Halbzeitbilanz zur EM-Qualifikation
Der Weltmeister auf Abwegen, der Europameister mit Problemen und der WM-Dritte in argen Nöten: Die erste Hälfte der EM-Qualifikation lief für die Favoriten nicht unbedingt wunschgemäß. Aufgetrumpft haben dagegen bisher die britischen Teams. England ist mit fünf Siegen aus fünf Spielen bei einem Torverhältnis von 15:1 das erfolgreichste Team überhaupt. Nordirland und Wales liegen zwar jeweils „nur“ auf Platz zwei ihrer Gruppen, konnten sich damit aber eine gute Ausgangsposition für die jeweils erste EM-Teilnahme überhaupt erarbeiten. Auch Schottland und Irland (beide in der deutschen Gruppe) haben noch realistische Qualifikationschancen.
Für den Weltmeister läuft es hingegen noch nicht rund. Zehn Punkte aus fünf Spielen sind eigentlich zu wenig für die Ansprüche eines absoluten Topteams. Trotzdem sollte die DFB-Elf sich am Ende für die EM qualifizieren; Polen, Schottland und Irland haben eigentlich nicht das Niveau, um Deutschland auf Platz vier zu verweisen (die ersten Beiden sind sicher durch, der Dritte hat die Chance über die Playoffs). Allerdings sollte der Weltmeister seine Aufgaben schon ernst nehmen, sonst könnte es doch noch ein böses Erwachen geben.
Ähnlich sieht die Situation für Spanien aus, das in seiner Gruppe derzeit „nur“ den zweiten Rang belegt. Mit acht Punkten Vorsprung auf den Vierten besteht beim Europameister aber keine akute Gefahr zu scheitern. Spannung verspricht hingegen die Gruppe B, in der noch fünf Teams Chancen auf die ersten drei Plätze haben. EM-Mitfavorit Belgien und Wales stehen mit jeweils 11 Punkten an der Spitze, dahinter befindet sich Israel (neun Punkte), das allerdings die beiden Heimspiele in dieser Woche gegen die Spitzenreiter verloren und die glänzende Ausgangsposition für eine erstmalige EM-Teilnahme verspielt hat. Jetzt muss es sogar um den dritten Rang fürchten, denn WM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowina (mit fünf Punkten zur Zeit nur Fünfter) scheint wieder etwas besser in Tritt zu kommen. Auch Zypern (sechs Punkte) hat theoretisch noch Chancen, dürfte es aber angesichts der Konkurrenz schwer haben sich für Frankreich 2016 zu qualifizieren.
Überraschend viele Probleme haben die Niederländer in der Gruppe A. Sechs beziehungsweise fünf Punkte Rückstand auf die direkten Qualifikationsplätze, die von Tschechien und Island eingenommen werden, lässt Oranje ernsthaft um die EM-Teilnahme bangen. Da man auch nur zwei Punkte Vorsprung auf die Türkei aufweist, muss man sogar um den dritten Rang in der Gruppe fürchten. Auch in einigen anderen Gruppen gibt es Überraschungen zu verzeichnen. Österreich ist souveräner Spitzenreiter der Gruppe G und hat schon acht Punkte Vorsprung auf den eigentlichen Favoriten Russland, der den dritten Platz belegt. Der „Gruppenkopf“ der Gruppe F, Griechenland, ist mit mageren zwei Punkten sogar Letzter seiner Staffel hinter den Färöern. Rumänien, Nordirland und Ungarn sollten hier die Startplätze untereinander ausmachen.
In den übrigen Gruppen läuft es einigermaßen erwartungsgemäß, so dürften England und Italien keine größeren Probleme haben, sich für die Europameisterschaft zu qualifizieren, die 2016 erstmals mit 24 Teilnehmern ausgespielt wird. Nach derzeitigem Stand würden mindestens vier Nationen (Island, Wales, Nordirland, Slowakei, eventuell auch Israel und/oder Albanien) ihre Premiere bei einer EM feiern. In vielen Gruppen bleibt es aber spannend im Rennen um die 23 Startplätze neben Gastgeber Frankreich. Erfahrungsgemäß werden bei einem solchen Turnier die Leistungen der Qualifikation kaum noch eine Rolle spielen.
Sollten sich die erwarteten Mannschaften qualifizieren, gibt es 2016 wieder einen großen Favoritenkreis. Ganz oben auf meiner Liste stehen Titelverteidiger Spanien, Weltmeister Deutschland, Gastgeber Frankreich und Belgien, das als aktuell Vierter der FIFA-Weltrangliste endgültig wieder eine Top-Nationalmannschaft stellt und über zahlreiche entwicklungsfähige Spieler verfügt. Im erweiterten Kreis dürften sich die üblichen Verdächtigen befinden: Portugal, England, Italien, Kroatien, eventuell die Niederlande. Wenn Wales sich qualifiziert traue ich diesem Team eine Überraschung zu.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 01. April 15
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