Doch noch das Double für die Bayern
Trotz Pokal-Aus und dem nahen Ende in der Champions League durfte Bayern München am Sonntag doch noch einen zweiten Titel in dieser Saison bejubeln. Es ist ein ganz besonderes Double, denn nicht nur die ruhmreiche Männermannschaft sicherte sich in diesem Jahr den Liga-Titel, auch die Damenmannschaft darf sich nun deutscher Meister nennen.
Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Verein diesen Titel im gleichen Jahr sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen erreicht. Die Damen gestalteten das Ganze dann allerdings doch etwas spannender und enger, als die Herren. Dennoch haben sie ihren männlichen Vereinskollegen Eines voraus: sie beendeten ihre Bundesliga-Saison ohne Niederlage. Deshalb geht der Titel in diesem Jahr auch verdient nach München, das die höher eingeschätzte Konkurrenz aus Wolfsburg, Frankfurt und Potsdam am Ende hinter sich ließ.
Für die Frauen des FC Bayern ist es erst die zweite Meisterschaft nach 1976, als die Profis zwar den Europapokal der Landesmeister gewannen, in der Bundesliga aber weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Bis 1990 war die Münchener Damenmannschaft immerhin relativ konstant in der erweiterten Spitze ihrer Sportart zu finden. Danach verpasste man die nun einsetzende Professionalisierung und verschwand von der Bildfläche des Frauenfußballs – erst seit Ende der 2000er Jahre spielt Bayern München wieder eine bedeutendere Rolle. Seitdem hat man sich konstant zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den 1.FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und zuletzt auch dem VfL Wolfsburg entwickelt.
Trotzdem startete man lediglich mit Außenseiter-Chancen in die Saison 2014/15. Mit Julia Simic wechselte 2013 die Spielmacherin nach Potsdam (mittlerweile spielt sie für Wolfsburg), 2014 verabschiedete sich Torhüterin Kathrin Längert nach Schweden, man hatte gleich zu Beginn mit Verletzungssorgen (insbesondere Lena Lotzen) zu kämpfen und im Winter verließ in Amber Brooks – die plangemäß in die US-Profiliga zurückkehrte – eine weitere wichtige Spielerin den Verein.
Mit der Rückkehr von Melanie Behringer und den Neuzugängen der finnischen Torhüterin Korpela, der niederländischen Sturm-Hoffnung Vivianne Miedema sowie der Verpflichtung von Jung-Nationalspielerin Melanie Leupolz konnten diese Verluste mehr als nur aufgefangen werden. Am Ende verloren die Münchnerinnen nicht ein einziges Spiel, gegen Wolfsburg gab es zwei Unentschieden, gegen Frankfurt einen Auswärtssieg und ein Remis – gegen Potsdam sogar zwei Erfolge. Die anderen beiden Unentschieden (fünf insgesamt, bei 17 Siegen) musste man beim Fünften aus Essen und dem Absteiger aus Duisburg hinnehmen. Obwohl am diese unnötigen Punktverluste hinnehmen musste, verabschiedete man sich vom Problem der letzten Jahre: Punktverluste und schwache Spiele gegen schwächere Gegner. So setzten sich die bayrischen Damen, trotz eines nicht ganz so überragendes Torverhältnisses (56:7), am letzten Spieltag gegen die Tormaschinen aus Wolfsburg (67:4) und Frankfurt (74:19) durch. Diese beiden Gegner trafen sich zum „Final-Showdown“ in Frankfurt: Das 1:1 zwischen Pokalsieger Wolfsburg und Champions-League-Finalist Frankfurt bedeutete den Titelgewinn für die Münchnerinnen, die Essen zu Hause 2:0 schlugen. Damit hatte Bayern am Ende einen Punkt Vorsprung auf den VfL und drei auf Frankfurt.
Obwohl Bayern München im Frauen-Fußball bisher einen Underdog-Status eingenommen hat, wurden einige deutsche Meister insvorläufige WM-Aufgebot berufen: Abwehrspielerin Leonie Maier und Kapitänin Melanie Behringer dürften Stammplatz-Ansprüche anmelden, während Melanie Leupolz und Rekonvaleszentin Lena Lotzen berechtigte Hoffnungen auf einen endgültigen Kaderplatz hegen. Für die kommenden Jahre dürfte Bayern auch ganz gut aufgestellt sein. Mit den deutschen Nationalspierinnen Maier, Leupolz und Lotzen – in der nächsten Saison kommt auch Sara Däbritz hinzu – und dem niederländische Jungstar Vivianne Miedema verfügen die Münchenerinnen über etliche vielversprechende Talente. Auch Thomas Wöhrle, der dieses Team als Trainer geformt hat und 2012 bereits den DFB-Pokal mit den Münchenerinnen gewann, hat bewiesen, dass er der junge Spielerinnen weiterentwickeln kann.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 12. Mai 15
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Spieltag 28 – Der HSV vor dem Untergang
52 Jahre lang spielte der Hamburger SV ununterbrochen in der 1. Bundesliga, doch nun scheint die Zeit für den erstmaligen Abstieg gekommen. Mittlerweile ist der HSV Tabellenletzter und tritt spätestens seit dem jüngsten Trainerwechsel eben wie ein solcher auf. Auch die Zahlen sind eindeutig: magere 16 Tore in 28 Spielen – eine solche Sturmflaute gab es in Hamburg noch nie. Um den Verein herum herrscht schon seit längerem Untergangsstimmung. Den ruhmreichen HSV scheint endgültig nichts mehr retten zu können.
Ein Glücksfall könnte das für andere Abstiegskandidaten werden. Der SC Paderborn zum Beispiel feierte am Wochenende den ersten Heimsieg seit fast einem halben Jahr und findet sich schon auf einem Relegationsplatz wieder. Der krasse Außenseiter könnte sich so das nötige Selbstvertrauen für einen realistisch möglichen Klassenerhalt geholt haben. Auch der VfB Stuttgart scheint so langsam wieder in Form zu kommen. Deshalb bleibt es im Abstiegskampf wohl bis zuletzt spannend. Selbst der Tabellen-Zehnte Borussia Dortmund ist mit seinen 33 Punkten sechs Spieltage vor Schluss noch nicht gerettet. Auf der anderen Seite ist für den 12. der Bundesliga Hertha BSC, ebenfalls mit 33 Punkten, auch noch die Europa-League drin, insbesondere wenn der Tabellen-Siebte auch startberechtigt sein sollte.
