Degenkolb gelingt historischer Sieg in der „Hölle des Nordens“
Als erster deutscher Radfahrer seit 119 Jahren hat sich John Degenkolb am Sonntag in die Siegerliste von „Paris – Roubaix“ eingetragen. Bei dem prestigeträchtigsten Eintagesrennen im Radsport schrieb der Geraer damit Geschichte und bestätigte seine sehr gute Frühjahrsform.
Paris – Roubaix gilt als die „Königin der Klassiker“ und wird auf Grund seiner 27 Pavé-Sektionen (also Kopfsteinpflaster-Abschnitte) auch als „Hölle des Nordens“ bezeichnet. Bis zu diesem Jahr war es lediglich einem Deutschen gelungen dieses Rennen zu gewinnen. Bei der Premiere 1896 siegte Josef Fischer, seitdem gelangen vereinzelt zweite Plätze (Fischer 1900, Olaf Ludwig 1992, Steffen Wesemann 2002 und John Degenkolb 2014), aber nie wieder ein erster.
Degenkolb konnte diese 119 Jahre währende Serie nun durchbrechen und schon seinen zweiten Klassiker-Sieg 2015 bejubeln. Im März gewann er bereits die „Primavera“ Mailand – San Remo.
Mit 26 Jahren ist Degenkolb für einen Radsportler und insbesondere für einen Klassikerspezialisten noch relativ jung, weshalb seine Leistungen – auch schon in den vergangenen Jahren – in der Zukunft auf noch mehr Siege bei bedeutenden Rennen hoffen lassen. Im Finale von Paris – Roubaix zeigte er seine Stärken. Zunächst machte er sich in den Pavé-Sektionen vier (Carrefour de L'Arbre, gilt als Höhepunkt des Rennens) und fünf - gezählt wird rückwärts, von 27 runter - allein auf die Jagd nach den beiden belgischen Spitzenreitern, die er in den anspruchsvollen Kopfsteinpassagen schließlich auch einholte.
Seine Begleiter, unter ihnen der Mitfavorit Greg van Avermaet, wollten nun aber keine Führungsarbeit mehr leisten, wohl wissend um die Sprintstärke Degenkolbs. Dieser versuchte die Spitzengruppe allein vorne zu halten, kurz vor dem Ziel wurde sie jedoch von einer kleineren Verfolgergruppe gestellt. Es fehlten darin aber die Sprinter Alexander Kristoff und Peter Sagan, die Degenkolb im Endspurt normalerweise überlegen sind. So spielte Degenkolb im Vélodrome von Roubaix seine Endschnelligkeit aus und gewann souverän vor Zdenek Stybar aus Tschechien und dem Belgier Greg van Avermaet.
Mit seinen Siegen bei zwei der fünf „Monumente des Radsports“ gehört John Degenkolb bereits jetzt zu den „großen“ deutschen Radfahrern. Er und sein Teamkollege Marcel Kittel haben in den kommenden Jahren die Gelegenheit, den Radsport in Deutschland wieder in ein positives Licht zu rücken.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 13. April 15
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