O Canada!
Der neue Eishockeyweltmeister heißt Kanada. In DEM Traumfinale ließen die „Ahornblätter“ Russland keine Chance und fegten die „Sbornaja“ mit 6:1 vom Eis. Es war der Schlusspunkt eines grandiosen Turniers für die Kanadier. Alle 10 Spiele wurden in der regulären Spielzeit gewonnen, am Ende stand ein überragendes Torverhältnis von 66:15 zu Buche. Der Olympiasieger von 2010 und 2014 hat damit auch endlich wieder den WM-Thron bestiegen. Acht Jahre hatten die erfolgsverwöhnten Nordamerikaner auf diesen Titel warten müssen, zwischen 2010 und 2014 wurde bei Weltmeisterschaften nicht eine einzige Medaille gewonnen.
Angeführt von Kapitän Sidney Crosby und seinem Assistenten Jason Spezza verfügten die Kanadier aber über den ausgeglichensten und einen der stärksten Kader des Turniers. Wie immer bei Eishockey-Weltmeisterschaften hängt die Zusammenstellung der Mannschaften davon ab, welche NHL-Spieler verfügbar sind, da die beste Eishockey-Liga der Welt noch mitten in den Playoffs steckt. Wie gut dieses kanadische Team war, mag ein Blick auf die Scorerwertung verdeutlichen:
1. Jason Spezza (CAN /6 Tore+8 Assists=14 Punkte)
2. Jordan Eberle (CAN / 5 + 8 = 13)
3. Taylor Hall (CAN / 7 + 5 = 12)
4. Sergej Mozyakin (RUS / 6 + 6 = 12)
5. Matt Duchene (CAN / 4 + 8 = 12)
6. Oliver Ekman-Larsson (SWE / 2 + 10 = 12)
7. Sidney Crosby (CAN / 4 + 7 = 11)
…
10. Brent Burns (CAN / 2 + 9 = 11)
11. Ryan O'Reilly (CAN / 2 + 9 = 11)
14. Yevgenij Malkin (RUS / 5 + 5 = 10)
18. Claude Giroux (CAN / 3 + 7 = 10)
20. Tyler Seguin (CAN / 9 + 0 = 9)
22. Jaromir Jagr (CZE / 6 + 3 = 9)
Bei dem Turnierverlauf der Eishockey-WM in Tschechien 2015 hätte man eigentlich erwartet, dass Sid Crosby zum alles überragenden Star wird. Seit einigen Jahren gilt er als bester nordamerikanischer Spieler, vielleicht sogar als der Beste der Welt. Im „Team Canada“ konnte er aber einfach nicht herausstechen, weil die gesamte Mannschaft, egal welche Reihe gerade auf dem Eis stand, allen anderen überlegen war. Dennoch ist Crosbys +/– -Statistik, in der er mit +1 der schlechteste Kanadier des Turniers ist, etwas erschreckend. 11 Scorerpunkte in neun Spielen sind allerdings ein guter Wert, außerdem war er häufig an entscheidenden Toren beteiligt. Ab dem Viertelfinale bereitete er immer zumindest ein Tor vor, im Finale traf er zudem. Somit war der Kapitän ein entscheidender Spieler zum Titelgewinn, schaffte es aber trotzdem – zu Recht – nicht ins Allstarteam:
Connor Hellebuyck (USA) – Brent Burns (Kanada), Oliver Ekman-Larsson (Schweden) – Jaromir Jagr (Tschechien), Jason Spezza (Kanada), Taylor Hall (Kanada).
Die Spieler-Awards wurden wie folgt verteilt:
Most Valuable Player: Jaromir Jagr (Tschechien)
Best Goalkeeper: Pekka Rinne (Finnland)
Best Defenseman: Brent Burns (Kanada)
Best Forward: Jason Spezza (Kanada)
Es mag etwas merkwürdig wirken, dass Pekke Rinne zum besten Torhüter des Turniers gewählt wurde, jedoch nicht im Allstar-Team steht. Das hat bei Rinne aber Tradition – 2014 wurde er sogar MVP, allerdings nicht bester Torhüter...
Der diesjährige MVP Jaromir Jagr hat bei seiner Auswahl, neben seinem Legenden-Status, sicherlich auch vom Heimvorteil profitiert. Denn weder Tschechien als WM-Vierter, noch Jagr selbst ragten wirklich heraus bei diesem Turnier. Trotzdem ist es ziemlich beachtlich, welche Leistungen der mittlerweile 43-jährige Superstar immer wieder aufs Eis legt. Diese WM, wohl nun wirklich seine letzte, hat seinem Ansehen keinesfalls geschadet. Wie man auch feststellen muss, dass die gesamte Weltmeisterschaft eine Werbung für das Eishockey war. In den beiden Gastgeberstädten Praha (Prag) und Ostrava (Ostrau) wurde ein neuer Zuschauerrekord ermittelt. Die gute Stimmung schien die Spieler auch zu vielen Toren anzuspornen und am Ende waren es wie (fast) immer die großen sechs, die die Medaillen unter sich ausmachten – insgesamt eine Eishockey-WM, wie man sie sich vorstellt.
Auch für die deutsche Mannschaft lief es so, wie man das in etwa erwartet hatte. Mit Platz 10 darf man durchaus zufrieden sein, die Leistungen gegen die Topteams aus Tschechien und Schweden haben sogar Hoffnung gemacht, in Zukunft mal wieder das Viertelfinale anzupeilen. Wenn der DEB es schafft (das ist, wie erwähnt, allerdings auch abhängig vom Verlauf der NHL-Saison) annähernd den besten Kader zur WM zu schicken, sollte das 2016 das Ziel sein.
Hoffen darf Eishockey-Deutschland in den nächsten Jahren insbesondere auf Leon Dreisaitl, der jüngst in der nordamerikanischen Juniorenliga sowohl den Titel gewann, als auch zum MVP der Playoffs gekürt wurde. Im vergangenen Jahr wurde er als N°3-Pick von den Edmonton Oilers gedraftet und gilt derzeit als eines der größten europäischen Talente.
Mit dem Ende der WM 2015 steht auch gleichzeitig schon die Gruppeneinteilung für 2016 fest, die sich an der neuen Weltrangliste orientiert: Deutschland muss gegen den neuen Führenden Kanada, Finnland, die USA, die Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn antreten. Um das Viertelfinale zu erreichen muss man voraussichtlich die Slowakei und Weißrussland hinter sich lassen – schwierig, aber nicht unmöglich.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 18. Mai 15
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren