Desaströse Bayern gehen in Barcelona unter
0:3 in Barcelona – der Traum vom Finale in Berlin scheint für Bayern München schon vor dem Halbfinal-Rückspiel geplatzt. Nicht nur das Ergebnis, auch die Art und Weise machen wenig Hoffnung auf ein Weiterkommen. Von Beginn an wirkte Bayern relativ passiv und – wie so oft in der jüngeren Vergangenheit – ungeordnet und unstrukturiert. Die mittlerweile regelmäßigen taktischen Umstellungen während eines Spiels dürften dieses Problem auch nicht beheben. In dieser Begegnung wirkten aber auch viele Spieler seltsam gehemmt, entweder unmotiviert oder übermotiviert – bei den Bayern stimmte so gut wie nichts. Nach einer solchen Mannschaftsleistung verbietet sich eigentlich jegliche Einzelkritik, aber die Münchener präsentierten sich einfach zu heterogen...

Manuel Neuer: „Der Torhüter verhinderte eine höhere Niederlage“ – ein Standardsatz in vielen Spielbewertungen, der in diesem Fall aber sehr zutreffend ist. Insbesondere in der ersten Halbzeit bewies Neuer ein Mal mehr, dass er da ist, wenn es wichtig wird. Über drei Gegentore mehr hätten sich die Bayern nicht beschweren dürfen...

Jérôme Boateng: Gefühlte 100 lange Pässe, die ihr Ziel meterweit verfehlten – damit stach Boateng aus dem Bayern-Spiel heraus. Dazu noch ein plötzlicher Schwächeanfall beim 2:0. Ansonsten aber okay...

Medhi Benatia: Sehr aufmerksam, starkes Stellungsspiel und einige Balleroberungen – der Marokkaner war der einzige Abwehrspieler, der Sicherheit ausstrahlte. Wie immer, wenn er fit ist...

Rafinha: Als Linksverteidiger der Dreierkette gestartet, bewies er wiederum, dass er diese Position nicht so gut beherrscht. Jedes Mal, wenn Guardiola ihn dort aufstellt, ändert selbiger Trainer während des Spiels das System, um Rafinha auf eine andere Position zu stellen. Sinnvoll?
Als Rechtsverteidiger der Viererkette anschließend passabel...

Thiago: Mittlerweile wird Thiago also lieber auf Rechtsaußen gestellt als Lahm? Vielleicht als taktischer Kniff gedacht, schien die ungewohnte Position Thiago an alter Wirkungsstätte noch zusätzlich zu verunsichern. Nach der System-Umstellung kam von ihm nämlich auch nichts...

Philipp Lahm: Unterirdisch. Eigentlich gibt es zu der Leistung des „Kapitäns“ auch nicht mehr zu sagen. Mich hat er im Mittelfeld nie wirklich überzeugt, aber in Barcelona hat er wirklich gar nichts hinbekommen. Miserable Pässe, schwache Körpersprache und sogar das Laufen scheint er verlernt zu haben. Lahm machte seinem Namen alle Ehre...

Xabi Alonso: Ein Lichtblick! Musste die Lücken im Defensivverbund stopfen und fiel durch viele intelligente Balleroberungen auf. Der Baske strahlte, neben Neuer, als Einziger wirklichen Siegeswillen aus...

Bastian Schweinsteiger: Hängte sich rein wie immer, aber auch ihm gelang nicht allzu viel. Schweinsteiger scheint immer noch nicht zu 100% fit zu sein. Bleibt abzuwarten, ob sich das nochmal ändert...

Juan Bernat: Unfassbar viele Ballverluste und unüberlegte Dribblings. Wie schon bei dem Pokal-Aus gegen Dortmund zeigte der Spanier eine ungewohnt schwache Leistung. Ähnlich wie Thiago wirkte er in seinem Heimatland zudem psychisch überfordert – warum auch immer...

Thomas Müller: Er war der Einzige, dem man an diesem Abend einen Treffer für die Bayern zugetraut hätte. Direkt nach dem 0:1 wurde er ausgewechselt - warum auch immer...

Róbert Lewandowski: Sehr bemüht, aber auch nicht mehr. Irgendwie schien ihn die Maske zu behindern, denn seine Zuspiele waren ungenau und sein Auftreten nicht so selbstbewusst wie sonst. Angesichts der Umstände verbietet sich aber jegliche Kritik an ihm...

Mario Götze: Wurde für Müller eingewechselt und bestätigte seine (Nicht-)Form der letzten Wochen. Für ihn war es nach der Einwechslung genau zwischen den beiden ersten Gegentoren aber auch sehr schwer, sich entscheidend in Szene zu setzen...

Trainer Pep Guardiola: Taktische Meisterleistung – die Hose ist heil geblieben. Mit seinem grandiosen Coaching ermöglichte er seinem Team einen herausragenden Sieg. Ähm, welches war nochmal sein Team...?

Ach ja der Gegner: Barcelona spielte auch noch mit – nicht ganz schlecht. Trotzdem zeigte sich, dass Barca vor allem von seinen drei überragenden Stürmern lebt. Gemessen an der Chancenverwertung erwischten die noch nicht Mal ihren besten Tag. Aber beim dritten oder fünften Versuch treffen sie halt doch irgendwann...

Insgesamt haben die Bayern mit ihrer Niederlage ihre Form der Rückrunde zementiert. Gegen starke Gegner geht gar nichts – insbesondere auswärts. Natürlich haben die Münchener mit Verletzungsproblemen zu kämpfen und jedes Team darf auch mal eine schwache Phase haben, aber das gesamte Erscheinungsbild des Vereins ist in den letzten Monaten immer negativer geworden. Das allein an dem Trainer festzumachen ist auch zu einfach, dennoch ist es vielleicht angebracht, sich nach der Saison Gedanken um eine größere Veränderung zu machen. Sei es in der Kaderstruktur oder im Trainerteam...

Autor: Andreas Arens.