Bundesliga-Auftakt 2015/2016: Der Formcheck
Teil 2 – Mittelfeld und Abstiegskandidaten

FC Augsburg
Für den FCA ist eine Niederlage zum Saisonstart nicht unbedingt das schlechteste Omen. In den letzten beiden (erfolgreichen) Jahren war das nämlich auch der Fall. Trotzdem könnte es für die Augsburger in dieser Spielzeit wieder etwas ungemütlicher werden. Für den Verein ist die Teilnahme am Europapokal etwas ganz Neues. Coach Markus Weinzierl verfügt allerdings über einen Kader mit reichlich Erfahrung und die Mannschaft hat sich der Vergangenheit als sehr gefestigt präsentiert.
Mit diesen Voraussetzungen sollte der FCA nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten, eine erneute Qualifikation für den Europacup ist aber ebenso unwahrscheinlich. Das Ziel dürfte wohl ein einstelliger Tabellenplatz sein.

TSG Hoffenheim
Seit dieser Transferperiode hält die TSG einen neuen Rekord: Der teuerste Bundesliga-Wechsel der Geschichte geht auf das Konto der Hoffenheimer, genauer gesagt 41 Millionen Euro; denn soviel kassierten die Kraichgauer vom Liverpool FC für den Wechsel von Roberto Firmino.
Im Kader gab es reichlich Bewegung, die namhaftesten Neuzugänge sind Kevin Kuanyi, Fabian Schär und Jonathan Schmid, die sich allesamt berechtigte Hoffnungen auf einen Stammplatz machen.
Insgesamt verfügt Hoffenheim über einen sehr interessanten Kader, der sich allerdings im Umbruch befindet. Das heißt auch, dass die Leistungsfähigkeit nur sehr schwer einzuschätzen ist.

Eintracht Frankfurt
Nach seinem schwäbischen Sabbatjahr ist Armin Veh wieder zurück auf der Trainerbank der Hessen – und es wirkt beinahe so, als wäre er nie weg gewesen. Unterbrochen durch eine unruhige Spielzeit unter Thomas Schaaf scheint die Eintracht nun wieder in das seichte Fahrwasser der vorangegangenen Spielzeiten zu geraten. Trotz des Verlustes von Stammtorhüter Kevin Trapp, der die neue Nummer Eins beim französischen Meister PSG ist, und der knappen Auftakt-Niederlage in Wolfsburg, blickt man optimistisch auf die Saison.
Der Kader der Frankfurter ist breiter aufgestellt als im vergangenen Jahr und so hofft man auch eine bessere Rolle spielen zu können. Als Ziel gilt ein einstelliger Tabellenplatz, insgeheim schielt man wohl auf einen Ausrutscher der „Top 6“.

Hertha BSC Berlin
Große Veränderungen im Kader der Hertha hat es bisher nicht gegeben, die Form des Teams scheint aber zu stimmen. Der Liga-Auftakt in Augsburg wurde zumindest gewonnen. Wohin die Reise der Berliner in dieser Spielzeit geht ist allerdings noch nicht abzusehen. Coach Pal Dardai (vorher zugleich ungarischer Nationaltrainer) kann sich jetzt immerhin ganz auf seinen Club konzentrieren. Wenn er es schafft Kalou und Beerens auf ihr Toplevel zu bringen, könnte was drin sein für die Hertha.
Trotzdem weist die Mannschaft noch einige Schwächen auf, die man auch in dieser Transferperiode nicht beheben zu wollen scheint. Deshalb sollten die Berliner ihren Blick eher nach unten, denn nach oben richten.

VfB Stuttgart
Neuer Trainer, neuer Hoffnungsträger, Aufbruchstimmung – täglich grüßt das Murmeltier in Stuttgart. Ist Alexander Zorniger jetzt endlich der Richtige? In der Vorbereitung gab es viel Lob, der Liga-Auftakt zuhause gegen Köln ging aber gründlich in die Hose.
Wie bei so vielen Teams jenseits der Top 6 ist es schwer einzuschätzen, welche Rolle Stuttgart spielen wird. Der Kader des VfB lässt sich durchaus sehen und Coach Zorniger ist ein anerkannter Fachmann. Theoretisch sollten sie Stuttgarter also nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Hannover 96
Am Ende konnte Hannover mit dem Unentschieden in Darmstadt ganz gut leben – und das sagt eigentlich schon alles. Zwar haben sich die 96er nicht als Abstiegskandidat Nummer eins präsentiert, überzeugen konnten sie dennoch nicht. Und das gilt aus meiner Sicht auch für das Gesamtbild in der Frühphase dieser Saison: wenig überzeugend.
Ich denke, Hannover wird es ganz schwer haben, in diesem Jahr die Klasse zu halten.

