Tour-Zwischenbilanz: Froome in Gelb, Greipel sprintstark
Nach neun Etappen legt der Tross der Tour de France am heutigen Montag seinen ersten Ruhetag ein. In der Gesamtwertung führt der kenianische Brite Chris Froome (Team Sky), was wahrlich keine Überraschung ist. Der Gewinner von 2013 galt unter den Experten schon vor dem Start in Utrecht als heißester Favorit auf den Gesamtsieg. Als größte Konkurrenten wurden gemeinhin Titelverteidiger Vincenzo Nibali aus Italien (Team Astana), der Spanier Alberto Contador (Tinkoff-Saxo) und der Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) genannt.
Nach den Eindrücken der ersten neun Etappen dürfte es vor allem Nibali schwer fallen, Froome zu gefährden. Dafür hat sich Tejay van Garderen in den Kreis der Podestanwärter gefahren. Der US-Amerikaner vom BMC Racing Team weist als Gesamt-Zweiter lediglich zwölf Sekunden Rückstand auf. Mit Rigoberto Uran aus Kolumbien (Etixx-Quick Step) und dem Weltranglisten-Ersten Alejandro Valverde (Spanien/Movistar) befinden sich zwei weitere Podiumskandidaten unter den Top Ten.
Nach dem Ruhetag in Pau beginnt die Tour ab morgen aber erst richtig: es geht in die Berge. Hier wird sich zeigen, wer in diesem Jahr die besten Beine hat. Mein Tipp für den Endstand in Paris in knapp zwei Wochen:
1. Chris Froome (G.B./SKY)
2. Alberto Contador (ESP/TKS)
3. Nairo Quintana (COL/MOV)
4. Tejay van Garderen (U.S./BMC)
5. Alejandro Valverde (ESP/MOV)
6. Vincenzo Nibali (ITA/AST)
7. Roman Kreuziger (CZE/TKS)
8. Rigoberto Uran (COL/EQS)
9. Bauke Mollema (NED/TFR)
10. Joaquim Rodríguez (ESP/KAT)

Aus deutscher Sicht war die erste Woche der Tour ähnlich erfolgreich wie im letzten Jahr. Zum tragischen Helden wurde dabei Tony Martin. Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister verpasste das gelbe Trikot im Auftakt-Zeitfahren als Zweiter nur denkbar knapp, am nächsten Tag schnappte es ihm Dauer-Konkurrent Fabian Cancellara dank Zeitgutschrift vor der Nase weg und nach der dritten Etappe lag er dann ein mickriges Sekündchen hinter dem neuen Führenden Froome.
Nachdem nun ein Anwärter auf den Gesamtsieg das Leader-Trikot übernommen hatte, schien es beinahe unmöglich für Martin, 2015 in Gelb schlüpfen zu können. Auf der vierten Etappe, die einige Kopfsteinpflaster-Sektionen des Klassikers Paris – Roubaix enthielt, überraschte Tony Martin die gesamt Spitzengruppe mit einem Angriff wenige Kilometer vor dem Ziel. Zuvor war er nach Defekt aus der Führungsgruppe herausgefallen und nun mit dem Rad eines Teamkollegen unterwegs. Nach erfolgreicher Aufholjagd krönte er seinen Ausreißversuch und rettete einige Sekunden ins Ziel. So übernahm Martin doch noch das gelbe Trikot – für drei Tage. Dann stürzte er kurz vor dem Ende der sechsten Etappe unglücklich, brach sich das Schlüsselbein und musste aufgeben.

Für weitere deutsche Erfolge sorgte der Sprinter André Greipel, der sowohl den zweiten, als auch den fünften Tagesabschnitt gewann und sechs Tage lang das grüne Trikot des Punktbesten trug. Momentan hat er in dieser Wertung nur drei Punkte Rückstand auf den Slowaken Peter Sagan, der aber in den kommenden zwei Wochen wohl deutlich bessere Chancen haben dürfte, ein paar Punkte zu sammeln.
Nicht so gut wie erhofft lief es dagegen bei John Degenkolb vom deutschen Team Giant-Alpecin. Der Sieger von Mailand – San Remo und Paris – Roubaix in diesem Jahr liegt zwar immerhin auf dem vierten Rang der Punktewertung, konnte aber nicht den beinahe erwarteten Tagessieg erzielen. In den vierten Abschnitt zwischen Seraing und Cambrai war er als großer Favorit auf den Etappensieg ins Rennen gegangen, ließ sich aber von Tony Martin überrumpeln und sprintete „nur“ auf den zweiten Rang.

Autor: Andreas Arens.