Spieltag 28 – Der HSV vor dem Untergang
52 Jahre lang spielte der Hamburger SV ununterbrochen in der 1. Bundesliga, doch nun scheint die Zeit für den erstmaligen Abstieg gekommen. Mittlerweile ist der HSV Tabellenletzter und tritt spätestens seit dem jüngsten Trainerwechsel eben wie ein solcher auf. Auch die Zahlen sind eindeutig: magere 16 Tore in 28 Spielen – eine solche Sturmflaute gab es in Hamburg noch nie. Um den Verein herum herrscht schon seit längerem Untergangsstimmung. Den ruhmreichen HSV scheint endgültig nichts mehr retten zu können.
Ein Glücksfall könnte das für andere Abstiegskandidaten werden. Der SC Paderborn zum Beispiel feierte am Wochenende den ersten Heimsieg seit fast einem halben Jahr und findet sich schon auf einem Relegationsplatz wieder. Der krasse Außenseiter könnte sich so das nötige Selbstvertrauen für einen realistisch möglichen Klassenerhalt geholt haben. Auch der VfB Stuttgart scheint so langsam wieder in Form zu kommen. Deshalb bleibt es im Abstiegskampf wohl bis zuletzt spannend. Selbst der Tabellen-Zehnte Borussia Dortmund ist mit seinen 33 Punkten sechs Spieltage vor Schluss noch nicht gerettet. Auf der anderen Seite ist für den 12. der Bundesliga Hertha BSC, ebenfalls mit 33 Punkten, auch noch die Europa-League drin, insbesondere wenn der Tabellen-Siebte auch startberechtigt sein sollte.
Zwischen den Rängen 5 und 18 sind also noch viele Verschiebungen möglich, während die Spitzenplätze fest verteilt scheinen. Bayern München führt die Tabelle trotz enormen Verletzungsproblemen souverän mit zehn Punkten Vorsprung an. Dahinter sollte der VfL Wolfsburg den zweiten Platz belegen. Lediglich der Kampf um den letzten festen Champions League-Rang zwischen Mönchengladbach und Leverkusen verspricht noch Spannung. In der Rückrunde präsentieren sich die beiden rheinischen Teams meist in sehr guter Verfassung und haben auch gezeigt (ebenso wie Wolfsburg), dass Bayern durchaus ernstzunehmende Konkurrenz im eigenen Land hat.
Die Teams dahinter liefern sich dagegen eher ein Schneckenrennen. Schalke und Augsburg, zur Zeit (noch) auf den Europa-League Plätzen, spielen bisher eine ziemlich schwache Rückrunde und auch die folgenden Mannschaften können nicht durch Konstanz überzeugen. Deshalb könnten die Revier-Clubs Dortmund und Schalke ihre Saison mit einer Europacup-Teilnahme noch halbwegs retten. Dazu müssen diese Teams ihre Leistung aber mal wieder etwas häufiger auf den Platz bringen als zuletzt.
Auch im Abstiegskampf ist noch alles offen. Den schlechtesten Trend weisen momentan die Nordvereine aus Hannover und Hamburg auf. Es wirkt, als ob es diesen Mannschaften derzeit nicht möglich ist, ein Spiel zu gewinnen. Gerade die Hamburger zeigen sich seit einigen Wochen so verunsichert, dass ein Nichtabstieg schwer vorstellbar ist. Dem vielleicht traditionsreichsten Verein Deutschlands droht damit der erstmalige Absturz in die Zweitklassigkeit.
Seit dem Ende des ersten Weltkriegs war der Hamburger SV acht Jahrzehnte fast ununterbrochen einer der „großen“ Vereine in Deutschland. In den 1960ern, -70ern und -80ern gehörte der Verein sogar zur Spitzenklasse in Europa. Aber in den darauffolgenden Jahren durchlebte dieser Klub mehr Tiefen als Höhen. Den letzten Titel gab es 1987, seitdem sind Topplatzierungen eher die Ausnahme. In den 2000ern schien es nochmal so, als könne der HSV wieder zu einem international ambitionierten Verein werden, doch auch diese Zeiten scheinen schon wieder ganz weit weg. Anspruch und Wirklichkeit passen schon seit Jahren nicht mehr zusammen in Hamburg. Vielleicht ist der Abstieg sogar die einzige Chance für einen richtigen Neuanfang; auf der anderen Seite prophezeien dem HSV beim Abstieg Einige den kompletten Untergang - das wäre sehr schade um einen Verein der, wie kein anderer in Deutschland, eigentlich das Potenzial hätte mit Bayern München zu konkurrieren.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 12. April 15
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