine Medaille, die am ehesten in der Damen-Staffel zu erwarten ist, braucht es aber Glück und gut präparierte Ski. Glück mussten die deutschen Skispringer/innen und Nordisch-Kombinierten nicht in Anspruch nehmen. In vier von fünf Wettbewerben gewannen sie Gold – in dem anderen Silber – schlicht auf Grund ihrer starken Leistungen. Carina Vogt (Skispringen) und Johannes Rydzek (Nordische Kombination) sind zur Zeit zudem die erfolgreichsten Athleten dieser WM, neben Petter Northug: Der neue Rekordweltmeister der Herren gewann 2015 ebenfalls schon zwei Titel.

Bei den Skilangläufern dominierten außer Northug auch sonst meist die norwegischen Fähnchen auf den Medaillenrängen. Nur Maxim Vylegzhanin aus Russland konnte den erfolgsverwöhnten Skandinaviern im Skiathlon zumindest einen WM-Titel abluchsen. Die anderen fünf Goldmedaillen gingen aber erwartungsgemäß nach Norwegen.
Eine leise Enttäuschung gibt es dann doch: Vorzeigefrau Marit Björgen sicherte sich im Klassik-Sprint zwar den ersten Platz beim Auftaktrennen der Titelkämpfe, enttäuschte beim Sieg von Rivalin Therese Johaug anschließend aber im Skiathlon und verzichtete danach auf den Teamsprint. Dort holten Ersatzfrau Maiken Caspersen Falla und Ingvild Flugstad Östberg dennoch souverän Gold; genauso wie ihr männliches Pendant Finn Hagen Krogh und Petter Northug.
Für die DSV-Athleten läuft es dagegen nicht rund, was nicht unerwartet kommt. Nach dem endgültigen Abschied der goldenen Generation um den zweifachen Einzel-Weltmeister Axel Teichmann könnte es noch lange dauern, bis deutsche Skilangläufer wieder um den WM-Titel kämpfen. Im Damenbereich dürfte aber in den nächsten Jahren, vielleicht auch bei der diesjährigen Staffel, durchaus mal eine Medaille drin sein.

Ganz anders sieht das in der Nordischen Kombination aus. Zum ersten Mal seit 1987 (!) triumphierte die deutsche Mannschaft mit Tino Edelmann, Eric Frenzel, Fabian Rießle und Einzel-Weltmeister Johannes Rydzek im Teamwettbewerb der WM. Seit 2003 gewann der DSV in dieser Disziplin sechs Silbermedaillen in Folge – und nun endlich den Titel. Etwas tragisch ist das Ganze für Björn Kircheisen, der in allen sechs Silber-Teams stand, in diesem Jahr aber Tino Edelmann den Vortritt lassen musste.
Kircheisen darf zumindest noch auf Einsätze von der Großschanze (Einzel und Teamsprint) hoffen, in denen die deutschen Sportler ihre Medaillenausbeute weiter steigern wollen. Vor allem Eric Frenzel wird nach dem vierten Rang im ersten Einzelwettkampf motiviert sein. Aber auch Johannes Rydzek und Fabian Rießle sind Anwärter auf Edelmetall.
Zum Höhepunkt in Topform präsentiert sich die französische Mannschaft um Erfolgsgarant Jason Lamy Chappuis. Nach einer durchwachsenen Saison gewann er sowohl im Einzel, als auch mit der Équipe tricolore Bronze. Eine kleine Enttäuschung sind bisher die Norweger, die zwar Silber im Team holten, im Einzel aber unerwartet leer ausgingen.

Dafür zeigten sich die Skandinavier im Skispringen von der Normalschanze überraschend stark. Rune Velta ist der neue Weltmeister im Einzel. Er führte die norwegische Mannschaft auch zu einer unerwarteten Silbermedaille im Mixed, in dem die beiden norwegischen Damen ihre beste Saisonleistung ablieferten. Nur Dank einer überzeugenden Vorstellung aller vier Springer schnappte sich Deutschland am Ende Gold. Carina Vogt, Richard Freitag, Katharina Althaus und Severin Freund bestätigten damit ihre Favoritenstellung nach den Einzelwettbewerben. Der zuvor als ärgster Widersacher eingestufte Titelverteidiger Japan – bei der Premiere dieses Wettkampfes 2013 Sieger vor Deutschland – wurde Dritter.
Auch in beiden Einzelspringen gab es Medaillen für den DSV: Gold für Carina Vogt, Silber für Severin Freund. Damit haben die Skispringer/innen ihre Medaillenziele bereits erfüllt. Während die WM für die Damen schon beendet ist, können die Herren nun frei aufspringen. Sowohl im Teamwettbewerb als auch im Einzel von der Großschanze sind Severin Freund und seine Mannschaft favorisiert. Gleiches dürfte aber auch für Rune Velta und sein Team gelten. Im Einzelspringen kommen allerdings noch viele andere Medaillenkandidaten hinzu.

Autor: Andreas Arens.