Teil 1 – Die Top 6

Mit dem ersten Spieltag der Bundesliga hat die Fußballsaison jetzt richtig begonnen. Einige Mannschaften präsentieren sich bereits in bemerkenswerter Verfassung. Im ersten Teil meines Formchecks zum Auftakt der Pflichtspiel-Saison stehen die Top-Teams der Liga im Fokus. Insbesondere die Enttäuschungen der letzten Spielzeit, Dortmund und Schalke, zeigten bereits gute Leistungen. Auch Bayern, Wolfsburg und Leverkusen gewannen sowohl in der Liga, als auch im Pokal. Einzig Borussia Mönchengladbach scheint nach der herben Niederlage in Dortmund noch nicht auf der Höhe zu sein.

Bayern München
Form: Nach der Niederlage im Supercup und dem zähen Pokalspiel gegen Nöttingen drohte ein schwieriger Saisonstart für die Bayern. Seit dem 5:0 über den HSV gibt es aber schon wieder viel Lob. Man muss allerdings festhalten, dass die Hamburger kein echter Gradmesser waren. Deshalb steht hinter der Frühform der Münchener noch ein kleines Fragezeichen.

Neuzugänge: Bereits nach wenigen Wochen werden die millionenschweren Einkäufe Arturo Vidal und Douglas Costa ziemlich gelobt. Ob sie ihr Geld wirklich wert sind, kann erst in der Endphase der Spielzeit festgestellt werden, wenn es um die Titel geht.
In ihren ersten Spielen konnte die beiden Südamerikaner ihre Stärken aber schon präsentieren. Der „Alleskönner“ Vidal soll wieder mehr Aggresivität ins Bayern-Spiel bringen, der Brasilianer Costa die alternde Flügelzange Robben/Ribéry entlasten. Costa, dessen Verpflichtung zunächst kritisiert worden war, wurde zum Gewinner der Vorbereitung und könnte den verletzten Franck Ribéry schnell vergessen machen.

Prognose: Die Bayern wollen in dieser Saison Historisches schaffen: vier Meistertitel in Folge. Die Chancen dazu sollten sehr gut stehen, mit dem Kader der Münchener kann unter normalen Umständen kein anderer Bundesligist mithalten.

VfL Wolfsburg
Form: Drei Pflichtspiele – drei Siege, die Bilanz des VfL ist bisher makellos. Den spielerischen Glanz des letzten Jahres versprühen Kevin de Bruyne und Co. aber noch nicht ganz. Das mag auch an den Gerüchten um einen Abgang des belgischen Spielmachers liegen.

Neuzugänge: Der prominenteste Neueinkauf ist Nationalspieler Max Kruse, der vom direkten Konkurrenten Mönchengladbach verpflichtet wurde. Er scheint schon gut in die Mannschaft integriert, auch wenn er bisher nicht sonderlich aufgefallen ist. Wegen Kruse hat Trainer Hecking sein System etwas umgestellt. Der Neuzugang spielte zuletzt als hängende Spitze hinter Bas Dost, während „10er“ de Bruyne dafür mehr über Außen kam.

Prognose: In der Gruppe der „Bayern-Verfolger“ wird dem VfL der Spitzenplatz zugetraut. Wenn Kevin de Bruyne bleibt und das Teams weiter so harmoniert, wie in der vergangenen Spielzeit, ist auch wieder viel möglich für die „Wölfe“. Mein Tipp: Platz 2 bis 4

Borussia Dortmund
Form: Nach der Glanzvorstellung gegen Mönchengladbach zu urteilen, befindet sich der BVB schon jetzt in einer sehr guten Verfassung. Das überrascht nicht so sehr, wenn man bedenkt, dass die Dortmunder früher als alle anderen Bundesligisten in die Pflichtspiel-Saison starteten – „dank“ Europa-League-Qualifikation. Dass der neue Trainer Tuchel sein Team so schnell in Form bringen konnte, ist dennoch bemerkenswert.

Neuzugänge: Neben der Trainerposition gab es in Dortmund auch im Kader die ein oder andere Veränderung. Nachdem Ilkay Gündogan nun doch geblieben ist, muss Neu-Erwerbung Gonzalo Castro wohl vorerst auf der Bank Platz nehmen. Einen Bankplatz hatte man wohl eher Julian Weigl zugedacht, doch der scheint die Gunst der Stunde zu nutzen und sich in der ersten Elf festzuspielen. Das hatte dem 19-jährigen, der von Zweitligist 1860 München kam, kaum jemand zugetraut.