Zwischen den Rängen 5 und 18 sind also noch viele Verschiebungen möglich, während die Spitzenplätze fest verteilt scheinen. Bayern München führt die Tabelle trotz enormen Verletzungsproblemen souverän mit zehn Punkten Vorsprung an. Dahinter sollte der VfL Wolfsburg den zweiten Platz belegen. Lediglich der Kampf um den letzten festen Champions League-Rang zwischen Mönchengladbach und Leverkusen verspricht noch Spannung. In der Rückrunde präsentieren sich die beiden rheinischen Teams meist in sehr guter Verfassung und haben auch gezeigt (ebenso wie Wolfsburg), dass Bayern durchaus ernstzunehmende Konkurrenz im eigenen Land hat.
Die Teams dahinter liefern sich dagegen eher ein Schneckenrennen. Schalke und Augsburg, zur Zeit (noch) auf den Europa-League Plätzen, spielen bisher eine ziemlich schwache Rückrunde und auch die folgenden Mannschaften können nicht durch Konstanz überzeugen. Deshalb könnten die Revier-Clubs Dortmund und Schalke ihre Saison mit einer Europacup-Teilnahme noch halbwegs retten. Dazu müssen diese Teams ihre Leistung aber mal wieder etwas häufiger auf den Platz bringen als zuletzt.
Auch im Abstiegskampf ist noch alles offen. Den schlechtesten Trend weisen momentan die Nordvereine aus Hannover und Hamburg auf. Es wirkt, als ob es diesen Mannschaften derzeit nicht möglich ist, ein Spiel zu gewinnen. Gerade die Hamburger zeigen sich seit einigen Wochen so verunsichert, dass ein Nichtabstieg schwer vorstellbar ist. Dem vielleicht traditionsreichsten Verein Deutschlands droht damit der erstmalige Absturz in die Zweitklassigkeit.
Seit dem Ende des ersten Weltkriegs war der Hamburger SV acht Jahrzehnte fast ununterbrochen einer der „großen“ Vereine in Deutschland. In den 1960ern, -70ern und -80ern gehörte der Verein sogar zur Spitzenklasse in Europa. Aber in den darauffolgenden Jahren durchlebte dieser Klub mehr Tiefen als Höhen. Den letzten Titel gab es 1987, seitdem sind Topplatzierungen eher die Ausnahme. In den 2000ern schien es nochmal so, als könne der HSV wieder zu einem international ambitionierten Verein werden, doch auch diese Zeiten scheinen schon wieder ganz weit weg. Anspruch und Wirklichkeit passen schon seit Jahren nicht mehr zusammen in Hamburg. Vielleicht ist der Abstieg sogar die einzige Chance für einen richtigen Neuanfang; auf der anderen Seite prophezeien dem HSV beim Abstieg Einige den kompletten Untergang - das wäre sehr schade um einen Verein der, wie kein anderer in Deutschland, eigentlich das Potenzial hätte mit Bayern München zu konkurrieren.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 12. April 15
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Halbzeitbilanz zur EM-Qualifikation
Der Weltmeister auf Abwegen, der Europameister mit Problemen und der WM-Dritte in argen Nöten: Die erste Hälfte der EM-Qualifikation lief für die Favoriten nicht unbedingt wunschgemäß. Aufgetrumpft haben dagegen bisher die britischen Teams. England ist mit fünf Siegen aus fünf Spielen bei einem Torverhältnis von 15:1 das erfolgreichste Team überhaupt. Nordirland und Wales liegen zwar jeweils „nur“ auf Platz zwei ihrer Gruppen, konnten sich damit aber eine gute Ausgangsposition für die jeweils erste EM-Teilnahme überhaupt erarbeiten. Auch Schottland und Irland (beide in der deutschen Gruppe) haben noch realistische Qualifikationschancen.
Für den Weltmeister läuft es hingegen noch nicht rund. Zehn Punkte aus fünf Spielen sind eigentlich zu wenig für die Ansprüche eines absoluten Topteams. Trotzdem sollte die DFB-Elf sich am Ende für die EM qualifizieren; Polen, Schottland und Irland haben eigentlich nicht das Niveau, um Deutschland auf Platz vier zu verweisen (die ersten Beiden sind sicher durch, der Dritte hat die Chance über die Playoffs). Allerdings sollte der Weltmeister seine Aufgaben schon ernst nehmen, sonst könnte es doch noch ein böses Erwachen geben.
Ähnlich sieht die Situation für Spanien aus, das in seiner Gruppe derzeit „nur“ den zweiten Rang belegt. Mit acht Punkten Vorsprung auf den Vierten besteht beim Europameister aber keine akute Gefahr zu scheitern. Spannung verspricht hingegen die Gruppe B, in der noch fünf Teams Chancen auf die ersten drei Plätze haben. EM-Mitfavorit Belgien und Wales stehen mit jeweils 11 Punkten an der Spitze, dahinter befindet sich Israel (neun Punkte), das allerdings die beiden Heimspiele in dieser Woche gegen die Spitzenreiter verloren und die glänzende Ausgangsposition für eine erstmalige EM-Teilnahme verspielt hat. Jetzt muss es sogar um den dritten Rang fürchten, denn WM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowina (mit fünf Punkten zur Zeit nur Fünfter) scheint wieder etwas besser in Tritt zu kommen. Auch Zypern (sechs Punkte) hat theoretisch noch Chancen, dürfte es aber angesichts der Konkurrenz schwer haben sich für Frankreich 2016 zu qualifizieren.
