Champions League 2015/16 – Die Favoriten (Teil 1)
Mit dem Start der Gruppenphase der UEFA Champions League beginnt die Saison nun auch auf internationalem Parkett so richtig. Schafft es der FC Barcelona als erster Verein seinen Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen? Die Chancen stehen nicht schlecht, ist der Kader doch nahezu unverändert geblieben – auch auf Grund der noch bis Ende des Kalenderjahres gültigen Transfersperre. Ob das ein Vor- oder Nachteil für Barca ist, wird die Hinrunde zeigen. Die Konkurrenz wird auf jeden Patzer der Katalanen lauern.
Die größten Titelambitionen hegen, neben dem FC Barcelona, Bayern München und Real Madrid. Außerdem dürften sich in diesem Jahr auch die englischen Teams sowie der französische Meister PSG wieder Hoffnungen machen.
FC Barcelona
Barca ist und bleibt der Top-Favorit auf den Gewinn der Champions League. Der Wundersturm Messi/Suárez/Neymar dürfte kaum an Qualität eingebüßt haben und die Mannschaft ist sehr gut eingespielt. Coach Luís Enrique verfügt außerdem über genug Optionen auf der Bank, um die ein oder andere Verletzung zu kompensieren. Nur im Angriff könnte es etwas eng werden, sollte einer der Topstars längere Zeit ausfallen.
Der deutsche Torhüter Marc-André ter Stegen darf sich wohl auch in diesem Jahr in der „Königsklasse“ beweisen. Wie schon in der vergangenen Saison gibt es im Tor der Katalanen ein Jobsharing mit dem Chilenen Claudio Bravo, der ausschließlich in der Liga zum Einsatz kommen soll, während ter Stegen für den Pokal und die Champions League vorgesehen ist. Nach Bravos Verletzung könnte sich der deutsche Keeper mit herausragenden Leistungen aber vielleicht doch noch den Nummer-Eins-Status sichern.
Die Top-11:
Marc-André ter Stegen/Claudio Bravo;
Dani Alves, Javier Mascherano, Gerard Piqué, Jordi Alba; (E: Thomas Vermaelen)
Andrés Iniesta, Sergio Busquets, Ivan Rakitic; (E: Sergi Roberto)
Lionel Messi, Luis Suárez, Neymar; (E: Rafinha)
Meine Prognose: Noch kein Team konnte seinen Titel in der Champions League verteidigen. Auch dem FC Barcelona wird es in diesem Jahr nicht gelingen. Die Mannschaft hat zwar alle Voraussetzungen dazu, jedoch konnten sich die Konkurrenten ungehindert verstärken. In der Rückrunde dürfen die Katalanen dann auch die Neuverpflichtungen Arda Turan und Aleix Vidal einsetzen und wieder auf dem Transfermarkt aktiv werden, dennoch könnten sich die Abgänge der langjährigen Leistungsträger Xavi und Pedro als schmerzlich erweisen.
In der Gruppenphase dürfte Barca allerdings keine Probleme bekommen, obwohl mit der Roma und Leverkusen durchaus ernstzunehmende Gegner warten. Ich denke Barcelona wird es bis ins Halbfinale schaffen und dann braucht man auch viel Glück. Das könnte in dieser Saison auf Seiten der Gegner liegen.
Bayern München
Zwei Mal in Folge kassierte der deutsche Meister herbe Niederlagen im Halbfinale der Champions League, zwar jeweils gegen den späteren Sieger (2014 Real Madrid, 2015 FC Barcelona), trotzdem gab es im Anschluss viel Kritik. Seit dem Triple 2013 erheben die Bayern ständig Anspruch auf den europäischen Titel. In den vergangenen beiden Jahren ging die Form aber ausgerechnet am Ende der Saison in den Keller.
Das soll sich dieses Jahr ändern, auch deshalb starteten die Bayern eine kleine Transferoffensive: Mit Arturo Vidal und Douglas Costa verpflichtete man zwei Akteure, die dem Bayern-Kader sofort einen Qualitätsschub brachten und auch das entsprechende Geld kosteten. Außerdem kamen in Joshua Kimmich und Kingsley Coman Perspektivspieler, die den Generationswechsel einläuten sollen. Passend dazu wurde Vereins-Ikone Bastian Schweinsteiger nach Manchester transferiert. Ohne das Verletzungspech der vergangenen Jahre hat Bayern den breitesten Kader aller Clubs und darf sich somit zu Recht als Titelanwärter sehen.