FSV Mainz 05
Ähnliche sieht es in Mainz aus. Obwohl die „05er“ seit ein bis zwei Jahren nicht mehr als ernsthafter Abstiegskandidat gehandelt werden, könnte es in dieser Spielzeit eng werden. Der Auftakt gegen Aufsteiger Ingolstadt lässt keine gute Frühform vermuten und der Kader ist eher schwächer, denn stärker geworden.
Mit diesen Voraussetzungen sehe ich Mainz als klaren Abstiegskandidaten, in dieser Hinsicht wurde ich allerdings schon oft eines Besseren belehrt...

Werder Bremen
Ungewollt musste Bremen vor dieser Saison seinen kompletten Sturm austauschen. Die Hoffnungsträger Franco di Santo und Davie Selke verließen den Verein für insgesamt 14 Millionen Euro, von denen rund neun Millionen in die Nachfolger Anthony Ujah und Aron Jóhansson reinvestiert wurden. Auf den ersten Blick kein richtig guter Tausch, aber Werder hat schon oft gezeigt, dass man aus wenig viel machen kann.
Mit Viktor Skripnik scheint zumindest wieder eine echte Identifikationsfigur an der Linie zu stehen und dass Bremen am Ende absteigt, kann sich wohl niemand wirklich vorstellen.

1.FC Köln
Köln könnte die Überraschung der Saison werden. Ich denke, dass kaum ein Verein sein Budget so clever eingesetzt hat, wie der FC. Der Auswärtserfolg in Stuttgart sollte zusätzliches Selbstvertrauen für die anstehende Spielzeit geben.
Manager Schmadtke und Coach Stöger scheinen im einst so unruhigen Köln eine richtig schlagfertige Truppe aufzubauen. Ich war selten so überzeugt vom FC wie in diesem Jahr.

Hamburger SV
Das gilt leider nicht für den HSV. Am Ende der letzten Saison wirkte es fast so, als würden die Hamburger die Kurve endlich kriegen, aber schon das Pokal-Aus zerstörte jede Zuversicht. Eigentlich scheinen endgültig alle Zeichen auf Abstieg zu stehen – und das, bevor es richtig losgeht. Dass die Öffentlichkeit mittlerweile nur noch Anlässe findet, sich über den HSV lustig zu machen ist bekannt. Ebenso bekannt ist es, dass er trotzdem noch nie abgestiegen ist. Und so wird es aus meiner Sicht – ungeachtet seltsamer Trainer- und Transferpolitik – auch bleiben.

FC Ingolstadt
Als Aufsteiger kann es für Ingolstadt in diesem Jahr nur um den Klassenerhalt gehen. Dass den „Schanzern“ bereits jetzt eine ähnliche Entwicklung wie dem VfL Wolfsburg vorausgesagt wird, ändert nichts an der momentanen Leistungsfähigkeit der Mannschaft. Trotz des Auswärtserfolges in Mainz dürfte der derzeitige Kader nicht im Stande sein, die obere Tabellenhälfte anzugreifen.
Mit viel Glück wird Ingolstadt nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben, genauso gut könnte es aber auch wieder in Richtung zweite Liga gehen.

SV Darmstadt 98
Sie selbst sehen sich als den Außenseiter der Bundesliga-Geschichte schlechthin und tatsächlich gab es selten ein vermeintlich so chancenloses Team wie die „Lilien“. Eigentlich ist damit auch alles zu Darmstadt gesagt, denn das Motto „Du hast keine Chance, also nutze sie“ haben die 98er in den vergangenen Jahren nur zu oft umgesetzt. Und die Serie lässt sich sehen: 3. in der 3. Liga, 2. in der 2. Liga – welcher Platz es wohl in der 1. Liga wird?

Mein persönlicher Tipp für das Saisonende:
1. Bayern München
2. FC Schalke 04
3. VfL Wolfsburg
4. Borussia Dortmund
5. Mönchengladbach
6. Bayer Leverkusen
7.() Eintracht Frankfurt
8. 1.FC Köln
9. TSG Hoffenheim
10. VfB Stuttgart
11. FC Augsburg
12. Hamburger SV
13. Werder Bremen
14. Hertha BSC Berlin
15. FC Ingolstadt
16. SV Darmstadt 98
17. Hannover 96
18. FSV Mainz 05

Autor: Andreas Arens.

Den ersten Teil des Formchecks (Top6-Teams) findet ihr weiter unten.