Überraschend viele Probleme haben die Niederländer in der Gruppe A. Sechs beziehungsweise fünf Punkte Rückstand auf die direkten Qualifikationsplätze, die von Tschechien und Island eingenommen werden, lässt Oranje ernsthaft um die EM-Teilnahme bangen. Da man auch nur zwei Punkte Vorsprung auf die Türkei aufweist, muss man sogar um den dritten Rang in der Gruppe fürchten. Auch in einigen anderen Gruppen gibt es Überraschungen zu verzeichnen. Österreich ist souveräner Spitzenreiter der Gruppe G und hat schon acht Punkte Vorsprung auf den eigentlichen Favoriten Russland, der den dritten Platz belegt. Der „Gruppenkopf“ der Gruppe F, Griechenland, ist mit mageren zwei Punkten sogar Letzter seiner Staffel hinter den Färöern. Rumänien, Nordirland und Ungarn sollten hier die Startplätze untereinander ausmachen.
In den übrigen Gruppen läuft es einigermaßen erwartungsgemäß, so dürften England und Italien keine größeren Probleme haben, sich für die Europameisterschaft zu qualifizieren, die 2016 erstmals mit 24 Teilnehmern ausgespielt wird. Nach derzeitigem Stand würden mindestens vier Nationen (Island, Wales, Nordirland, Slowakei, eventuell auch Israel und/oder Albanien) ihre Premiere bei einer EM feiern. In vielen Gruppen bleibt es aber spannend im Rennen um die 23 Startplätze neben Gastgeber Frankreich. Erfahrungsgemäß werden bei einem solchen Turnier die Leistungen der Qualifikation kaum noch eine Rolle spielen.
Sollten sich die erwarteten Mannschaften qualifizieren, gibt es 2016 wieder einen großen Favoritenkreis. Ganz oben auf meiner Liste stehen Titelverteidiger Spanien, Weltmeister Deutschland, Gastgeber Frankreich und Belgien, das als aktuell Vierter der FIFA-Weltrangliste endgültig wieder eine Top-Nationalmannschaft stellt und über zahlreiche entwicklungsfähige Spieler verfügt. Im erweiterten Kreis dürften sich die üblichen Verdächtigen befinden: Portugal, England, Italien, Kroatien, eventuell die Niederlande. Wenn Wales sich qualifiziert traue ich diesem Team eine Überraschung zu.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 01. April 15
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Europacup-Bilanz: Desaster für die Premier League
Mit sechs Teilnehmern war die deutsche Bundesliga hoffnungsfroh in die K.O.-Runde der diesjährigen Europapokal-Wettbewerbe gestartet – lediglich zwei von ihnen schafften den Sprung ins Viertelfinale. Während Borussia Mönchengladbach bereits im „Sechzehntelfinale“ der Europa-League die Segel streichen musste, überstand der VfL Wolfsburg beide K.O-Runden überzeugend. Ähnlich souverän meisterte der FC Bayern seine Aufgabe im Achtelfinale der Champions League, während die drei westdeutschen Vertreter mehr (Leverkusen und Schalke) oder weniger (Dortmund) unglücklich scheiterten.
Dennoch ist die erzielte Gesamtpunktzahl der deutschen Clubs schon jetzt (15,0) besser als im gesamten Vorjahr (14,714). Bayern und Wolfsburg ist es durchaus zuzutrauen die Ausbeute noch weiter zu steigern, obwohl der VfL mit dem SSC Napoli einen harten Gegner für das Viertelfinale zugelost bekam. Bayern München muss sich auf dem Weg nach Berlin als nächstes mit dem FC Porto auseinandersetzen. Bei dieser Begegnung werden Erinnerungen an das Finale im Europapokal der Landesmeister 1986/87 wach, als der Favorit aus München im Wiener Praterstadion auf Porto traf. Der Algerier Rabah Madjer bescherten den Portugiesen mit einem Hackentor und einer Torvorbereitung einen überraschenden 2:1-Sieg und stürzte die Bayern in ein 10-jähriges europäisches Trauma.
Keine Chance ihre Punktzahl zu verbessern haben die Clubs aus der British Premier League. Keiner der insgesamt sieben Vertreter in Champions- und Europa-League erreichte das Viertelfinale, womit für England in dieser Saison nur 13,571 Punkte in der UEFA-Fünfjahreswertung notiert werden. Das ist der schlechteste Wert seit vielen Jahren für eine Liga, die Spielzeit für Spielzeit das meiste Geld in Spielergehälter und Ablösen steckt. Trotzdem ist seit etwa vier Jahren eine Negativtendenz in den europäischen Wettbewerben zu beobachten, die in dieser Saison besonders offensichtlich wird. Dass kein einziger Club aus der finanzstärksten Liga der Welt im Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs steht, hatte es vorher noch nicht gegeben – die Premier League wurde erst 1992/93 gegründet, vorher war die First Division die höchste englische Spielklasse.
Das Maß der Dinge bleibt die Primera División, auch wenn in diesem Jahr „nur“ 4 spanische Teams im Viertelfinale stehen. In der Champions League treffen die beiden Madrider Vereine, Real und Atlético, nun im direkten Duell aufeinander, womit es für Spanien unmöglich sein sollte, die Ausbeute der Vorsaison (unglaubliche 23,0 Punkte) zu erreichen. Trotzdem thront „La Liga“ unangefochten an der Spitze der UEFA-Fünfjahreswertung: mit circa 16 Punkten beträgt der Vorsprung auf den Zweiten derzeit quasi eine komplette europäische Spielzeit.
Dahinter ist das Rennen um den zweiten Platz aber spannend. Wenn es gut läuft könnte die deutsche Bundesliga England noch heuer von dieser Position verdrängen.* Auch Italien, das in dieser Saison aktuell die zweitmeisten Punkte (16,166) geholt hat, könnte in den kommenden Jahren wieder einen der ersten drei Plätze angreifen, was einen Champions League-Platz mehr bedeuten würde. Juventus, Napoli und die Fiorentina haben in dieser Spielzeit noch die Chance, die Ausgangslage für die Serie A weiter zu verbessern.
