Die Vize-Könige der Formel 1
Sie haben die Formel 1 in ihren Hoch-Zeiten geprägt und den Fans phasenweise spannende Titel-Duelle geliefert, Weltmeister wurden sie jedoch nie. Fünf Fahrer in der Geschichte der Königsklasse wurden mehrfach Vize-Champion, ohne den Titel zu gewinnen. Zumindest drei von ihnen hätten ohne Zweifel das Zeug zum Weltmeister gehabt.
1. Sir Stirling Moss (England, *1929 in London)
Vizeweltmeister: 4 (1955, '56, '57, '58)
Rennsiege:16 (Quote: 24%)
Pole Positions: 16 (Quote: 24%)
schnellste Runden: 19 (Quote: 29%)
Podestplätze: 24 (36%)
Teams: HWM, Connaught, Cooper, Maserati, Mercedes, Vanwall
Geboren 1929 in London wuchs Sterling Moss in einer motorsportbegeisterten Familie auf. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter und seine Schwester bestritten Autorennen. So erfolgreich wie Sterling war allerdings keiner von ihnen. Im Alter von 21 Jahren – was für damalige Verhältnisse äußerst jung war – nahm er an seinem ersten Formel 1-Rennen teil. Schon 1950 hatte Moss seinen ersten großen Sieg im Motorsport gefeiert. Im Jaguar XK 120 gewann er die RAC Tourist Trophy, dessen Rekordsieger er nach wie vor ist. Das zu dieser Zeit sehr bedeutende Sportwagenrennen entschied Moss auch 1951 (Jaguar), 1955 (Mercedes), 1958, 1959 (jeweils Aston Martin), 1960 und 1961 (jeweils Ferrari) für sich. 1955 führte er Mercedes-Benz zum Titel in der Sportwagen-Weltmeisterschaft, als er neben der Tourist Trophy auch bei den legendären italienischen Klassikern Mille Miglia und Targa Florio (dort gemeinsam mit Peter Collins) gewann. Zusammen mit Peter Walker wurde er 1953 im Jaguar C-Type zudem Zweiter bei den 24 Stunden von Le Mans. 1960 gewann der die 1000 Kilometer vom Nürburgring – gemeinsam mit Dan Gurney – auf Maserati.
Seine erfolgreiche Zeit in der Formel 1 begann 1954 mit dem Wechsel zu Maserati. Trotz des unzuverlässigen Fahrzeugs wurde Moss Dritter beim Großen Preis von Belgien in Spa. Danach wurde er für 1955 von Mercedes verpflichtet. Mit Juan Manuel Fangio hatte er bei dem dominierenden Hersteller jener Jahre den wohl besten Fahrer zum Teamkollegen. Am Ende der Saison reichte es nur zu einem Sieg beim GP von Großbritannien. Dank des überlegenen Fahrzeugs und mehrerer Podestplätze errang er aber seine erste Vizeweltmeisterschaft.
So ging es weiter: Nach dem Rückzug von Mercedes kehrte Moss zunächst zu Maserati zurück. Mit zwei Siegen bei den Klassikern in Monte Carlo und Monza wurde der Brite erneut Zweiter der Gesamtwertung hinter Fangio. Nach Rennsiegen steigerte sich Moss weiter. 1957 gewann er drei Grand Prix', mittlerweile für den britischen Hersteller Vanwall. Dennoch wurde er erneute Vize-Champion hinter Fangio. Nachdem der sich 1958 langsam zurückzog, galt Moss als der kommende Weltmeister. Sein Landsmann Mike Hawthorn machte ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung. Im besten Auto jener Saison, dem Ferrari, errang Hawthorn den Titel. Trotz vier Rennsiegen (sein Rivale gewann nur eins) wurde Moss erneut Zweiter in der Gesamtwertung – mit einem Punkt Rückstand. Nicht nur damals hätten sich viele Motorsportfans den umgekehrten Ausgang gewünscht. Hawthorn galt nicht unbedingt als der beliebteste Fahrer jener Zeit...
