Norwegen räumt ab, Deutschland Zweiter
Zum Abschluss der Nordischen Skiweltmeisterschaften stehen am Sonntag noch die 50 Kilometer der Herren auf dem Programm. Aber schon vor dem Klassiker des Skilanglaufs, der in diesem Jahr auch in der klassischen Technik ausgetragen wird, kann man eine Bilanz ziehen.
Und die fällt für die deutschen Sportler einigermaßen erfolgreich aus. Fünf Goldmedaillen, acht mal Edelmetall insgesamt (es wird wohl auch keines mehr hinzu kommen) bedeuten am Ende Rang zwei im Medaillenspiegel, auf Grund der Titelgewinne relativ deutlich vor Schweden, aber noch viel deutlicher hinter Norwegen. 10 Titel und insgesamt 19 Medaillen stehen für die Skandinavier bisher zu Buche, eine dürfte im 50 Kilometerrennen wahrscheinlich noch dazu kommen. Dann wären es, genauso wie beim bisherigen Rekordergebnis von der Heim-WM in Oslo 2011, 20 Medaillen. Die zehn Goldenen sind schon jetzt absoluter Bestwert – bisher waren acht Titel einer Nation bei einer WM das Maximum.
Auch der DSV darf sich über einen Rekord freuen: Mehr als fünf Gold- medaillen gab es bislang bei keiner WM. Die acht Podiumsplätze insgesamt erfüllen die hohen Erwartungen des Verbandes, nach dem goldenen ersten Wochenende hatte man sich vielleicht jedoch ein bis zwei Medaillen mehr ausgerechnet.

Die Skispringer konnten ausgerechnet im Teamwettbewerb von der Groß- schanze keine überzeugende Mannschaftsleistung abliefern und belegten beim souveränen Sieg der norwegischen Luftakrobaten nur den fünften Rang. Ein kleiner, aber herber Dämpfer zum Abschluss einer ansonsten hervorragenden WM. Drei Gold- und eine Silbermedaille steuerten die Skispringer und -springerinnen zur deutschen Bilanz bei. Es waren die ersten Titelgewinne seit 2001, als Martin Schmitt und das Team jeweils auf der Großschanze siegreich waren. Dieses Mal ersprangen Carina Vogt und Severin Freund im Einzel, sowie beide gemeinsam – zusammen mit Katharina Althaus und Richard Freitag – im Mixed die Goldmedaillen.
Ähnlich erfolgreich präsentierten sich die deutschen Kombinierer. Sie gewannen in jedem Wettkampf eine Medaille; zwei Mal Gold und jeweils ein Mal Silber und ein Mal Bronze stehen in der Bilanz. Immer mit dabei war Johannes Rydzek, der sich in den Einzelwettkämpfen Gold und Bronze sicherte sowie gemeinsam mit Eric Frenzel, Fabian Rießle und Tino Edelmann erstmals seit 28 Jahren auch wieder den Mannschaftstitel nach Deutschland holte. Abschließend gewann er mit Eric Frenzel im Teamsprint noch Silber. Dort mussten sich die beiden deutschen Vorzeigeathleten nur Frankreich geschlagen geben. Jason Lamy Chappuis und Francois Braud hatten sich schon im Einzel sehr stark präsentiert und bestätigten ihre Top-Form und das Top-Material der Franzosen in der Loipe mit der Titel-verteidigung im Teamsprint. Lamy Chappuis kündigte nach dem Rennen seinen Rücktritt zum Saisonende an. Er verabschiedet sich mit seiner fünften Goldmedaille – hinzu kommen fünf bronzene – bei Ski-Weltmeister-schaften vom aktiven Sport. Mit seinen drei Gesamtweltcupsiegen in Folge, 2009/10 bis 2011/12, insgesamt 26 Weltcupsiegen im Einzel und dem Olympiasieg von 2010 wird der Franzose den Fans des Nordischen Skisports aber noch lange in Erinnerung bleiben.