Insgesamt lieferte die erste Phase der K.O-Runden durchaus überraschende Ergebnisse, Sensationen blieben aber letztlich aus. Das Ausscheiden gleich aller englischen Clubs kam allerdings unerwartet und kann für die Premier League als desaströs bezeichnet werden. Nicht ganz unbeteiligt daran war Dynamo Kiew, das mit dem Everton FC den letzten verbliebenen britischen Verein ausschaltete. Im Viertelfinale der Europa-League stehen damit zwei ukrainische Mannschaften, denn auch Dnipro Dnipropetrovsk schaffte den Einzug in die nächste Runde – nach Verlängerung gegen den AFC Ajax. Ähnlich überraschend ist es, dass mit dem AS Monaco und Paris St. Germain gleich zwei französische Teams im Viertelfinale der Champions League stehen. Sie setzten sich gegen die beiden Londoner Clubs Arsenal und Chelsea durch – ein weiterer Tiefschlag für die Premier League.
Autor: Andreas Arens.
Anmerkung:
*Die Bundesliga muss dazu noch mindestens 1,833 Punkte in der laufenden Spielzeit sammeln. Die Punkte der UEFA-Fünfjahreswertung errechnen sich folgendermaßen: Pro Sieg werden zwei, pro Remis ein Zähler addiert, hinzu kommen Sonderpunkte für das Erreichen der nächsten Runde. Diese Punktzahl wird durch die Anzahl an Teams dividiert, welche für den jeweiligen Verband antreten. Aus der Bundesliga waren in dieser Saison sieben Clubs am Start, weshalb alle von Wolfsburg und Bayern München erzielten Punkte durch sieben geteilt werden müssen. Ein kleines Rechenbeispiel:
Bayern – Porto U(1)/S(2) > Bayern weiter (1 Sonderpunkt)
Wolfsburg – Napoli S(2)/N(0) > Wolfsburg weiter (1 Sonderpunkt)
Bundesliga-Punkte, Viertelfinale: 7/7 = 1
Bayern – ??? S(2)/N(0) > Bayern weiter (1 Sonderpunkt)
Wolfsburg – ??? S(2)/N(0) > Wolfsburg ausgeschieden
Bundesliga-Punkte, Halbfinale: 5/7 = 0,7143
Bayern – ??? S(2)
Bundesliga-Punkte, Finale: 2/7 = 0,2857
Bei diesem Verlauf könnte die Bundesliga also insgesamt noch 2 Punkte in dieser Saison gewinnen und England überholen – rein hypothetisch natürlich.
sportzumsonntag am 21. März 15
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Die Rückrunde der Fußball-Bundesliga: Ein klarer Titelfavorit, dafür viel Spannung im Abstiegskampf
Die ersten drei Spieltage der Bundesliga-Rückrunde sind absolviert. Einen besonders positiven Eindruck hinterließen vor allem die Nordteams aus Wolfsburg und Bremen (nach den Ergebnissen ebenfalls der HSV). Auch bei den anderen Mannschaften lassen sich nach 20 Spieltagen erste Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf der Rückrunde ziehen.
Bayern München: Nach der herben 1:4-Klatsche zum Auftakt beim VfL Wolfsburg scheinen die Bayern langsam wieder warm zu werden. Auch wenn das 1:1 gegen Schalke und das 2:0 in Stuttgart noch keine Bestätigung der Hinrunden-Form waren, zeigt sich der Rekordmeister von Spiel zu Spiel verbessert. Wenn demnächst die Verletzten (Lahm, Ribéry, Badstuber, Thiago, Rafinha, evtl. Martínez) zurückkehren ist auch wieder die Breite im Kader vorhanden, um Formschwächen einzelner Spieler auffangen zu können. Deshalb bleibt Bayern der große Favorit auf den Meistertitel – das wäre dann der dritte in Folge.
VfL Wolfsburg: Die „Wölfe“ scheinen sehr gut aus der Winterpause gekommen zu sein. Insbesondere der Belgier Kevin de Bruyne präsentiert sich in herausragender Form. Auch außerhalb des Spielfeldes sorgte der Club mit dem Transfer von André Schürrle für Schlagzeilen. Für den VfL sollte ein Platz in der Champions League sicher sein. Trotz des beeindruckenden Sieges über die Bayern kommt der deutsche Meistertitel für diese Mannschaft wohl (noch) zu früh.
FC Schalke 04: Auch Schalke präsentierte sich in den drei Spielen in guter Verfassung und gewann 7 Punkte (zwei Heimsiege, ein Remis in München). Dennoch gab es Kritik an der sehr defensiven Spielweise des S04. Letztlich zählt aber nur der Erfolg – und der gibt Trainer Roberto Di Matteo Recht. Aus meiner Sicht spielt Schalke um den 2. Rang mit, ein Platz unter den ersten vier sollte auf jeden Fall möglich sein.
FC Augsburg: Eigentlich kann man den FCA nicht mehr als Überraschungs-mannschaft bezeichnen, denn er spielt seit beinahe zwei Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Trotzdem ist der 4. Platz – punktgleich mit Schalke – eine kleine Sensation. Angesichts der Konkurrenz sollte dieser auch kaum zu halten sein. Im Kampf um einen Europa League-Platz hat Augsburg mit acht Punkten Vorsprung auf den 7. dagegen sehr gute Karten.
Borussia Mönchengladbach: Nach zwei 1:0-Erfolgen zum Auftakt ärgerte man sich in Mönchengladbach sehr über die 0:1-Niederlage beim direkten Konkurrenten Schalke 04. Vielleicht befürchtet man eine etwas schwächere Rückrunde, wie in den vergangenen Jahren auch. Aus meiner Sicht besteht dafür aber kein allzu großer Anlass denn das Team von Lucien Favre wirkt in dieser Saison routinierter als zuvor und verfügt über einen relativ ausgeglichenen Kader. Der 4. Rang und damit die Qualifikation zur Champions League sollte für die Borussia machbar sein.
Bayer Leverkusen: Nach dem ziemlich überzeugenden Start vom neuen Trainer Roger Schmidt in der Hinrunde ließ es Leverkusen zuletzt immer häufiger an Konstanz mangeln – bei dem Stil, den der Coach spielen lässt und dem relativ jungen Durchschnittsalter der Mannschaft vielleicht nicht so überraschend. Trotzdem sollte das in dieser Saison noch ein kleiner Nachteil gegenüber Konkurrenten wie Schalke und Mönchengladbach sein. Deshalb wird der 4. Platz eher schwer zu erreichen sein.