1959 kehrte Moss zu seinem ursprünglichen Team Cooper zurück. Das Team revolutionierte mit dessen Mittelmotor-Konzept gerade die Formel 1. Etwas überraschend hatte der Engländer aber keine Chance gegen seinen australischen Teamkollegen Jack Brabham. Moss wurde am Ende Dritter der WM, ebenso wie 1960 (Weltmeister: erneut Brabham auf Cooper-Climax) und 1961 (Weltmeister: Phil Hill vor Wolfgang von Trips/posthum, beide auf Ferrari). In diesen beiden Saisons machte der Altmeister das damalige Privatteam Lotus bekannt, das in den folgenden Jahren zum Top-Rennstall der Formel 1 aufsteigen sollte. Mit dem unterlegenen Fahrzeug konnte Moss vor allem auf den „Fahrerstrecken“ überzeugen. 1960 und 1961 gewann er den GP von Monaco, 1961 zudem in der „Grünen Hölle“ des Nürburgrings. Diese Erfolge brachten ihm den Titel als Sportler des Jahres 1961 in Großbritannien ein.
Im April 1962 verunglückte der „ewige Zweite“ bei einem nationalen Rennen. Nach einem Koma war er zeitweise halbseitig gelähmt und erklärte 1963 endgültig seinen Rücktritt vom aktiven Motorsport. Im Jahr 1999 wurde er von der Queen zum Sir gekürt. Seit dem Tod von Jack Brabham im Jahre 2014 ist Stirling Moss der älteste noch lebende Grand Prix-Sieger.
2. Nico Rosberg (Deutschland/Monaco, *1985 in Wiesbaden)
Vizeweltmeister: 2 (2014, 2015)
Rennsiege: 14 (Quote: 8%)
Pole Positions: 22 (Quote: 12%)
schnellste Runden: 14 (Quote: 8%)
Podestplätze: 41 (Quote: 22%)
Teams: Williams, Mercedes
Er ist der einzige Teamkollege, dem Michael Schumacher nicht gewachsen war. Der erfolgreichste Formel 1-Fahrer aller Zeiten war im Herbst seiner Karriere zwar nicht mehr auf dem Höhepunkt seines Schaffens, dennoch darf sich Nico Rosberg ans Revers heften, den Rekordweltmeister drei Jahre in Folge geschlagen zu haben. Auch einen offiziellen Rekord hat der Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg inne: er ist der jüngste Fahrer der Geschichte, der je die schnellste Rennrunde gefahren ist. Dies gelang ihm im ersten Formel 1-Rennen seiner Karriere 2006 in Bahrain. Das schafften, außer ihm, nur Jacques Villeneuve (1996), Masahiro Hasemi (in seinem einzigen Rennen 1976) und Dr. Nino Farina (im ersten WM-Lauf überhaupt 1950).
Der gebürtige Wiesbadener, Sohn einer deutschen Mutter und des Finnen Keke, wuchs in Monte Carlo auf. Hier lebt der für Deutschland startende Pilot nach wie vor. In Jugend-Zeiten startete er unter monegassischer Flagge und hätte auch für Finnland antreten können. Am Ende entschied er sich allerdings für Deutschland. Schon früh galt Rosberg als großes Talent und musste sich immer wieder mit Lewis Hamilton auseinander setzen. In dieser Zeit entwickelte sich, neben einer gesunden Rivalität, auch eine Art Freundschaft, die sich zuletzt allerdings in Wohlgefallen auflöste.