Aus dem Lager der norwegischen Skilangläufer gab es bisher dagegen keine Rücktrittsbekundungen. Dabei haben gleich zwei Athleten ihres Teams die bestehenden Medaillenrekorde ihrer Vorgänger, Björn Dählie und Jelena Välbe, gebrochen. Mit nun ebenfalls, wie Välbe, 14 Titeln ist Marit Björgen die erfolgreichste Teilnehmerin in der Geschichte der Nordischen Ski-WM. Mit vier silbernen und drei Bronzemedaillen hat sie insgesamt 21 Mal Edelmetall eingesammelt, vier Mal mehr als ihre russische Vorgängerin.
Ähnliches gelang auch ihrem männlichen Pendant Petter Northug, der mit 15 Medaillen zwar noch zwei weniger als Landsmann Dählie auf seinem Konto hat, mit seinen bislang drei Titeln 2015 aber nun 12 Goldmedaillen einheimste, drei mehr als Dählie. Auch im abschließenden 50-Kilometer-Marathon möchte Northug seine Endschnelligkeit nochmal ausspielen und Björgen in Sachen Goldmedaillen näher kommen.
Für Northug lief die WM in Falun also genau nach Plan, was man nicht von allen norwegischen Langläufern behaupten kann. Der zweifache Tour-de-Ski-Sieger und Weltcup-Führende Martin Johnsrud-Sundby hatte mit einer Erkältung zu kämpfen und wurde nicht einmal für die Gold-Staffel nominiert. In den Einzelrennen im Distanzbereich gab bisher gar keine Medaille für die Norweger, im Sprint präsentierten sie sich hingegen dominant. Mit dem erneuten Staffelsieg und einer möglichen Medaille im Abschlussrennen befinden sich die norwegischen Langläufer insgesamt in etwa in dem erwarteten Bereich. Das gilt am Ende auch für die Damen, was vor allem Therese Johaug und nicht, wie üblich, Marit Björgen zu verdanken war. Johaug dominierte zwei von drei Distanzrennen und lief auch den entscheidenden Vorsprung beim Staffelsieg heraus. Nur über die 10 Kilometer Freistil machten ihr, wie so ziemlich allen Favoritinnen, die Verhältnisse einen Strich durch die Rechnung. Dem einsetzenden Schnee-sturm, der insbesondere die zuletzt gestarteten Weltcup-Besten traf, konnte einzig die Schwedin Charlotte Kalla trotzen, die vor heimischen Publikum vielleicht das Rennen ihres Lebens lief und mit deutlichem Vorsprung vor zwei früh gestarteten US-Amerikanerinnen gewann.
Die deutschen Frauen enttäuschten. Steffi Böhler bestätigte mit dem sechsten Platz im abschließenden 30 Kilometerrennen als Einzige die Form, die sie im Weltcup gezeigt hatte. Nicole Fessel und Denise Hermann blieben hingegen unter den Erwartungen, deshalb wurde es auch nichts mit der erhofften Staffelmedaille. Davon hatten die deutschen Männer im Vorfeld nur träumen können. Gemessen an den Weltcup-Resultaten präsentierten sie sich in den beiden Teamwettbewerben sogar noch einigermaßen ordentlich.
Hier noch mein Tipp für den heutigen 50er:
1. Alex Harvey (Kanada)
2. Dario Cologna (Schweiz)
3. Johan Olsson (Schweden)

Trotz der leisen Enttäuschungen zum Abschluss bleiben die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Falun 2015 eine der erfolgreichsten in der Geschichte des DSV. In den Bereichen Skisprung und Nordische Kombination stellt man, gemessen an der Medaillenbilanz, sogar jeweils das beste Team. Es bestätigt, dass in diesen Sportarten in den vergangenen Jahren kontinuierlich gute Arbeit geleistet wurde und dass hier auch einfach genügend Talente vorhanden sind. Im Skilanglauf müssen beide Aspekte erst noch nachgewiesen werden. Im Herrenbereich, in dem man vor 10 Jahren tatsächlich noch absolute Weltspitze war, ist man mittlerweile meilenweit von derartigen Ambitionen entfernt. Der damalige Höhenflug war vielleicht auch einer zwischenzeitlichen Schwächephase der Norweger zu verdanken, trotzdem konnte man die hervorragende Basis, die Axel Teichmann und Tobias Angerer mit ihren Erfolgen gelegt hatten, nicht in die Ausbildung neuer Top-Athleten umsetzen. Auch bei den Damen bleibt es abzuwarten, ob in den nächsten Jahren ernsthafte Medaillen-ambitionen gehegt werden dürfen.

Autor: Andreas Arens.


Statistik:

Medaillenspiegel (nach 20 von 21 Wettbewerben):
1. Norwegen 10/4/5
2. Deutschland 5/2/1
3. Schweden 2/4/2
4. Frankreich 1/2/3
5. Österreich 1/2/2
6. Russland 1/1/0


Erfolgreichste Athleten:
Therese Johaug (NOR) 3/0/0 (Langlauf)
Petter Northug (NOR) 3/0/0 (Langlauf)
Johannes Rydzek (GER) 2/1/1 (Kombination)
Marit Björgen (NOR) 2/1/0 (Langlauf)
Severin Freund (GER) 2/1/0 (Skispringen)
Rune Velta (NOR) 2/0/1 (Skispringen)
Carina Vogt (GER) 2/0/0 (Skispringen)

Anmerkungen: Therese Johaug gewann als bislang einzige Sportlerin (Olsson, Northug oder Vylegzhanin haben heute noch eine Möglichkeit) zwei Einzeltitel. Carina Vogt hatte als Damen-Skispringen nur zwei Medaillenchancen, beide nutzte sie golden, sowohl im Einzel, als auch im Mixed. Johannes Rydzek holte bei allen seiner vier Starts eine Medaille.