Chiles historischer Triumph
Zum ersten Mal in der 99-jährigen Geschichte heißt der Copa-América-Sieger Chile. Der Gastgeber der diesjährigen Ausgabe – es war die insgesamt 44. – bezwang Argentinien im Finale erst nach Elfmeterschießen, umso größer waren die Jubelstürme im gesamten Land, nachdem Stürmer-Star Alexis Sánchez den entscheidenden Treffer erzielt hatte. Als Teilnehmer der ersten Copa América 1916 brauchte das fußballbegeisterte Chile 37 Anläufe bis zum ersten Titelgewinn.
Das Team um Kapitän Claudio Bravo (Barcelona), Arturo Vidal (Juventus), und Alexis Sánchez (Arsenal) galt im eigenen Land schon vorher als das vielleicht beste aller Zeiten. Seit der WM 2010 formten die argentinischen Coaches Bielsa und Sampaoli aus vielen talentierten Spielern eine sehr homogene Mannschaft, die nun auch bewiesen hat, dass sie einen großen Titel gewinnen kann. Dieser bleibt Lionel Messi mit seiner argentinischen Auswahl hingegen weiter verwehrt. Die zweite Endspielniederlage innerhalb eines Jahre – nach dem WM-Finale gegen Deutschland – stimmte das Land am Rio de la Plata nicht nur traurig, in der heimischen Presse klang auch viel Verzweiflung durch: der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten hat es mit seinem erstklassig besetzten Nationalteam wieder nicht geschafft einen großen Titel nach Argentinien zu holen.
Argentinien galt vor der Copa als erklärter Top-Favorit. Nach dem ernüchternden Unentschieden zum Auftakt steigerte sich der Vizeweltmeister im Laufe des Turniers und deklassierte Paraguay im Halbfinale mit 6:1. In diesem Spiel glänze Messi mit drei Torvorlagen. Außer einem mageren Treffer in der Vorrunde stach er aber nicht weiter heraus. In der Offensive überzeugten insbesondere Ángel Di María und Sergio Agüero. Defensiv präsentierten sich die Argentinier, wie schon bei der WM 2014, ebenfalls stark.
Finalgegner Chile überzeugte durch Konstanz und seinen aggresiven, offensiven Spielstil. Trotz einer zwischenzeitlichen Alkoholfahrt führte Arturo Vidal sein Team mit Präsenz und Effektivität bis ins Finale.
Insgesamt ist es ziemlich schade, dass es für die meisten Fußballfans hierzulande keine Möglichkeit gab, die Copa América in laufenden Bildern zu verfolgen. Die Qualität und die Spannung des Turniers waren in diesem Jahr mit einer Europameisterschaft gleichzusetzen. Außer dem gesperrten Luis Suárez waren alle der zahlreichen südamerikanischen Stars am Start und boten meist überzeugende Leistungen.
Als bester Spieler des Turniers wurde Lionel Messi ausgezeichnet – ähnlich umstritten wie schon bei der Weltmeisterschaft. Viele Experten hätten hier wohl eher den Chilenen Vidal favorisiert, der dafür zum besten Spieler des Finales gewählt wurde.
Allstar-Team, Copa 2015*:
Claudio Bravo (Chile) – Gary Medel (Chile), Javier Mascherano (Argentinien), Jeison Murillo (Kolumbien) – Arturo Vidal (Chile), Charles Aránguiz (Chile) – Lionel Messi (Argentinien), Ángel Di María (Argentinien) – Alexis Sánchez (Chile), José Paolo Guerrero (Peru), Eduardo Vargas (Chile).
Goldener Ball (MVP)*: Arturo Vidal (Chile)
Silberner Ball*: Lionel Messi (Argentinien)
Bronzener Ball*: José Paolo Guerrero (Peru)
Goldener Handschuh: Claudio Bravo (Chile)
Goldener Schuh (Topscorer): Eduardo Vargas (Chile/4+1)
Silberner Schuh: Ángel Di María (Argentinien/2+3)
Bronzener Schuh: José Paolo Guerrero (Peru/4+0)
*abweichend von den offiziellen Ehrungen, handelt es sich hier um persönliche Eindrücke.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 07. Juli 15
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