Europacup-Bilanz: Desaster für die Premier League
Mit sechs Teilnehmern war die deutsche Bundesliga hoffnungsfroh in die K.O.-Runde der diesjährigen Europapokal-Wettbewerbe gestartet – lediglich zwei von ihnen schafften den Sprung ins Viertelfinale. Während Borussia Mönchengladbach bereits im „Sechzehntelfinale“ der Europa-League die Segel streichen musste, überstand der VfL Wolfsburg beide K.O-Runden überzeugend. Ähnlich souverän meisterte der FC Bayern seine Aufgabe im Achtelfinale der Champions League, während die drei westdeutschen Vertreter mehr (Leverkusen und Schalke) oder weniger (Dortmund) unglücklich scheiterten.
Dennoch ist die erzielte Gesamtpunktzahl der deutschen Clubs schon jetzt (15,0) besser als im gesamten Vorjahr (14,714). Bayern und Wolfsburg ist es durchaus zuzutrauen die Ausbeute noch weiter zu steigern, obwohl der VfL mit dem SSC Napoli einen harten Gegner für das Viertelfinale zugelost bekam. Bayern München muss sich auf dem Weg nach Berlin als nächstes mit dem FC Porto auseinandersetzen. Bei dieser Begegnung werden Erinnerungen an das Finale im Europapokal der Landesmeister 1986/87 wach, als der Favorit aus München im Wiener Praterstadion auf Porto traf. Der Algerier Rabah Madjer bescherten den Portugiesen mit einem Hackentor und einer Torvorbereitung einen überraschenden 2:1-Sieg und stürzte die Bayern in ein 10-jähriges europäisches Trauma.

Keine Chance ihre Punktzahl zu verbessern haben die Clubs aus der British Premier League. Keiner der insgesamt sieben Vertreter in Champions- und Europa-League erreichte das Viertelfinale, womit für England in dieser Saison nur 13,571 Punkte in der UEFA-Fünfjahreswertung notiert werden. Das ist der schlechteste Wert seit vielen Jahren für eine Liga, die Spielzeit für Spielzeit das meiste Geld in Spielergehälter und Ablösen steckt. Trotzdem ist seit etwa vier Jahren eine Negativtendenz in den europäischen Wettbewerben zu beobachten, die in dieser Saison besonders offensichtlich wird. Dass kein einziger Club aus der finanzstärksten Liga der Welt im Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs steht, hatte es vorher noch nicht gegeben – die Premier League wurde erst 1992/93 gegründet, vorher war die First Division die höchste englische Spielklasse.

Das Maß der Dinge bleibt die Primera División, auch wenn in diesem Jahr „nur“ 4 spanische Teams im Viertelfinale stehen. In der Champions League treffen die beiden Madrider Vereine, Real und Atlético, nun im direkten Duell aufeinander, womit es für Spanien unmöglich sein sollte, die Ausbeute der Vorsaison (unglaubliche 23,0 Punkte) zu erreichen. Trotzdem thront „La Liga“ unangefochten an der Spitze der UEFA-Fünfjahreswertung: mit circa 16 Punkten beträgt der Vorsprung auf den Zweiten derzeit quasi eine komplette europäische Spielzeit.
Dahinter ist das Rennen um den zweiten Platz aber spannend. Wenn es gut läuft könnte die deutsche Bundesliga England noch heuer von dieser Position verdrängen.* Auch Italien, das in dieser Saison aktuell die zweitmeisten Punkte (16,166) geholt hat, könnte in den kommenden Jahren wieder einen der ersten drei Plätze angreifen, was einen Champions League-Platz mehr bedeuten würde. Juventus, Napoli und die Fiorentina haben in dieser Spielzeit noch die Chance, die Ausgangslage für die Serie A weiter zu verbessern.

Insgesamt lieferte die erste Phase der K.O-Runden durchaus überraschende Ergebnisse, Sensationen blieben aber letztlich aus. Das Ausscheiden gleich aller englischen Clubs kam allerdings unerwartet und kann für die Premier League als desaströs bezeichnet werden. Nicht ganz unbeteiligt daran war Dynamo Kiew, das mit dem Everton FC den letzten verbliebenen britischen Verein ausschaltete. Im Viertelfinale der Europa-League stehen damit zwei ukrainische Mannschaften, denn auch Dnipro Dnipropetrovsk schaffte den Einzug in die nächste Runde – nach Verlängerung gegen den AFC Ajax. Ähnlich überraschend ist es, dass mit dem AS Monaco und Paris St. Germain gleich zwei französische Teams im Viertelfinale der Champions League stehen. Sie setzten sich gegen die beiden Londoner Clubs Arsenal und Chelsea durch – ein weiterer Tiefschlag für die Premier League.

Autor: Andreas Arens.


Anmerkung:
*Die Bundesliga muss dazu noch mindestens 1,833 Punkte in der laufenden Spielzeit sammeln. Die Punkte der UEFA-Fünfjahreswertung errechnen sich folgendermaßen: Pro Sieg werden zwei, pro Remis ein Zähler addiert, hinzu kommen Sonderpunkte für das Erreichen der nächsten Runde. Diese Punktzahl wird durch die Anzahl an Teams dividiert, welche für den jeweiligen Verband antreten. Aus der Bundesliga waren in dieser Saison sieben Clubs am Start, weshalb alle von Wolfsburg und Bayern München erzielten Punkte durch sieben geteilt werden müssen. Ein kleines Rechenbeispiel:

Bayern – Porto U(1)/S(2) > Bayern weiter (1 Sonderpunkt)
Wolfsburg – Napoli S(2)/N(0) > Wolfsburg weiter (1 Sonderpunkt)
Bundesliga-Punkte, Viertelfinale: 7/7 = 1
Bayern – ??? S(2)/N(0) > Bayern weiter (1 Sonderpunkt)
Wolfsburg – ??? S(2)/N(0) > Wolfsburg ausgeschieden
Bundesliga-Punkte, Halbfinale: 5/7 = 0,7143
Bayern – ??? S(2)
Bundesliga-Punkte, Finale: 2/7 = 0,2857

Bei diesem Verlauf könnte die Bundesliga also insgesamt noch 2 Punkte in dieser Saison gewinnen und England überholen – rein hypothetisch natürlich.