TSG Hoffenheim: Die wirklich überzeugende Vorrunde scheint schon fast in Vergessenheit zu geraten. Zur Zeit präsentieren sich die Hoffenheimer alles andere als stabil. Trotz Rang sieben könnte die TSG noch in akute Abstiegsgefahr geraten.
Werder Bremen: Die Bremer sind hingegen der bisherige Gewinner der Bundesliga-Rückrunde. Alle 9 möglichen Punkte gingen auf das Konto vom SV Werder. Der Trainerwechsel von Robin Dutt zu Viktor Skripnik scheint wirklich den Erfolg zurückgebracht zu haben und auch die Spielweise ist nach der Wintervorbereitung wesentlich ansehnlicher geworden. In dieser Form braucht Bremen nicht um den Klassenerhalt zu zittern.
Eintracht Frankfurt: Die Eintracht zeigt auch in der Rückrunde guten, offensiven Fußball. Die gewünschte Effektivität ist aber (noch) nicht vorhanden. So ein bisschen erinnert das an die Anfangszeiten von Trainer Thomas Schaaf in Bremen. Bleibt für die Frankfurter zu hoffen, dass sich dann bald auch ein ähnlicher Erfolg einstellt (Schaaf wurde mit Bremen Meister und drei Mal Pokalsieger). In diesem Jahr wird es wohl aber wieder ein Platz im Mittelfeld werden.
Hannover 96: Die Hannoveraner haben den Start in die Rückrunde – ähnlich wie Hoffenheim – mit nur einem Punkt aus drei Spielen verschlafen. Der Abstand auf die Abstiegsplätze ist dementsprechend geschrumpft. Auch für Hannover könnte die Rückrunde noch ungemütlich werden.
1. FC Köln: Als nun offizieller Karnevalsverein zeigen sich die Kölner in der fünften Jahreszeit recht nüchtern. 5 Punkte und kein Gegentor gegen direkte Konkurrenten (Hamburg, Stuttgart, Paderborn) sind eine gute Bilanz aber wahrlich kein Ruhekissen. Der FC wird sich wohl weiterhin eher nach hinten als nach vorne orientieren müssen.
Hamburger SV: Nach zwei Siegen in Folge scheint der HSV in der Rückrunde an Stabilität zu gewinnen. Vor allem die weiterhin starke Defensivleistung des Teams sollte ein Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten im Abstiegskampf sein. Mehr als ein Mittelfeldplatz ist für den Traditionsverein der Bundesliga in dieser Saison aber nicht drin.
FSV Mainz 05: Trotz des spektakulären Auftakterfolges (5:0 gegen Paderborn) präsentierte sich Mainz zuletzt in keiner überragenden Verfassung. Der Relegationsplatz ist nur noch drei Punkte, die Abstiegsplätze vier Punkte entfernt. Wie für so viele Teams in der Liga ist bei Mainz zwischen Platz 7 und Platz 18 fast alles möglich.
Hertha BSC: Nach dem Trainerwechsel von Jos Luhukay zu Pal Dardai konnte die Hertha am Samstag ihren ersten Rückrunden-Sieg feiern. Ob der neue Coach die Berliner aber in höhere Tabellenregionen führen kann und besser mit dem frischgebackenen Afrikameister Salomon Kalou klarkommt, muss er in der Rückrunde erst noch beweisen. Auch die Hertha wird wohl lange um den Klassenerhalt zittern müssen.
SC Paderborn: Der Neuling, der die Liga im Sommer noch so aufmischte, scheint in einen langen Winterschlaf gefallen zu sein. Nach zwei desaströsen Niederlagen zum Auftakt der Rückrunde könnte das 0:0 in Köln das erste Zeichen für ein Erwachen gewesen sein. Für Paderborn wird es in der Rückrunde aber schwer werden, in der 1. Bundesliga zu bleiben.
Borussia Dortmund: War das 3:0 gegen Freiburg die Wende? Schwer zu sagen, denn ähnliche Spiele zeigte die Borussia zwischenzeitlich auch in der Vorrunde. Wenn die Mannschaft, neben ihrer zweifellos vorhandenen spielerischen Qualität, auch erkennt, in welcher Gefahr sich ihr Klub befindet, sollte Dortmund sich nicht mehr lange auf dem Relegationsplatz aufhalten. Mehr als der siebte Rang ist, auch auf Grund des großen Punkterückstandes, in diesem Jahr aber einfach nicht möglich.
SC Freiburg: Freiburg ist den Abstiegskampf gewohnt. Fast jedes Jahr spielten die Breisgauer um den Klassenerhalt, meist erfolgreich. In dieser Saison könnte es aber mal wieder schief gehen. Zumindest die Qualität des Kaders scheint – außer Paderborn – allen Konkurrenten unterlegen. Trotz der Erfahrung im Abstiegskampf ist für Freiburg in diesem Jahr ein Platz zwischen 16 und 18 relativ wahrscheinlich.
VfB Stuttgart: Eigentlich zeigte der VfB in der Rückrunde bisher keine wirklich schlechten Leistungen – dennoch befindet man sich plötzlich auf dem letzten Platz der Tabelle. Trotz der Niederlagen (0:1 gegen Gladbach, 0:2 gegen Bayern) deuteten die Stuttgarter in den Heimspielen leichte Verbesserungen gegenüber der katastrophalen Vorrunde – wo nur magere 5 Punkte zu Hause gewonnen wurden – an. Auf der anderen Seite lässt die lange Torlosigkeit die Alarmglocken schrillen. Auf Trainer Huub Stevens wartet noch einige Arbeit um den VfB abermals vor dem Abstieg zu bewahren.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 09. Februar 15
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Schürrle zurück in der Bundesliga und „Ausleih-Orgie“ in Italien – ein Überblick der Toptransfers des Winters
Seit dem Wochenende rollt wieder der Ball in den deutschen Profiligen. Obwohl der Spielbetrieb läuft (in den anderen großen Ligen war er gar nicht unterbrochen) waren einige Vereine noch „last-minute“ auf der Suche nach Verstärkungen unterwegs. Erfahrungsgemäß passiert in den letzten Tagen einer solchen Transferperiode noch sehr viel.