2005 wurde Nico Rosberg der erste Sieger der neugegründeten GP2-Serie, dem Unterbau der Formel 1. Im selben Jahr wurde er auch zum ADAC Junior-Motorsportler der Saison gewählt. Rosberg galt als DAS Talent im Formel-Sport. 2006 verpflichtete ihn das Formel 1-Team Williams. Zu dieser Zeit fuhr der britische Traditionsrennstall allerdings nur hinterher. Dennoch blieb der Jungspund der Crew um Frank Williams treu. In seinem ersten Jahr in der Königsklasse fuhr Rosberg, neben der schnellsten Runde beim Auftakt in Bahrain, zwei Mal in die Punkte und sammelte insgesamt vier Zähler. 2007 schlug der Deutsche seinen österreichischen Teamkollegen Alexander Wurz, dank einer starken zweiten Saisonhälfte, mit 20 zu 13 Punkten. Das bedeutete Rang neun in der Fahrerwertung. Im Qualifying musste sich Rosberg seinem Stallgefährten nur einmal geschlagen geben.
Im Jahr 2008 feierte der Monegasse seine ersten Podestplatzierungen, beide auf Straßenkursen: Er wurde Dritter in Melbourne und Zweiter in Singapur. Beim Grand Prix in Asien landete Rosberg hinter Fernando Alonso, der von einem vorsätzlichen Unfall seines Teamkollegen Nelson Piquet jr. profitierte. Somit konnte sich Rosberg als moralischer Sieger der Formel-1-Premiere von Singapur fühlen. Am Ende des Jahres wurde der Wiesbadener 13. der Fahrerwertung. Seinen Stallgefährten Kazuki Nakajima schlug er mit 17 zu neun Punkten. In seiner letzten Saison für Williams, 2009, holte Rosberg das Maximum aus dem unterlegenen Auto heraus. In elf von 17 Rennen erreichte er die Punkteränge, Mitte des Jahres holte er sich in acht aufeinanderfolgenden Großen Preisen Zählbares. Mit 34,5 zu 0 (!) Punkten war der Deutsche Nakajima haushoch überlegen.
Das Talent Rosbergs war mittlerweile der gesamten Formel 1 offensichtlich geworden. Nachdem in seiner Williams-Zeit immer wieder Gerüchte über einen Wechsel zu McLaren laut geworden waren, wurde Rosberg Ende 2009 vom frischegebackenen Weltmeister-Team Brawn-Mercedes verpflichtet. Kurze Zeit später gab Mercedes bekannt, den Rennstall zu übernehmen, der von da an als Mercedes AMG fimierte. Als Teamkollegen bekam der noch recht unerfahrene Deutsche seinen Landsmann Michael Schumacher an die Seite gestellt. Der Rekordweltmeister feierte in der Crew um seinen ehemaligen Intimus Ross Brawn ein Comeback. Seinem jungen Stallgefährten war Schumi jedoch in allen drei Jahren bei Mercedes nicht gewachsen. 2010 fuhr Rosberg die einzigen drei Podiumsplätze für das Team heraus und schlug Schumacher deutlich mit 142 zu 72 Punkten. Für den Monegassen bedeutete das erneut den siebten Gesamtrang.
Diesen erreichte er auch 2011, als er Schumacher mit 89 zu 76 Punkten wesentlich knapper in die Schranken wies. Insgesamt war das Jahr enttäuschend für Mercedes: Kein Podest und eine schlechtere Punkte-Ausbeute als im Premierenjahr. 2012 konnte der deutsche Rennstall zumindest in den Qualifyings seinen Speed unter Beweis stellen. In China holte Rosberg sich die erste Pole Position seiner Karriere und die erste für das Team. Im folgendem Rennen, dem 111. seiner Formel-1-Laufbahn, siegte der Wiesbadener ungefährdet. Bei seinem Heim-GP in Monaco wurde Rosberg Zweiter. Schnellste Rennrunden gelangen ihm auf dem Stadtkurs in Valencia und in Monza. Das Duell gegen Schumacher entschied er mit 93 zu 49 Punkten erneut für sich. Trotz der verbesserten persönlichen Bilanz belegte Rosberg am Ende nur den neunten Gesamtrang.
