Doch noch das Double für die Bayern
Trotz Pokal-Aus und dem nahen Ende in der Champions League durfte Bayern München am Sonntag doch noch einen zweiten Titel in dieser Saison bejubeln. Es ist ein ganz besonderes Double, denn nicht nur die ruhmreiche Männermannschaft sicherte sich in diesem Jahr den Liga-Titel, auch die Damenmannschaft darf sich nun deutscher Meister nennen.
Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Verein diesen Titel im gleichen Jahr sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen erreicht. Die Damen gestalteten das Ganze dann allerdings doch etwas spannender und enger, als die Herren. Dennoch haben sie ihren männlichen Vereinskollegen Eines voraus: sie beendeten ihre Bundesliga-Saison ohne Niederlage. Deshalb geht der Titel in diesem Jahr auch verdient nach München, das die höher eingeschätzte Konkurrenz aus Wolfsburg, Frankfurt und Potsdam am Ende hinter sich ließ.

Für die Frauen des FC Bayern ist es erst die zweite Meisterschaft nach 1976, als die Profis zwar den Europapokal der Landesmeister gewannen, in der Bundesliga aber weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Bis 1990 war die Münchener Damenmannschaft immerhin relativ konstant in der erweiterten Spitze ihrer Sportart zu finden. Danach verpasste man die nun einsetzende Professionalisierung und verschwand von der Bildfläche des Frauenfußballs – erst seit Ende der 2000er Jahre spielt Bayern München wieder eine bedeutendere Rolle. Seitdem hat man sich konstant zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den 1.FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und zuletzt auch dem VfL Wolfsburg entwickelt.
Trotzdem startete man lediglich mit Außenseiter-Chancen in die Saison 2014/15. Mit Julia Simic wechselte 2013 die Spielmacherin nach Potsdam (mittlerweile spielt sie für Wolfsburg), 2014 verabschiedete sich Torhüterin Kathrin Längert nach Schweden, man hatte gleich zu Beginn mit Verletzungssorgen (insbesondere Lena Lotzen) zu kämpfen und im Winter verließ in Amber Brooks – die plangemäß in die US-Profiliga zurückkehrte – eine weitere wichtige Spielerin den Verein.

Mit der Rückkehr von Melanie Behringer und den Neuzugängen der finnischen Torhüterin Korpela, der niederländischen Sturm-Hoffnung Vivianne Miedema sowie der Verpflichtung von Jung-Nationalspielerin Melanie Leupolz konnten diese Verluste mehr als nur aufgefangen werden. Am Ende verloren die Münchnerinnen nicht ein einziges Spiel, gegen Wolfsburg gab es zwei Unentschieden, gegen Frankfurt einen Auswärtssieg und ein Remis – gegen Potsdam sogar zwei Erfolge. Die anderen beiden Unentschieden (fünf insgesamt, bei 17 Siegen) musste man beim Fünften aus Essen und dem Absteiger aus Duisburg hinnehmen. Obwohl am diese unnötigen Punktverluste hinnehmen musste, verabschiedete man sich vom Problem der letzten Jahre: Punktverluste und schwache Spiele gegen schwächere Gegner. So setzten sich die bayrischen Damen, trotz eines nicht ganz so überragendes Torverhältnisses (56:7), am letzten Spieltag gegen die Tormaschinen aus Wolfsburg (67:4) und Frankfurt (74:19) durch. Diese beiden Gegner trafen sich zum „Final-Showdown“ in Frankfurt: Das 1:1 zwischen Pokalsieger Wolfsburg und Champions-League-Finalist Frankfurt bedeutete den Titelgewinn für die Münchnerinnen, die Essen zu Hause 2:0 schlugen. Damit hatte Bayern am Ende einen Punkt Vorsprung auf den VfL und drei auf Frankfurt.

Obwohl Bayern München im Frauen-Fußball bisher einen Underdog-Status eingenommen hat, wurden einige deutsche Meister insvorläufige WM-Aufgebot berufen: Abwehrspielerin Leonie Maier und Kapitänin Melanie Behringer dürften Stammplatz-Ansprüche anmelden, während Melanie Leupolz und Rekonvaleszentin Lena Lotzen berechtigte Hoffnungen auf einen endgültigen Kaderplatz hegen. Für die kommenden Jahre dürfte Bayern auch ganz gut aufgestellt sein. Mit den deutschen Nationalspierinnen Maier, Leupolz und Lotzen – in der nächsten Saison kommt auch Sara Däbritz hinzu – und dem niederländische Jungstar Vivianne Miedema verfügen die Münchenerinnen über etliche vielversprechende Talente. Auch Thomas Wöhrle, der dieses Team als Trainer geformt hat und 2012 bereits den DFB-Pokal mit den Münchenerinnen gewann, hat bewiesen, dass er der junge Spielerinnen weiterentwickeln kann.

Autor: Andreas Arens.