Prognose: Die Euphorie scheint zurück beim BVB und Stareinkauf Henrikh Mkhitaryan wohl endlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Wenn Dortmund sein Potenzial über eine gesamte Saison abrufen kann, sollte die Champions-League-Qualifikation kein Problem darstellen. Mein Tipp: Platz 2 bis 4

Bayer Leverkusen
Form: Nicht der glanzvolle Start wie im Vorjahr, aber solide. Wie der Ausfall von Abwehrchef Ömer Toprak auf Dauer aufgefangen werden kann, ist zur Zeit noch nicht sicher.

Neuzugänge: Der Topeinkauf für Leverkusen ist zweifellos der Chilene Charles Aranguiz, der aber erst seit der vergangenen Woche mit dem Team trainiert. Vom frischgebackenen Copa-América-Sieger erwartet man sich Ähnliches wie Bayern von seinem Landsmann Vidal. Wenn Aranguiz sich schnell in Europa einleben kann, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung für Bayer, das im Mittelfeld mit Rückkehrer Christoph Kramer einen weiteren prominenten Neuzugang vorzuweisen hat.

Prognose: Leverkusen ist in diesem Jahr etwas schwierig einzuschätzen. Wenn es optimal läuft ist alles ab Platz 2 möglich. Sollte die relativ junge Mannschaft aber in eine Krise geraten, könnte man sogar Probleme bekommen, die Europa League zu erreichen. Mein Tipp: Platz 5 bis 6

Borussia Mönchengladbach
Form: Die deutliche Auftakt-Schlappe in Dortmund kam etwas überraschend, nachdem die Vorbereitung nahezu problemlos verlaufen war. Die Verletzung von Abwehrchef Martin Stranzl scheint die Gladbacher härter zu treffen als angenommen. Auch die Abgänge von Kramer und Kruse sind noch nicht kompensiert worden.

Neuzugänge: In Max Kruse und Christoph Kramer verließen zwei Leistungsträger den Verein. Als Ersatz verpflichteten die Gladbacher mit Josip Drmic und Lars Stindl zwei jeweils unterschiedliche Spielertypen (verglichen mit ihren „Vorgängern“). Ob die Mannschaft von Lucien Favre mit diesen Umstellungen klarkommt, muss sich erst noch zeigen. Unumstrittene Stammspieler dürften beide zunächst eher nicht sein.

Prognose: Vor der Saison wurden die Gladbacher zwar für ihre Transferpolitik gelobt, ob die aber ausgewogen genug war, um eine ähnlich starke Runde wie im letzten Jahr zu spielen, ist zweifelhaft. Trotzdem sollte es Trainer Favre mit diesem Kader in den Europacup schaffen. Mein Tipp: Platz 5 bis 6

FC Schalke 04
Form: Nach zwei überzeugenden Auftaktsiegen ohne Gegentor ist man auf Schalke sehr zuversichtlich für die kommende Saison. Der neue Trainer André Breitenreiter scheint schnell einen Draht zu seinen Spielern gefunden zu haben, die sich mit der offensiveren Ausrichtung deutlich wohler zu fühlen scheinen, als zuletzt unter Roberto Di Matteo.

Neuzugänge: Mit Johannes Geis und Franco di Santo konnte sich Schalke mit zwei international begehrten Spielern verstärken. Vor allem von Geis wird viel erwartet: Trotz seines jungen Alters soll er von Beginn an zum Chef im Schalker Mittelfeld werden. Unterstützt werden soll er dabei von dem noch jüngeren Leon Goretzka, der sein großes Talent nach etlichen Verletzungen mal über eine komplette Spielzeit beweisen will.

Prognose: Dieses Jahr scheint es auf Schalke zu passen. Trainer, Mannschaft und Fans liegen auf einer Wellenlänge und der Kader bietet einige Varianten. Wenn Schalke sein Potential abruft, ist sehr viel möglich. Mein Tipp: Platz 2 bis 4

Autor: Andreas Arens.