Nach dem Rücktritt von Michael Schumacher wurde Rosbergs Buddy aus Jugendtagen, Lewis Hamilton, von Mercedes verpflichtet. Für viele Experten hatten die Silberpfeile damit das stärkste Fahrerduo der Formel 1 zur Verfügung. Und diesem Ruf wurden die beiden durchaus gerecht. In der Konstrukteurswertung 2013 verbesserte sich Mercedes auf den zweiten Platz hinter den unschlagbaren Red Bulls. Und das, obwohl in der Fahrerwertung „nur“ die Ränge vier (Hamilton) und sechs (Rosberg) heraussprangen. Mit dem deutlich konkurrenzfähigerem Mercedes hatte Rosberg die bis dahin beste Saison seiner Karriere. In Bahrain, Barcelona und Monte Carlo stand er drei Mal in Folge auf der Pole. In Monte Carlo gelang ihm dann auch der Sieg, ebenso wie in Silverstone. Hamilton feierte in jenem Jahr hingegen nur einen Erfolg, stand aber fünf Mal auf Pole.
2014 machte Mercedes dann den nächsten Schritt nach vorne und wurde zum dominierenden Team der nächsten beiden Jahre. Nur Hamilton oder Rosberg führten die WM-Wertung in diesen zwei Saisons an. 23 Doppelsiege sowie sage und schreibe 36 Pole Positions in 38 Rennen sprechen eine eindeutige Sprache. 18 dieser Poles holte sich Rosberg, 18 Hamilton. In den Rennen war die Statistik allerdings nicht mehr ganz so ausgeglichen. Am Ende entschieden oft Kleinigkeiten, meist zu Gunsten von Hamilton. Sein deutscher Teamkollege hatte auch nicht immer das nötige Glück, um zumindest einen der beiden Fahrertitel zu erringen. Immerhin feierte Rosberg zwei weitere Siege beim Heimrennen in Monte Carlo, dem Klassiker der Formel 1 überhaupt. Damit gelang dem gebürtigen Wiesbadener etwas Außergewöhnliches: drei Erfolge in Serie beim Grand Prix von Monaco. Und auch sonst hatte Rosberg 2014 und 2015 durchaus weltmeisterliche Werte aufzuweisen: elf Siege (fünf 2014, sechs 2015), 17 zweite Plätze (zehn 2014, sieben 2015) und 2015 außerdem noch zwei dritte Ränge.
Nebeneffekt des WM-Kampfes zwischen Hamilton und Rosberg war eine Änderung im persönlichen Verhältnis. Aus einer gesunden Rivalität der beiden ehemaligen Jugendfreunde wurde ein erbitterter teaminterner Zwist. Schließlich führte dieser so weit, dass sich die Stallgefärten auf dem Podium nicht mehr die Hand gaben und sich teilweise keines Blickes würdigten. Auch Aussagen übereinander legen ein mittlerweile äußerst schwieriges Verhätnis nahe.
In der Saison 2014 hatte es tatsächlich längere Zeit so ausgesehen, als könne sich Rosberg die Krone der Königsklasse aufsetzen. Mit elf Pole Positions hatte er Hamilton im Qualifying (das zuvor als dessen Stärke galt) im Griff. Erst sechs Rennen vor Schluss musste Rosberg die Führung in der Fahrer-Wertung an seinen britischen Teamkollegen abgeben. Der Monegasse hätte Hamilton schon Mitte der Saison den Zahn ziehen können, doch eigene Fehler verhinderten eine Vorentscheidung. Das entscheidende Rennen war dabei vielleicht der Grand Prix von Belgien in Spa, als Rosberg der eindeutig schnellste Mann auf der Strecke war, den Sieg aber dennoch herschenkte. In jenem Jahr war der Deutsche nicht in der Lage, Fehler seines Stallgefährten richtig auszunutzen, das wäre seine Chance gewesen. Denn in den Rennen war Hamilton meist der Schnellere.
