Heim-Hattrick für Rosberg
Zum dritten Mal in Folge hat Nico Rosberg den Großen Preis von Monaco gewonnen. Bei seinem diesjährigen Sieg auf dem prestigeträchtigen Stadtkurs von Monte Carlo profitierte er allerdings von einem schwerwiegenden Strategiefehler seines Mercedes-Teams, das Rosbergs führenden Stallgefährten Lewis Hamilton unnötig zum Boxenstopp beorderte.
Es hatte alles nach einem gähnend langweiligen Rennen ausgesehen, bis der 17-jährige Neuling Max Verstappen einen Bremspunkt total verpasste, in den Wagen von Romain Grosjean preschte und anschließend erst von einem Reifenstapel gebremst wurde. Um die nötigen Reparaturarbeiten vornehmen zu können kam das Safety-Car auf die Strecke. Die Strategie-Abteilung in Hamiltons Crew war wohl der Meinung, man habe ein ausreichendes Zeitpolster, um bei dem britischen Weltmeister erneut die Reifen wechseln zu können, ohne dass dieser seine Führung einzubüßen drohte. Als er die Box wieder verließ befand sich aber nicht nur das Safety-Car vor ihm, auch Rosberg und dessen Verfolger Sebastian Vettel konnten sich ganz knapp vor Hamilton setzen, der jetzt zwar frische Reifen hatte, aber nur noch an dritter Stelle lag. Nach der Rennfreigabe fand Hamilton keinen Weg mehr an Vettels Ferrari vorbei und Rosberg fuhr seinen nächsten Heimsieg souverän nach Hause.

Nico Rosberg wohnt nicht nur in Monaco, wie so viele Rennfahrer, er ist auch dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Zu Beginn seiner Karriere fuhr er sogar mit einer monegassischen Rennlizenz. So gesehen ist er erst der zweite einheimische Pilot, der beim Großen Preis von Monaco triumphieren kann. Der erste war Louis Chiron, der 1931 die dritte Ausgabe des Grand Prix in Monte Carlo für sich entscheiden konnte. In seiner Geburtsstadt wurde Chiron außerdem Zweiter 1930, 1934 und 1948. In der Premierensaison der Formel 1, 1950, wurde er nochmal Dritter. Es war seine einzige Spitzenplatzierung in der neu geschaffenen Serie, in der er trotzdem einen Rekord für die Ewigkeit hält: Mit dem sechsten Platz in Monaco 1955 ist er – wohl für immer – der älteste Fahrer, der je einen Formel-1-Grand-Prix bestritt. Zu dem Zeitpunkt war Chiron fast 56 Jahre alt.
Seinen Höhepunkt hatte der „alte Fuchs“ Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre, in der ersten Blütezeit des Grand-Prix-Sports. Während dieser Zeit führte er das Bugatti-Team an die Spitze des europäischen Automobil-Rennsports. 1928 war er mit drei Siegen der erfolgreichste Fahrer der Saison und gewann auch den „Großen Preis von Europa“ in Monza. In den folgenden Jahren gehörte er zu den absoluten Topfahrern und erreichte 1931 wiederum die meisten Siege. Als Mitte der 30er Jahre die deutschen Automarken, dank staatlicher Unterstützung, unschlagbar wurden, zog sich Louis Chiron vom aktiven Rennsport zurück.
Wohl auf Grund dieser verpassten Jahre startete er nach dem zweiten Weltkrieg ein Comeback, das zunächst auch erfolgversprechend verlief. Unter anderem mit alten Rivalen wie Luigi Fagioli oder Achille Varzi stritt er sich um Grand-Prix-Siege. Als 1950 die Formel 1 ins Leben gerufen wurde, war die Glanzzeit der alten Recken allerdings vorbei. In der Folge kümmerte sich Chiron aber noch Zeit seines Lebens um die Austragung „seines“ Großen Preises von Monaco, den er bereits 1929 als einer der maßgeblichen Initiatoren begründet hatte. Während der 50 Jahre (bis zu seinem Tod 1979), in denen er den GP in Monte Carlo organisierte, wurde dieser Grand Prix zu dem wichtigsten des gesamten Rennkalenders.

Die ganz besondere Streckencharakteristik des Stadtkurses und das ganz besondere Flair des Hafens von Monte Carlo machen dieses Rennen unbestritten zu dem Höhepunkt des Formel-1-Jahres. Zu den Legenden des Großen Preises von Monaco gehört nun auch Nico Rosberg. Drei Mal in Folge gewannen bisher lediglich Graham Hill (1963-1965), Alain Prost (1984-1986) und Ayrton Senna, der zwischen 1989 und 1993 sogar fünf Mal hintereinander siegte. Mit insgesamt sechs Erfolgen ist der Brasilianer auch Rekordsieger in Monte Carlo, gefolgt von Michael Schumacher, Graham Hill (jeweils fünf Erfolge), Prost (4), Stirling Moss, Jackie Stewart und eben jetzt Nico Rosberg, die alle jeweils drei Mal gewannen.

Autor: Andreas Arens.