Obwohl das Transferfenster heute (2.2.) schloss, befanden sich die Transfers von André Schürrle (von Chelsea zu Wolfsburg) und Juan Cuadrado (von Florenz zu Chelsea) bis zuletzt in der Schwebe. Zumindest der Deal mit Schürrle wurde gerade erst vom VfL Wolfsburg bestätigt. Laut englischer Medien beläuft sich die Ablösesumme auf geschätzte 24 Millionen Pfund und läge damit auf dem gleichen Niveau, wie der Transfer von Wilfried Bony. Der Ivorer ist mit etwa 32,3 Millionen Euro der bislang teuerste Spieler dieser Transferperiode. Manchester City investierte diese Summe für den erfolgreichsten Torjäger der Premier League im Kalenderjahr 2014. Derzeit weilt der ehemalige Swansea-Akteur allerdings noch beim Afrika-Cup in Äquatorialguinea, wo er die Elfenbeinküste gestern Abend mit zwei Treffern gegen Algerien ins Halbfinale schoss.
Mit Seydou Doumbia wechselte ein weiterer ivorischer Stürmer-Star die Seiten. Circa 14,4 Millionen Euro ließ sich die Roma die Dienste des Torjägers von Spartak Moskau kosten. Unter Umständen ein Schnäppchen, denn der Marktwert des ehemaligen Baslers wird auf 25 Millionen Euro taxiert. Um Platz im römischen Angriff zu machen – denn neben Doumbia wurde auch der kolumbianische Nationalspieler Victor Ibarbo von US Cagliari ausgeliehen – gab man Mattia Destro an den AC Milan ab (ebenfalls per Leihe).
In dieser Transferperiode schlugen auch andere italienische Vereine ordentlich zu. Inter Milano veranstaltet eine regelrechte Stürmer-Leih-Orgie: Nach Lukas Podolski (vom Arsenal FC) und Xherdan Shaqiri (aus Bayern, der im Sommer aber auf jeden Fall fest verpflichtet werden soll) könnte jetzt auch noch Antonio Cassano geliehen werden. Das ehemalige Wunderkind des italienischen Fußballs wurde von den Ultras seines Vereins, FC Parma, quasi rausgeschmissen. Inter-Coach Mancini scheint Mitleid zu haben...
Ein weiterer Offensivakteur, Jung-Nationalspieler Manolo Gabbiadini, wechselt für kolportierte 12,5 Millionen Euro von Sampdoria zum SSC Napoli. Dafür holten sich die Genuesen Alt-Star Samuel Eto'o aus Everton als Ersatz – angeblich zum Nulltarif. Dass das trotzdem kein Gewinngeschäft für Sampdoria sein muss zeigte Eto'o heute, als er angeblich das nach der 1:5-Niederlage am Wochende angesetzte Sondertraining schwänzte und lieber zu seiner Familie nach Mailand fuhr.
Ein etwas gewöhnungsbedürftiges Geschäft machte der AC Milan. Der enttäuschende Leih-Stürmer Fernando Torres wurde für drei Millionen Euro fest vom Chelsea FC verpflichtet, um ihn direkt – im „Leih-Tausch“ mit Alessio Cerci – an Atlético Madrid auszuleihen, wo Torres plötzlich wieder trifft. Ansonsten verstärkten sich die Milanesen vor allem in der Defensive: Salvatore Bocchetti (per Leihe von Spartak Moskau) und Gabriel Paletta (für 3 Millionen Euro aus Parma) stoßen neu zum Kader. Einen prominenten Abgang gibt es bei Juventus zu verzeichnen. Das „ewige Talent“ Sebastian Giovinco geht ablösefrei zum Toronto FC in die nordamerikanische MLS.
Ein neuer Konkurrent für die europäischen Clubs scheint in China zu erwachsen, zumindest in Sachen Transfers. Guangzhou Evergrande, das in den letzten Jahren schon das ein oder andere „Auslaufmodell“ verpflichtete, verstärkte sich in dieser Transferperiode mit den Brasilianern Ricardo Goulart (23, von Cruzeiro) und Alan (25, aus Salzburg) für insgesamt circa 26 Millionen Euro. Diese Spieler schienen eigentlich auch für die größeren europäischen Ligen interessante Optionen zu sein. Offensichtlich ist der chinesische Fußball aber mittlerweile finanzstark genug, die eher durchschnittliche Qualität der Liga aufzufangen.
Während die italienischen (und chinesischen) Klubs in erster Linie in Offensivkräfte investierten, standen in Spanien die Mittelfeldspieler im Fokus. Den teuersten Neuzugang vermeldet der CF Valencia. Für satte 25 Millionen Euro kam der argentinische Vize-Weltmeister Enzo Pérez von SL Benfica. Klub-Weltmeister Real Madrid investierte vor allem in die Zukunft. Neben dem erst 16-jährigen Super-Talent Martin Ödegaard aus Norwegen verpflichteten die Madrilenen in Lucas Silva einen weiteren Mittelfeldspieler. Für den 21-jährigen „6er“ erhielt Cruzeiro etwa 13 Millionen Euro.
Nach den großen Einsparungen im Sommer (Wechsel von James Rodríguez und Falcao) zeigt sich der AS Monaco im Winter wieder etwas spendabler. Mit Mittelfeld-Talent Bernardo Silva stößt ein weiterer Portugiese zum Kader der Monegassen. Circa 15,75 Millionen Euro soll Benfica für den 20-jährigen in den Verhandlungen herausgeholt haben.
Die dringend benötigte Verstärkung für die Innenverteidigung hat sich der Arsenal FC geleistet. Für etwa 15 Millionen Euro wechselte der Brasilianer Gabriel Paulista von Villarreal an die Themse. Er ist jetzt einer von drei (vorher sogar nur zwei!) Innenverteidigern im Kader der „Gunners“. Der Toptransfer der Premier League ist aber Juan Cuadrado. Für den kolumbianischen WM-Star, dessen Vertragsunterschrift der Chelsea FC soeben verkündete, müssen die Londoner wohl die angeblich festgeschriebene Ablösesumme von 33 Millionen Euro an die Fiorentina überweisen. Damit wäre Cuadrado der teuerste Transfer dieser Wechselperiode.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 02. Februar 15
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Die wichtigsten Wintertransfers 2015
In dieser Woche gibt es (endlich) wieder Bundesliga-Fußball! Nach über einem Monat Winterpause rollte der Ball ab Freitag wieder. Viele Vereine haben die Zeit genutzt, um sich im sonnigen Süden auf die Rückrunde vorzubereiten. Außerdem ist der Transfermarkt für einen Monat geöffnet. Das bietet vor allem den Enttäuschungen der Hinrunde die Möglichkeit, personell nochmal nachzubessern. Die meisten Kellerkinder haben sich aber (noch) nicht durchringen können, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen.