Das änderte sich 2015. In dieser Saison stand Hamilton zwar häufiger auf der Pole, hätte Rosberg jedoch nicht oft einen schlechten Start erwischt und kein solches Pech in einigen Rennen (zum Beispiel in Sotschi) gehabt, wäre der Wiesbadener mit dem Weltmeister auf Augenhöhe gewesen. So aber verteidigte Hamilton seinen Titel vorzeitig. Dann aber drehte Rosberg auf. Sechs Poles und drei Siege in Folge zum Abschluss der Saison zeigten seinen Speed eindrucksvoll. Zu spät, um sich erstmals zum Weltmeister zu krönen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden...
3. Ronnie Peterson (Schweden, *1944 in Örebro)
Vizeweltmeister: 2 (1971, 1978)
Rennsiege: 10 (Quote: 8%)
Pole Positions: 14 (Quote: 11%)
schnellste Runden: 9 (Quote: 7%)
Podestplätze: 26 (Quote: 21%)
Teams: March, Lotus, Tyrrell
Neben der Formel 1 bewies Ronnie Peterson auch in anderen Rennserien sein Talent. Im Kartsport wurde er schwedischer Meister (1963) und Europameister (1966). 1968 und 1969 wurde er schwedischer Meister der Formel 3. 1971 errang Peterson den offiziellen Titel der Formel-2-Europameisterschaft, in der auch viele Formel-1-Fahrer am Start waren. Schon 1970 war er auch in der Automobil-Weltmeisterschaft unterwegs und stellte auch da schnell sein Talent unter Beweis. Zwischen 1969 und 1972 gelangen dem Schweden auch einige Erfolge in Sportwagen-Rennen. Von 1972 bis 1977 feierte er Siege in Tourenwagen, unter anderem an der Seite von Hans-Joachim Stuck. Bekannt wurde Peterson aber durch seine Auftritte in der Formel 1.
Der Schwede debütierte 1970 beim Großen Preis von Monaco. Trotz geringer Erfolge überzeugte Peterson mit seiner Fahrweise und wechselte 1971 zu Werksteam von March-Ford(-Cosworth). Sein Teamkollege war dort unter anderem Niki Lauda (in dessen erster Saison). Beim GP von Monaco feierte Peterson mit Rang zwei seine erste Podiumsplatzierung. Im engsten Zieleinlauf der Geschichte der Formel 1 wiederholte er dieses Resultat beim Grand Prix in Monza. Danach folgten ein weiterer zweiter Platz in Kanada und ein dritter in den USA. Diese Ergebnisse reichten für den Vizetitel hinter Jackie Stewart.1972, erneut an der Seite von Lauda, wurde der Schwede Dritter beim Großen Preis von Deutschland.
Danach wechselte Peterson zu Lotus. Hier fuhr er zusammen mit dem amtierenden Weltmeister Emerson Fittipaldi. Im schnellsten Fahrzeug des Jahres 1973 gelangen Peterson in den ersten drei Rennen fünf Pole Positions. Bei vier Ausfällen konnte er aber erst beim sechsten GP, in Monaco, den ersten Podestplatz erreichen. Eine weitere Pole in Schweden und der erste Karrieresieg in Frankreich belegten, dass der Newcomer dem Champion Fittipaldi in nichts nachstand. Am Ende der Saison war Peterson dem Titelverteidiger sogar überlegen. Es folgten drei weitere Siege, was am Ende Rang drei in der Fahrer-WM bedeutete. In den 15 WM-Läufen standen schließlich neun Pole Positions, vier Rennsiege, insgesamt sieben Podiumsplatzierungen und zwei schnellste Runden in der Statistik. Wäre der Schwede nicht so oft ausgefallen, hätte er den dritten WM-Titel von Jackie Stewart verhindern können.