Die Top-11:
Manuel Neuer;
Jérôme Boateng, Javi Martínez, David Alaba; (E: Medhi Benatia)
Philipp Lahm, Thiago, Arturo Vidal, Juan Bernat/Douglas Costa; (E: Xabi Alonso)
Arjen Robben, Róbert Lewandowski, Thomas Müller; (E: Mario Götze)
Meine Prognose: Mittlerweile sind die Bayern auf fast jeder Position (qualitativ gleichwertig) doppelt besetzt – wenn alle fit sind. Das Problem der Vergangenheit scheint aber auch in dieser Saison wieder aktuell: Die Rückkehr von Franck Ribéry steht in den Sternen und Arjen Robben ist schon wieder verletzt. Trotzdem funktioniert die Offensive auch mit Thomas Müller, Róbert Lewandowski und Douglas Costa sehr gut.
Coach Guardiola steht in seinem dritten Jahr beim deutschen Rekordmeister schon etwas unter Druck. Neben der vierten Meisterschaft in Folge soll nach Möglichkeit auch der Champions League Titel nach München geholt werden. In der Gruppenphase hat man mit dem Arsenal FC einen recht starken Gegner, während Olympiakos Piräus und Dinamo Zagreb keine große Hürde darstellen dürften. Für Bayern gilt das Gleiche wie für Barca: Spätestens ab dem Halbfinale benötigt man das Glück. Vielleicht haben es die Münchener in diesem Jahr, der Kader ist in jedem Fall stark genug für den Titel.
Real Madrid
Rafa Benítez für Carlo Ancelotti – der Wechsel auf der Trainerbank von Real Madrid verwunderte nicht nur viele Fans, auch einige Experten hinterfragten diese Entscheidung. Benítez ist nicht unbedingt dafür bekannt attraktiveren Fußball spielen zu lassen und sein Renomée reicht auch nicht (mehr) an das seines italienischen Vorgängers heran. Doch Präsident Pérez wollte offensichtlich einen neuen Coach und Benítez war die wohl beste verfügbare Option.
Dennoch gibt es schon Diskussionen. Sein Verhältnis zu Cristiano Ronaldo soll nicht das beste sein und außerdem hat es Real in diesem Sommer nicht geschafft einen Top-Transfer zu landen. Torhüter David de Gea, der die scheidende Vereins-Ikone Iker Casillas ersetzen sollte, wird nach der Wechsel-Posse bei Manchester United bleiben und hat seinen Vertrag jetzt sogar verlängert.
Die Top-11:
Keylor Navas
Daniel Carvajal/Danilo, Raphael Varane, Sergio Ramos, Marcelo (E: Pepe)
Isco, Toni Kroos, Luka Modric (E: Mateo Kovacic)
James Rodríguez, Gareth Bale, Cristiano Ronaldo (E: Karim Benzema)
Meine Prognose: Real hat seinen Kader vor allem in der Breite verstärkt. Auffällig dabei: wenig Aktivitäten in der Offensive. Das – und die Spielweise der ersten Spiele – deuten auf ein etwas defensiveres System hin. Das hinderte Cristiano Ronaldo allerdings nicht daran am Wochenende gleich mal fünf Tore zu erzielen, womit der sich zum besten Liga-Torschützen in der Geschichte von Real Madrid machte. Für seine 230 Treffer benötigte der Portugiese gerade mal gut 200 Partien.
Vielleicht ist eine Saison ohne große Star-Einkäufe gar nicht so schlecht für Real. In den vergangenen Jahren gab es eine recht hohe Fluktuation an Stammspielern, in diesem Jahr nur eine Veränderung auf der Torwartposition. Wenn das Team sein Potenzial ausschöpft, hat Real eine ebenso realistische Titel-Chance wie Bayern und Barcelona. Und auch Trainer Benítez weiß, wie man im Europapokal erfolgreich ist.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 14. September 15
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Abgesehen davon, dass man Tipps zu diesem Zeitpunkt wohl nur mit 15-20%iger Wahrscheinlichkeit unterlegen kann, sehe ich die Dichte an der Spitze auch ausgeglichener. Ich habe mir heute die letzte halbe Stunde vom Real-Spiel angesehen und kann nur meine Abneigung gegen den Benitez-Fußball zum Ausdruck bringen. Real stand noch um einiges tiefer als unter Ancelotti, da wird die Zukunft zeigen, ob reiner Ergebnis-Fußball in Madrid so akzeptiert wird. Mourinho hat da auch seine Erfahrungen gemacht.
Es ist allerdings noch etwas früh in der Saison, da muss man die ersten Härtetests abwarten (Barca-Real, Bayern-Dortmund, Chelsea-City, ManU-Chelsea, Manu-City und die schwereren Gruppengegner in der CL). Tippe grundsätzlich aber eher auf ein Team aus der "zweiten" Reihe für diese Saison.