Auch alle anderen Bundesligisten haben sich in dieser Winterpause auf dem Transfermarkt zurückgehalten. An Zu- und Abgängen steht ein Transfervolumen von insgesamt ca. 40 Millionen Euro zu Buche (Stand: 27.1.). Allein fast ein Drittel dieser Summe wurde für den Transfer von Kevin Kampl veranschlagt. Der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler, der mittlerweile für Slowenien aufläuft, kam von Red Bull Salzburg aus der österreichischen Bundesliga zu Borussia Dortmund. Beim enttäuschenden Tabellen-Vorletzten soll der offensive Mittelfeldspieler frischen Wind ins Angriffsspiel bringen. Dass er das Potenzial dazu besitzt, hat er in den ersten Testspielen mit der Borussia bereits bewiesen, als er jeweils zu den auffälligsten Schwarz-Gelben gehörte und das ein oder andere Tor erzielte.
Kampl hat sich seit seinem „Scheitern“ in Leverkusen deutlich weiterentwickelt und möchte sich jetzt im zweiten Anlauf bei einem Top-Club der Fußball-Bundesliga durchsetzen. Der Umweg über die dritte (VfL Osnabrück) und zweite Liga (VfR Aalen) sowie über die österreichische Bundesliga hat den mittlerweile 24-jährigen reifen lassen und ihn zu einem begehrten Spieler in den europäischen Ligen gemacht. Trotz der Ablöse von 12 Millionen Euro könnte Kampl für die Borussia ein günstiger Transfer gewesen sein. Meine Prognose: Kevin Kampl setzt sich in der Rückrunde in der Startelf des BVB fest und trägt zu einer Leistungssteigerung seines neuen Teams bei.
Den vielleicht namhaftesten Neuzugang hat sich der FC Schalke 04 gesichert. Mit Matija Nastasic kam auch der absolute Wunschspieler von Coach Roberto Di Matteo. Der Serbe, der von Manchester City zunächst ausgeliehen ist, gilt immer noch als eines der größten Verteidiger-Talente Europas. Mit jetzt 21 Jahren benötigt er aber langsam dauerhaft Spielpraxis. Wenn Schalke ihm die in der Rückrunde bietet und Nastasic seine Chance nutzt, könnte es DER Transfer des Jahres werden (Schalke besitz im Sommer eine Kauf-Option über etwa 9,5 Millionen Euro). Meine Prognose: Als Wunschspieler des Trainers sollte Nastasic die Möglichkeit haben, sich gegen die relativ starke Konkurrenz in der Innenverteidigung (Höwedes, Matip) durchzusetzen, zumal Matip mit einem Fußbruch auf unbestimmte Zeit ausfällt. Auch eine mögliche Umstellung auf die Dreierkette (wie sie zum Ende der Vorrunde immer öfter praktiziert wurde) sollte Nastasic entgegenkommen. Wenn er sein Potenzial zeigen kann, wird er einen stabilisierenden Einfluss auf die Defensive haben und Schalke zur Vizemeisterschaft verhelfen.
Die anderen Spitzenteams hielten sich merklich zurück. Nur Leverkusen überwies sieben Millionen Euro an den AS Rom, um den bereits ausgeliehenen Tin Jedvaj fest zu verpflichten. Der 19-jährige Kroate, der unter Trainer Roger Schmidt den sofortigen Sprung in die erste Bayer-Elf schaffte, gehört zu den Aufsteigern der Hinrunde. Abgänge hatte hingegen Branchenprimus Bayern München zu verzeichnen. Xherdan Shaqiri wechselt zunächst auf Leihbasis (im Sommer aber fest für kolportierte 18 Millionen Euro) zu Inter Mailand. Zudem verleihen die Bayern Nachwuchskicker Pierre-Emile Höjbjerg nach Augsburg, wo der Däne Spielpraxis sammeln soll.
Zwei andere Vereine griffen für dänische Verstärkungen etwas tiefer in die Tasche, als der FCA. Tabellen-Schlusslicht SC Freiburg verstärkt seine lahmende Offensive mit Mats Möller-Daehli, der für etwa 1,5 Millionen Euro vom britischen Zweitligisten Cardiff City an die Dreisam wechselt. Sogar circa 2,5 Millionen Euro legt Werder Bremen für den ehemaligen Hoffenheimer Jannick Vestergaard auf den Tisch. Er soll das ein oder andere Loch in der Defensive der Werderaner stopfen.
Auch die drei dänische Neuzugänge verfügen über das Potenzial, ihre jeweilige Mannschaft merklich zu verstärken. Wenn Höjbjerg über einen längeren Zeitraum sein Talent unter Beweis stellen kann, ist für Augsburg eventuell sogar der Europapokal drin. Möller-Daehli hat schon in der Premier League einige gute Auftritte hingelegt, trotzdem wird Freiburg es dieses Jahr schwer haben, die Klasse zu halten. Ähnliches gilt für Bremen, die hoffen müssen, dass alle Neuzugänge (außer Vestergaard noch Casteels und Öztunali, jeweils per Leihe) die Qualität in der ersten Elf erhöhen. Denn spielerisch sah Bremen in der Hinrunde aus wie ein sicherer Absteiger.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 27. Januar 15
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2014 - Das Revival der Dreierkette
Das Fußball-Jahr 2014 wird den meisten deutschen Fans in Erinnerung bleiben. Mal euphorisch, mal kritisch wurde von Vielen die Leistung der DFB-Elf während des Jahres betrachtet – am Ende bleibt die Freude über den WM-Titel.
Bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gab es aber vor allem in taktischer Hinsicht eine interessant Entwicklung zu beobachten: Einige Teams spielten mit einer Dreierabwehrkette – und waren damit erfolgreich. Etwa der WM-3. aus den Niederlanden oder der Überraschungs-Viertelfinalist Costa Rica; auch Vizeweltmeister Argentinien trat zeitweise mit diesem System an.
Bis vor ein paar Jahren galt die Dreierabwehrkette als altbacken und war im Profibereich so gut wie ausgestorben. Erst nach 2010 tauchte sie an prominenter Stelle wieder auf. Die Italiener Cesare Prandelli (Nationalcoach Italiens) und Antonio Conte (Trainer von Juventus) kultivierten das 3-5-2-System wieder. Es ist erstaunlich,dass diese Veränderung von Italien ausgeht, da das klassische italienische System, der „catenaccio“, den auch Prandelli und Conte erlernt haben, auf einer Viererabwehrkette basiert.
Der Systemwechsel mag eine Reaktion auf das Ballbesitz-Spiel der spanischen und deutschen Mannschaften gewesen sein und war deshalb einigermaßen defensiv orientiert (nicht allerdings für italienische Verhältnisse). Defensiv ausgelegt war auch die Spielweise der Dreierabwehrketten während der WM. Dies war bei den Viererketten aber nicht anders - so spielte Weltmeister Deutschland zeitweise mit vier Innenverteidigern.
Die Entwicklung während dieser Saison zeigt eher in eine andere Richtung: man spart sich mit der Dreierkette einen Abwehrspieler und stärkt damit die Offensive. So ist das zumindest bei Pep Guardiola (Bayern) – der dieses System ja bereits im Pokalfinale gegen Dortmund anwandte – und Louis van Gaal (ManUnited) zu beobachten. Erfolgslosigkeit hatten die Beiden 2014 nicht zu beklagen.
Was macht die Dreierabwehrkette plötzlich wieder so attraktiv? Seit Anfang der 2000er Jahre setzte sich im europäischen Fußball immer mehr das 4-2-3-1-System durch, das vor allem durch Héctor Cuper beim CF Valencia populär wurde. Es stellte eigentlich nur die Abkehr vom Spiel mit zwei Mittelstürmern zu Gunsten eines weiteren Mittelfeldspielers dar. Im Laufe der 2000er Jahre wandten immer mehr Trainer dieses Spielsystem an, immer öfter mit einer offensiven Grundausrichtung. Als Höhepunkt dieser Entwicklung stellte Louis van Gaal 2010/11 bei den Bayern mit Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos gerne zwei zuvor offensive Mittelfeldspieler auf die „Doppelsechs“ und beorderte in Thomas Müller einen Stürmer auf die „10“. Zusammen mit den durchaus offensiven Außenverteidigern Lahm und Alaba, den Außenstürmern Robben und Ribéry sowie dem Mittelstürmer Gómez (oder Olic) konnte er im 4-2-3-1-System 8 offensivstarke, ballsichere Akteure aufbieten. Für das extrem auf Ballbesitz ausgelegte Offensivspiel war das mit Sicherheit die optimale Lösung, allerdings erwies sie sich in der Defensive als sehr anfällig.
Anders sieht das zur Zeit bei Guardiola (und mittlerweile auch bei ManUnited unter van Gaal) aus. Obwohl auch hier oft 8 offensivdenkende Spieler eingesetzt werden, führt die Dreierabwehrkette zu einer relativ großen Stabilität der Defensive. Die Verteilung der Spieler auf dem Platz und die damit verbundene (zum Teil geänderte) taktische Aufgabe der jeweiligen Position dürfte in diesem Fall den entscheidenden Unterschied machen.
Auf der anderen Seite wurde die Dreierabwehrkette – oder je nach Spielart auch Fünferabwekrkette – in letzter Zeit am häufigsten eingesetzt um dem Ballbesitzfußball der Gegner zu trotzen. Italien bei der EM 2012 und einige Teams bei der WM 2014 hatten mit dieser Taktik Erfolg (unter anderem auch van Gaal als niederländischer Nationalcoach).
Die Gründe, warum die Dreierabwehrkette sowohl dem extremen Ballbesitzfußball zuträglich sein kann, ihn aber auch erfolgreich unterbinden kann sind folgende:
Die Variabilität ist größer. Insbesondere die Mittelfeldpositionen können – je nach Spielausrichtung – entweder sehr offensiv oder sehr defensiv besetzt werden.²
Prinzipiell wird nicht mit einem defensiven Außen und einem offensiven Außen auf jeder Seite gespielt, sondern mit jeweils nur einem, der beides können sollte. Damit wird die Mitte des Spielfeldes gestärkt, wo der Ball zirkulieren kann. Um dies wiederum zu unterbinden, muss man also ebenfalls die Zentrale verstärken.
Diese Vorteile kommen aber nur dann wirklich zum Tragen, wenn der Gegner nicht das gleiche System spielt. Und das ist 2014 vielleicht das Erfolgsgeheimnis der Dreierabwehrkette gewesen. Fast alle Mannschaften spielen seit längerer Zeit ein 4-2-3-1 oder eventuell noch ein 4-4-2 und sind auch nur auf Gegner eingestellt, die dieses System spielen. Das könnte sich in Zukunft schnell ändern, und dann ist Flexibilität gefragt. Die bietet eine Dreierabwehrkette dann vielleicht eher als die Viererkette. Wir werden sehen...
² Das beste Beispiel dafür ist Louis van Gaal. Bei Manchester United lässt er in einer 3-4-1-2-Formation momentan offensivausgerichteten Angriffsfußball spielen, während er bei der WM mit den Niederlanden noch defensivorientiert spielen ließ. Anhand der Aufstellungen lässt sich dieser Unterschied sehr gut an der Besetzung des Mittelfeldes belegen: Während bei Manchester in Valencia und Young zwei „Stürmer“ auf den Außen spielen waren es mit Janmaat und Blind bei der WM zwei „Verteidiger“; auch die Zentrale ist bei ManUnited häufig noch offensiver besetzt als es bei den Niederlanden der Fall war. Mit beiden Varianten hat van Gaal Erfolg.
Autor: Andreas Arens.
sportzumsonntag am 01. Januar 15
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