Obwohl Fittipaldi in der Gesamtwertung 1973 knapp vor Peterson gelandet war, setzte Lotus für die Zukunft auf den Skandinavier. Der Brasilianer wechselte daraufhin 1974 zu McLaren, wo er zum zweiten Mal Weltmeister wurde. In jenem Jahr fiel Lotus auf den vierten Platz der Konstrukteurswertung zurück, Peterson wurde mit drei Siegen (einer davon in Monte Carlo) und einem dritten Rang aber immerhin Fünfter der Fahrer-WM. 1975 musste Lotus weiterhin auf den veralteten „72“ zurückgreifen, was gute Platzierungen verhinderte. Mit neuem Fahrzeug und neuem Teamkollegen (an Stelle von Jacky Ickx kam Mario Andretti) sollte 1976 alles besser werden. Aber weit gefehlt: Die bereits im Vorjahr aufgekommenen Spannung mit Teamchef Colin Chapman führten nach einer Kollision mit dem Stallgefährten Andretti zum Rauswurf von Peterson. Der kehrte zu March zurück und gewann überraschend den Grand Prix von Italien.
1977 erfolgte der Wechsel zu Tyrrell, das seit 1976 mit einem sechsrädrigen Fahrzeug am Start war. Der extrem hohe Reifenverschleiß und Zuverlässigkeitsprobleme verhinderten mehr als einen Podestplatz. 1978 dann die Rückkehr zu Lotus. Chapman und Peterson einigten sich auf einen Vertrag, der dem Schweden den eindeutigen Status als Nummer-zwei-Fahrer hinter Mario Andretti zuwies. Folglich durfte Peterson nur dann siegen, wenn Andretti ausfiel oder keine Chance auf den Erfolg hatte. Bis zum GP von Italien in Monza standen sieben Doppelsiege für den britischen Rennstall zu Buche, wobei die Nummer zwei im Team immer wieder bewies, dass sie bei gleichen Voraussetzungen mehr als zwei Rennen hätte gewinnen können. Auch deshalb bekam Peterson das Angebot von McLaren, 1979 als Nummer-Eins-Fahrer antreten zu dürfen.
Doch dazu kam es nicht mehr. Zwölf Punkte lag der Skandinavier hinter Andretti, die Presse forderte ein Ende der Stallorder. Nur ein Sieg hätte Peterson im WM-Kampf gehalten. Nachdem er seinen Lotus 79 zerstört hatte, musste der Schwede das Rennen im alten Lotus 78 starten. In der Startphase kam es zu einem Horrorunfall: Bei einer Geschwindigkeit von über 200 km/h drängte Riccardo Patrese James Hunt ab, der darufhin Petersons rechtes Hinterrad touchierte. Dieser krachte frontal in die Leitplanke und der Tank entzündete sich. In der folgenden Massenkarambolage fuhr Vittorio Brambilla in den brennenden Lotus, der dann in die gegenüberliegende Leitplanke geschleudert wurde und erst auf der Fahrbahn zum Stehen kam. Peterson war bei Bewusstsein, konnte seinen Gurt öffnen sich aber auf Grund von Beinbrüchen und der Deformation des Wagens nicht aus dem Cockpit befreien. James Hunt, Clay Regazzoni, Patrick Depailler und Niki Lauda eilten zur Hilfe.
Erst 50 Minuten nach dem Unfall konnte Peterson mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gefolgen werden. Eine akute Lebensgefahr bestand nach Angaben der Ärzte nicht. Einer Amputation des rechten Beins widerstrebte sich der Schwede, der nach Prognosen der Chirurgen in sechs Monaten wieder Rennen fahren könne. Im Laufe eines operativen Eingriffs verschlechtete sich Peterson Zustand plötzlich rapide. Er erlitt eine Fettembolie und verstarb am 11. September 1978. Bei der Trauerfeier trugen seine Fahrerkollegen Hunt (der für seine Rettungsaktion mit dem goldenen Schild ausgezeichnet wurde), Lauda, Fittipaldi, Nilsson, Scheckter und Wilson.
Ronnie Peterson wurde nicht unbedingt auf Grund seiner Ergebnisse zu einer Formel-1-Legende. Sein Fahrstil, der ihn zu überraschenden Erfolgen in unterlegenen Fahrzeugen führte, aber auch zu einigen Ausfälle in überlegenen Autos führte, machte ihn sehr beliebt bei den Fans.
sportzumsonntag am 08. Januar 16
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